Das Cabrio-Bad in Weinstadt musste bereits geschlossen werden – nun fürchten Gemeinderäte um das Stiftsbad. Foto: Stoppel/Archiv

Wegen Schäden an der Decke muss das Hallenbad in Beutelsbach von dieser Woche an geschlossen werden. Im Gemeinderat weckte dies schlimme Erinnerungen an das Cabrio-Bad.

Weinstadt - Wir können darüber ganz sachlich reden, wie über andere Dinge auch“, rief der Oberbürgermeister Michael Scharmann den Gemeinderat zur Besonnenheit auf. Eine weitergehende Untersuchung der Dachkonstruktion des Stiftsbades in Beutelsbach sollte beschlossen werden, da bei der jüngsten Bauwerksprüfung Schäden festgestellt worden sind, welche die Stand- und Verkehrssicherheit der Einrichtung bedrohen. Doch im Gemeinderat ging noch ein ganz anderes Schreckgespenst namens Cabrio-Bad um.

Schäden durch Korrosion

2009 musste dieses wegen eines maroden Daches geschlossen werden. Seitdem ist klar: Es braucht einen adäquaten Ersatz. Zumal auch das Stiftsbad in Beutelsbach zunehmend in die Jahre kommt, Weinstadt indes zumindest für seine Schulen Schwimmunterricht ermöglichen können muss. Der damalige Beschluss für einen Neubau wurde jedoch im Jahr darauf durch einen Bürgerentscheid wieder gekippt. In den folgenden Jahren verhinderten nicht nur Animositäten zwischen den Weinstädter Teilorten, sondern auch eine angespannte Finanzlage der Stadt eine Lösung der Bäder-Problematik. Es ist ein schweres Erbe, das Scharmanns Vorgänger, Jürgen Oswald, hinterlassen hat – vor allem, weil es emotionsbeladen ist wie kein anderes Thema in Weinstadt. So schwebt die ungelöste Bäder-Problematik seit Beginn seiner Amtszeit wie ein Damoklesschwert über dem neuen Oberbürgermeister.

Die Ergebnisse der Bauwerksprüfung zeigen nun, dass Aufhängungen der Deckenbekleidung über dem Becken des Stiftsbades durch Korrosion erheblich Schaden genommen haben, wie sich an einer zur Prüfung geöffneten Stelle zeigte. Von dieser Woche an soll das Hallenbad daher geschlossen werden, um auch die übrigen Bereiche der Decke prüfen zu können, die Schäden zu beseitigen und eine neue Verkleidung – auch zur Schallminderung und Wärmedämmung – wieder anzubringen, erklärte die Hochbauamtsleiterin Danielle Göhner. Mindestens sechs bis acht Wochen würden die Arbeiten dauern. Die voraussichtlichen Kosten: 150 000 Euro.

Ein Fass ohne Boden?

Doch ging es dem Stadtparlament bei seiner Debatte hierüber weniger um diese überplanmäßige Ausgabe und die Frage, ob es nicht modernere und günstigere Alternativen statt einer erneuten Deckenabhängung gibt. Vielmehr fürchtete man, es könne dem Stifts- wie einst dem Cabrio-Bad ergehen: Dass es zu einem Fass ohne Boden wird, das deswegen schlussendlich dicht gemacht werden muss – noch bevor der lang ersehnte Badneubau am Bildungszentrum in Endersbach realisiert werden kann. Zumal es bereits jetzt eine Unterversorgung für den Sportunterricht gibt. Langfristig wird das Hallenbad in Beutelsbach ohnehin nicht zu halten sein. Wartung und Erhaltung gehen zunehmend mehr ins Geld, kosten jährlich 20 000 bis 30 000 Euro. So hat etwa die Lüftungsanlage ihre technische Lebensdauer längst überschritten. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann das Stiftsbad endgültig schließen muss.

Ob und wie die Decke saniert wird, steht noch nicht fest. Der Gemeinderat einigte sich lediglich darauf, die Verkleidung vollständig entfernen zu lassen. Was dabei zu Tage tritt, will sich das Gremium am 12. November bei einem Vor-Ort-Termin ansehen und dann erst über eine Reparatur entscheiden.

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