Foto: dpa

Aus Sicht des baden-württembergischen Finanz- und Wirtschaftsministers Nils Schmid (SPD) muss das Theater womöglich länger als geplant geschlossen bleiben.

Stuttgart - Im Zuge des Sanierungsdebakels beim Stuttgarter Staatsschauspiel droht der nächste Rückschlag. Aus Sicht des baden-württembergischen Finanz- und Wirtschaftsministers Nils Schmid (SPD) muss das Theater womöglich länger als geplant geschlossen bleiben, womit ein pünktlicher Start der Intendanz von Armin Petras im Oktober dieses Jahres in Gefahr ist.

"Wir werden in dieser Woche im Verwaltungsrat des Theaters darüber reden, wie wir mit den Zeitplänen umgehen", sagte Schmid im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten und räumte ein: "Wir müssen überlegen, ob wir einen Vorsorgeplan erabeiten." Ursprünglich hätte die Sanierung des Schauspielhauses ein Jahr dauern sollen, nun spielt das Theater in der zweiten Interimsspielstätte und die Sanierung geht ins vierte Jahr.

Als Reaktion auf die Sanierungspannen im Stuttgarter Schaispielhaus kündigte Schmid einschneidende Maßnahmen bei der zuständigen staatlichen Bauverwaltung an. "Wir prüfen personelle Konsequenzen." Die Stelle der Stuttgarter Amtsleitung sei bereits neu ausgeschrieben worden: "Da gibt es eine Neubesetzung." Noch vor der Sommerpause solle „ein externer Gutachter die Arbeit in der Bauverwaltung untersuchen.“

Sanierungsdebakel hat Stuttgart schweren Imageschaden zugefügt

Der Minister zeigt sich im Interview höchst unzufrieden mit dem Vorgehen seiner Mitarbeiter bei der Bauverwaltung. „Was mich am meisten ärgert, ist, dass die Dimension der Probleme in der politischen Spitze sehr zeitversetzt oder gar nicht ankamen. Da verstehe ich den Unmut des Theaters, so nach dem Motto: "Müssen wir immer erst den Minister direkt anrufen, damit etwas klappt."

Mit Blick auf die anstehende Sanierung des Stuttgarter Opernhauses will der stellvertretende Ministerpräsident Konsequenzen aus der Pannenserie beim Schauspielhaus ziehen. "Wir brauchen einen Gesamtüberblick, damit wir mit realistische n Zeitplänen und Kostenannahmen arbeiten können. Dazu gehört auch, dass gegebenenfalls die Schließzeiten länger sind." Bisher sind für die Sanierungsarbeiten am Opernhaus rund 18 Millionen Euro eingeplant. "Man kann aber nicht vorab die Kosten deckeln, bevor man untersucht hat, wie viel bestimmte Sanierungsschritte kosten", sagte Schmid dem Blatt und kündigte an: "Für das Gesamtgebilde Oper wird man noch ein Gutachten externer Sachverständiger brauchen, um das vernünftig zu eruieren."

Schmid räumte ein, dass das Sanierungsdebakel am Schauspielhaus dem Theaterstandort Stuttgart einen schweren Imageschaden zugefügt habe. Der Frust von Schauspielintendant Hasko Weber und anderen Verantwortlichen sei deshalb nachvollziehbar. „Es ist umso ärgerlicher, dass gerade die am meisten leiden, die diesen Kulturstandort hochgebracht haben. Hasko Weber, Regisseur Volker Lösch und all die anderen Künstler haben das Staatstheater gerockt.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: