Bei der Sanierung des „Alten Friedhofs“ hatte der Denkmalschutz mitzureden. Foto: Torsten Ströbele

Das Sanierungsgebiet „Feuerbach 6 – Obere Stuttgarter Straße“ soll nach zwölfjähriger Dauer nun beendet werden. Einige Bereiche im Stadtbezirk, darunter auch die Grünanlage „Alter Friedhof“, konnten im Zuge der Fördermaßnahme attraktiver gestaltet werden.

Feuerbach - Vor knapp zwölf Jahren beschloss der Gemeinderat, dass der Bereich „Feuerbach 6 – Obere Stuttgarter Straße“ Sanierungsgebiet werden soll. Als am 20. Oktober 2005 dieses Gebiet rund um den Biberturm und von der oberen Stuttgarter Straße über die Klagenfurter Straße bis hinunter zur Mühl-, Fahrion- und Dieterlestraße mit den alten Wohnbereichen rund um die Kelter förmlich festgelegt wurde, lagen die alten Straßenbahngleise noch im Fahrbahnbelag der oberen Stuttgarter Straße. Bekanntlich fuhr früher – genauer gesagt seit 1909 – die alte „Strambe“ mitten durch die Stuttgarter Straße. Irgendwann verschwanden die großen gelben Wagen aus dem Straßenbild der Einkaufsmeile, aber die Gleise blieben als Relikt im Fahrbahnbelag der oberen Stuttgarter Straße liegen.

Erst im vergangenen Jahrzehnt kamen sie raus – auch dank der Fördermittel aus dem Sanierungsprogramm „Feuerbach 6 – Obere Stuttgarter Straße“. Relativ zügig konnte mit Hilfe der Gelder der zweite Bauabschnitt für die Umgestaltung der oberen Stuttgarter Straße im Abschnitt zwischen Hohewart- und Wiener Straße in Angriff genommen werden.

Ortsbildprägende Gebäude konnten gesichert werden

Doch das war nur ein Teil von „Feuerbach 6“, den Thomas Schuster vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung am vergangenen Dienstag im Bezirksbeirat vorstellte. Denn in erster Linie sollte das Förderprogramm auch dazu dienen, ortsbildprägende Bauten zu sichern und privaten Hauseigentümern durch Beratung und finanzielle Förderung, die Modernisierung und Instandhaltung ihrer Häuser im alten Flecken schmackhaft zu machen.

Was in einigen Fällen auch gut gelang: „Wir haben 59 Grundstückseigentümer beraten“, berichtete Schuster. Letztendlich wurden neun erhaltenswerte Gebäude saniert und modernisiert, darunter waren auch zwei denkmalgeschützte Gebäude und zwei ortsbildprägende Gebäude. Schuster zeigte dem Gremium gelungene Einzelbeispiele, die damit auch zur Steigerung der Attraktivität im baulichen Umfeld beitrugen.

Doch es gebe auch Eigentümer, die ihrer Verpflichtung nicht nachkommen würden, goss Jochen Heidenwag (Freie Wähler) mit Blick auf bestimmte Hausbesitzer einen Wermutstropfen in den Freudenkelch des ansonsten gelungenen Sanierungsprogramms. Stadtplaner Schuster sagte dazu: „Wir sind letztendlich auf die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer angewiesen, wir machen nichts gegen deren Willen.“ Nicht immer sind die Verhandlungen erfolgreich. So auch bis dato bei der Entwicklung und Arrondierung eines Geländes innerhalb des Sanierungsgebietes „Feuerbach 6“ auf einem ehemaligen Tankstellengelände nahe dem Kreisverkehr Klagenfurter/ Oswald-Hesse-Straße. Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) plant dort den Bau dreier Mehrfamilienhäuser. „Planungsverzögerungen ergaben sich durch Verhandlungen mit dem Eigentümer eines benachbarten Gebäudes, das die SWSG gerne gekauft hätte“, sagt SWSG-Sprecher Peter Schwab auf Nachfrage unserer Zeitung. Die SWSG plane nun ohne dieses Grundstück.

Wesentliche Sanierungsziele konnten erreicht werden

Insgesamt sieht Schuster „Feuerbach 6“ als Erfolgsgeschichte, wesentliche Maßnahmen im Hinblick auf die Sanierungsziele seien inzwischen realisiert worden, deshalb schlage die Verwaltung nun in einer Beschlussvorlage die Aufhebung des Gebietes vor. Neben der Modernisierung erhaltenswerter Gebäude und der Schließung von Baulücken sollte das Programm auch die Nahversorgung stärken, das Wohnumfeld und die Stellplatzsituation verbessern. Bis auf diesen letzten Punkt seien alle anderen „wesentliche Maßnahmen im Hinblick auf das Sanierungsziel realisiert worden“, steht in der Beschlussvorlage.

Attraktiv gestaltet wurde die Grünanlage „Alter Friedhof“. Vor allem die Sanierung der alten Friedhofsmauern erwies sich dabei als baulich komplexe Aufgabe: Es galt einerseits den „morbiden Charme der alten Friedhofsmauer“, wie Thomas Schuster es formulierte, zu bewahren. Andererseits war diese Einfassung des Parkgeländes nicht mehr standsicher, es gab also über die reine Sanierung hinaus Handlungsbedarf: „Also haben wir hinter der denkmalgeschützten Mauer eine zweite Mauer gesetzt, die den Druck des Erdreichs übernommen hat“, erklärte Schuster. Auch der Denkmalschutz habe dieser Lösung letztendlich zugestimmt. Dass die Stadt nun dieses Sanierungsgebiet im Ortskern aufzulösen gedenkt, nahm der Bezirksbeirat mit Bedauern zur Kenntnis: Es gebe an einigen Stellen noch Sanierungsbedarf, hieß es aus den Reihen des Gremiums. Doch offenbar ist der Förderrahmen von 2,2 Millionen Euro inzwischen ausgeschöpft. 1,32 Millionen Euro steuerten Bund und Land bei. Das Verfahren wurde 2005 ins Bund-Länder-Sanierungsprogramm aufgenommen. Nach Ende des Städtebauförderungsprogramms wurde es im Landessanierungsprogramm fortgesetzt. Auf etwa acht bis zehn Jahre sei so ein Programm ausgelegt, zu lange sollte es sich nicht hinziehen, erklärt Schuster. Am 26. Juli soll der Aufhebungsbeschluss im Gemeinderat erfolgen. Rechtsverbindlich wird die Aufhebung der Satzung allerdings erst mit der Veröffentlichung im Amtsblatt, die voraussichtlich im August erfolgen soll. Der Bezirksbeirat votierte einstimmig für die Aufhebung.

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