Das Badezentrum Sindelfingen steht vor einer umfassenden Sanierung oder einem Neubau. Die Verwaltung favorisiert bestimmte Pläne.
Das Badezentrum Sindelfingen wurde im Jahr 1976 erbaut und ist am Ende seines Lebenszyklus’. „Wir können davon ausgehen, dass das Gebäude auf Rohbauzustand zurückgebaut werden muss“, sagt der Projektleiter für die Sanierung, Clemens Knoch. Oder es wird ganz abgerissen. Beides hat weitreichende Folgen für Bürger, Schulen, Familien.
Schon seit mehr als zehn Jahren wird über eine Sanierung des Bades diskutiert – aber auch über eine Erweiterung des Sportbads um einen Familien- und einen Saunabereich. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie das Badezentrum später aussehen könnte. Einige davon hat die Stadtverwaltung bei einem Informationsabend vorgestellt.
Badezentrum Sindelfingen: Trennung vom Dach oder dem 50-Meter-Becken?
Zum Hintergrund: In Sindelfingen stehen vier Bäder zur Verfügung, um sämtliche Bedürfnisse zu erfüllen. Neben Sport- und Freizeit- gehört dazu auch das Thema Schulschwimmen und natürlich das ganz große Ziel: Jedes Kind soll die Möglichkeit bekommen, Schwimmen zu lernen, sprich – Platz für Schwimmkurse. Die vier Bäder sind das Badezentrum, das Maichinger Bädle, das Rappenbaumbad und das Klostergartenbad. Die Stadt rechnet: So viel Wasserfläche steht (in diesen Bädern) zur Verfügung, um alle Aufgaben zu erfüllen. Das Dilemma: Alle vier Bäder müssten im Prinzip saniert werden. Jetzt. Und egal, wie man es dreht, jede Aktion hat Folgen für andere Bäder und natürlich den Stadtsäckel.
Im Prinzip vom Tisch: Eine reine Sanierung des Badezentrums, wie sie einmal vorgesehen war, hält die Verwaltung für unwirtschaftlich. Würde man nur das bestehende Bad sanieren, würde das laut Verwaltung mindestens 43 Millionen Euro kosten. Die Verwaltung weist darauf hin, dass es viele Unbekannte gibt – beispielsweise den Zustand der Leitungen, der Technik, des Betons und der Wände. Zudem sei die Fassade marode. Nach einer reinen Generalsanierung sei das Bad zwar dann in einem guten Zustand, sagte Oberbürgermeister Markus Kleemann (CDU), aber Prognosen gehen davon aus, dass der Betrieb jährlich mit fünf Millionen Euro bezuschusst werden müsste. Außerdem gäbe es keine neuen Angebote, um andere Alters- und Zielgruppen anzusprechen.
Verschiedene Varianten für das Badezentrum Sindelfingen
Eine Variante – Variante eins genannt – wäre eine Sanierung des Bestands mit einer Erweiterung um einen Familien- und einen Saunabereich. Dabei bliebe das Badezentrum im Grunde erhalten – müsste aber vermutlich dennoch in einen Rohbauzustand versetzt werden. Eine Kostenschätzung: 91,4 Millionen Euro. Auch gegen diese Variante hat die Verwaltung Vorbehalte, da das Badezentrum dadurch zwar sein ikonisches Dach behalten, aber das Alleinstellungsmerkmal 50-Meter-Becken verlieren würde.
Stattdessen wäre bei dieser Variante Folgendes vorgesehen: ein 25-Meter-Becken mit acht Bahnen, ein 20 mal zehn Meter großes, zweites Becken, eine Wasserspielwelt für Kleinkinder und ein Splashbereich für größere Kinder. Die Rutschen wären räumlich vom Altbau getrennt, lägen näher am Freibad. Für die Saunawelt wären ein Außenbecken und ein See vorgesehen, jeweils mit Liegen. Noch ein Haken: Um die nötige Schwimmwasserfläche zu behalten, die man braucht, müsste zugleich das Klostergartenbad saniert werden. Es kämen rund 30 Millionen Euro obendrauf.
Badezentrum Sindelfingen: Was spricht für oder gegen die Varianten?
Eindeutiger Favorit der Verwaltung, als Variante zwei bezeichnet, wäre ein Neubau. Auch Teile des Gemeinderats haben bereits bekannt, für diese Variante zu sein. Der Neubau käme mit schätzungsweise 91 Millionen Investitionskosten günstiger, da die Wasserfläche erhalten bliebe – man demnach nicht zeitgleich das Klostergartenbad anpacken müsste. Denn der Neubau hätte die Möglichkeit, ein 52,5-Meter-Becken mit zehn Bahnen zu beherbergen. Mit einer elektromagnetisch betriebenen Wendebrücke könnte es in zwei kleinere Becken geteilt werden. Hubböden könnten die Wassertiefe variabel machen. Möglich wären ein Einmeter- und ein Dreimeterturm. Die großen Rutschen wären bei Variante zwei auch vom Freibad aus nutzbar. Die Gastronomie, die an den Saunabereich angeschlossen würde, könnten auch Gäste von außerhalb nutzen. Für Kleinkinder gäbe es im Plan – wie auch in Variante eins – eine Wasserspielwelt, für größere Kinder einen Splashbereich. Saunen und ein Eventplatz sind ebenfalls geplant. Dafür müsste aber der benachbarte Gebäudekomplex in der Hohenzollernstraße weichen.
Beide Varianten haben laut Verwaltung Vor- und Nachteile. Bei Variante eins, der Erweiterung, wäre ein Nachteil die räumliche Einschränkung durch den Altbau. Dazu könnten, wie erwähnt, unvorhergesehene Kosten kommen. Auch die energetischen Sanierungsmöglichkeiten wären eingeschränkt, sagt die Stadtverwaltung. Auf dem künstlerischen Dach könne man auch keine PV-Anlagen installieren. Vorteile wären neben der Erhaltung der ikonischen Holzstruktur die rund ein Jahr kürzere Planungszeit durch schon erfolgte Schritte, und kürzere Schließzeiten. Außerdem könne man auf Zuschüsse und Fördergelder hoffen.
Parkplätze kein Thema mehr am Badezentrum Sindelfingen
Variante zwei hätte den Nachteil, dass die architektonisch besondere Dachkonstruktion verloren ginge – die Stadtverwaltung sieht die Möglichkeit des Identitätsverlusts. Zudem sei das wettbewerbliche Verfahren ein Zeitfaktor. Der Abriss und dessen Abwicklung seien zudem mit zusätzlichem Aufwand und Kosten verbunden. Fördergelder und Zuschüsse seien auch nicht zu erwarten. Auf der anderen Seite stehen Vorteile wie reduzierte Betriebskosten durch einen hohen energetischen Standard und die Möglichkeit, bedarfsgerecht und zielgerichtet planen zu können. Auch könnten Wasserflächen und Kapazitäten des Klostergartenbads in das Badezentrum integriert werden, und durch die Trennbrücke im großen Becken sei eine flexiblere Nutzung der Wasserfläche möglich.
Ein Thema, das in den neuen Planungen keine Rolle mehr zu spielen scheint, sind die Parkplätze. Ursprünglich waren wegen der im Sommer oft ausgereizten Kapazitäten neue Parkmöglichkeiten und sogar mal ein Parkhaus angedacht. Auch eine Überdachung der bestehenden Parkplätze mit PV-Modulen war Thema. All das ist nun vom Tisch: zu teuer. „Wir sehen grundsätzlich keinen Zwang, die Parkflächen zu erweitern“, sagt Projektleiter Knoch. Bei Kosten von 17 500 pro Stellplatz müsse das wohl überlegt sein. Zumal, sagt er, die Parkplätze seien nur an einzelnen Hochlasttagen im Sommer knapp.