Die Sanierung des Hauses ist das bislang größte Bauprojekt der Stuttgarter Caritas gewesen. Foto: Mario Esposito

Die Caritas investiert 27 Millionen Euro in das Haus Martinus in der Olgastraße. Entstanden ist ein kernsaniertes Multifunktionshaus mit Altenwohnheim, Kita und einem Konvent. Stadtdekan Christian Hermes ist begeistert.

Stuttgart - Freundlich, offen, modern wirkt das kernsanierte Haus Martinus an der Stuttgarter Olgastraße. Nähert man sich dem Gebäude von der Straße her, so deutet, abgesehen von einer hölzernen Skulptur, die St. Martin zu Pferde darstellt, kaum etwas darauf hin, dass man vor einem Pflegeheim und nicht etwa vor einer Versicherung oder einer Behörde steht. Sachlich und durchaus repräsentativ wirkt der Bau. Wer das lichtdurchflutete Haus betritt, ahnt auch kaum, dass es sich um ein mehr als 50 Jahre altes Gebäude handelt. Tatsächlich ist das Haus Martinus das älteste Pflegeheim der Caritas in Stuttgart. Für Vorstand Uwe Hardt hat es „eine ganz besondere Bedeutung“.

Zwischenzeitlich fanden geflüchtete Menschen eine Bleibe dort

Bereits vor elf Jahren begann die Ideenfindung für einen Umbau. 2015 zogen die letzten Bewohner aus. Das Haus wurde „entwohnt”, wie es im Fachjargon heißt. Noch im selben Jahr fanden geflüchtete Menschen in dem nun leer stehenden Gebäude eine vorübergehende Bleibe. Danach erst begannen die Bauarbeiten, bei denen die Caritas als Bauherrin viel Wert auf Ökologie und Energieeffizienz legte. Allein die Entscheidung für eine Kernsanierung und damit gegen einen kompletten Neubau dürfte diesbezüglich schon eine Menge ausgemacht haben. Mit einigem Aufwand erhielt man die alten Bäume hinter dem Haus und pflanzte dazu noch einige neue. 150 000 Euro ließ sich die Caritas die Dachbegrünung kosten. Die Summe für die gesamte Sanierung beträgt 27 Millionen Euro. Laut Hardt handelt es sich dabei um das bislang größte Bauprojekt der Stuttgarter Caritas. Seit Januar hat das Haus Martinus wieder geöffnet.

Die Hausgemeinschaften tragen vertraut klingende Namen

Im Zuge der Umbauarbeiten erfolgte auch eine konzeptionelle Erneuerung und damit die Gliederung in sieben sogenannte „Hausgemeinschaften“. Bei der Caritas verspricht man sich davon eine noch individuellere Fürsorge. Die Hausgemeinschaften tragen vertraut klingende Namen wie „Karlshöhe“, „Fernsehturm“ oder „Weinsteige“. Jede von ihnen hat neben dem auch früher schon üblichen Gemeinschafts- und Essbereich eine großzügige und barrierefreie Wohnküche. Die Speisen werden also direkt bei den Bewohnern und nicht in einer zentralen Großküche zubereitet. Die Alltagsbegleiterinnen der Bewohner haben gleichermaßen organisatorische wie soziale Aufgaben. Möglichst unkompliziert möchte man so auf Bedürfnisse und spontane Wünsche eingehen. Darüber hinaus ist die Architektur aller Küchen so angeordnet, dass Gemeinschaftsmitglieder beim Kochen helfen können. Dadurch entsteht ein geselliger und familiärer Alltag. „Wir wollen so wenig wie möglich Institution sein“, sagt die neue Hausleiterin Martina Wagner.

Jede Etage hat ihr eigenes Farbkonzept

Sie kann auf ihre Erfahrungen aus dem Caritas-Haus St. Barbara in Möhringen zurückgreifen, wo sie dieses Konzept über gut zehn Jahre mit Leben gefüllt hat. Das Haus bietet nun Platz für 87 Wohneinheiten für Alleinstehende sowie vier für Paare. Zumeist befinden sich zwei Hausgemeinschaften auf einem Stockwerk. Darüber, im fünften Stock, gibt es elf Sozialwohnungen, in denen psychisch erkrankte Menschen leben. Jede Etage hat ihr eigenes Farbkonzept, das eigens auf die zumeist geringere Sehkraft älterer Menschen abgestimmt ist. In der vierten Etage befinden sich ein Andachtsraum, eine sonnige Terrasse mit Blick auf die Stuttgarter Innenstadt und ein Konvent mit vier Ordensschwestern der indischen Bethaniengemeinschaft.

Platz für 87 Wohneinheiten

Das Erdgeschoss beherbergt eine Kindertagesstätte des katholischen Stadtdekanats mit 60 Plätzen. Sie schenkt dem Haus noch mehr Buntheit und Vielfalt und mittelfristig soll sich ein sozialer Austausch zwischen Kindern und alten Menschen ergeben. In allem wirkt das Haus lebendig und lebensnah. Stadtdekan Christian Hermes spricht daher begeistert von einem „Zentrum des Lebens für Kinder, alte und hilfebedürftige Menschen im Herzen unserer Stadt“.

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