Im großen Saal machen sich freiwillige Helfer daran, die Deckenverkleidung zu entfernen. Foto: /Katja Eisenhardt

Die sogenannten Abriss-Samstage mit Ehrenamtlichen bilden den Auftakt zur umfassenden Sanierung des evangelischen Gemeindehauses in Hochdorf. Sie sind zu einer Gemeinschaftsaktion geworden.

Im Flur staubt es. Wo vormals die Sanitärbereiche des evangelischen Gemeindehauses in Hochdorf waren, erinnert nur noch ein Türschild an diese. Von den Waschbecken, Toiletten und Trennwänden ist an diesem ersten von drei geplanten Abriss-Samstagen bereits nach eineinhalb Stunden tatkräftigen Einsatzes nichts mehr zu sehen, auch den Wandfliesen geht es an den Kragen.

 

Rund 15 ehrenamtliche Helfer haben sich im Gemeindehaus eingefunden. Die beiden jüngsten unter ihnen sind Henry (8) und Paul (10). Die beiden Jungen gehören zu den Jungscharkindern des Hochdorfer CVJM, einem der Hauptnutzer des Gebäudes. Für sie war daher klar, dass sie mit anpacken wollen: „Ich helfe gerade dabei, die alten Böden rauszureißen, das macht richtig Spaß“, findet Henry. Aus dem Hochdorfer Dorfleben ist das Gemeindehaus seit seiner Erbauung Anfang der 1960er-Jahre kaum wegzudenken. Allerdings hat sich an seinem Zustand seither auch nichts geändert. In den 1990er-Jahren folgte dann eine Aufstockung um ein weiteres Stockwerk. Es ist ein Treffpunkt für unterschiedliche (Alters-)Gruppen – von der Krabbelgruppe über die Jungscharen, Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht, Mütterkreis, Zwischenstop-Frauentreff und die Seniorengymnastik bis zum Mittagstisch „Essen&mehr“.

Der Pfarrer freut sich über das „Gemeinschaftsprojekt“

„Ich finde das wirklich toll, wie viele Leute jetzt mithelfen, das ist zu einem richtigen Gemeinschaftsprojekt geworden“, freut sich Pfarrer Gerald Holzer. Dank der tatkräftigen Unterstützung der freiwilligen Helfer geht es im zu sanierenden Erd- und Untergeschoss des Gemeindehauses mit den notwendigen Abrissvorarbeiten zügig voran. Im großen Saal wird nach und nach die alte Decken- und Wandverkleidung entfernt. Verschwunden ist auch die alte Theke. Dasselbe steht der Bühne bevor, die sich am Ende der Sanierung ebenerdig in den Raum einfügen und dank einer neuen Wand zum Stauraum umfunktioniert werden soll. Auch das Mobiliar hat seine besten Zeiten hinter sich.

Erneuert werden außerdem die Heizkörper und die Heizungssteuerung sowie die Beleuchtung. Bis auf den Fliesenboden im Eingangsbereich des Gemeindehauses sollen alle alten Böden raus: „Hier wurde bei einer Prüfung festgestellt, dass sie schadstoffbelastet sind“, berichtet Holzer. Runter muss zudem die alte Tapete in der Küche, die sich teils löst. Eine Rundumerneuerung braucht es überhaupt für die Elektrik, allein im großen Saal funktioniert nur noch eine Steckdose, von WLAN ist im Gebäude bisher keine Spur. Im neuen Sanitärbereich wird eine behindertengerechte Toilette dazukommen.

Auch die Barrierefreiheit ist ein wichtiges Thema der Sanierung. Was die energetische Sanierung und damit eine Reduzierung der zu hohen Heizkosten angehe, stehe der Austausch der kompletten Fensterfronten auf der Agenda. Im Kellergeschoss muss im vom CVJM genutzten Raum ein Fluchtweg aufs Außengelände entstehen.

Der erste Container ist schnell gefüllt

Der erste Container ist an diesem ersten Abriss-Samstag schnell gefüllt. „Durch die Eigenleistung an den drei Samstagen können wir rund 23 000 Euro an Kosten einsparen“, so der Pfarrer. „Nach Pfingsten werden die ersten Handwerker erwartet, bis zum Jahresende soll die Sanierung bestenfalls abgeschlossen sein“, ergänzt die Kirchenpflegerin Carolin Emmerich. Das Obergeschoss kann währenddessen von den Gruppen weiter genutzt werden. Insgesamt beträgt die Kostenschätzung für die Sanierung aktuell rund 400 000 Euro.

„Der Zuschuss der evangelischen Landeskirche liegt bei 111 000 Euro, vom evangelischen Kirchenbezirk kommen weitere 24 800 Euro dazu. An Spenden sind bisher 25 500 Euro vorhanden, 40 000 Euro wären hier unser Ziel“, so Holzer. Die Rücklage der Kirchengemeinde liege bei 197 700 Euro, „das kann aber nicht alles nur für die Sanierung des Gemeindehauses eingesetzt werden“, erläutert Gerald Holzer.

Mit Veranstaltungen werden Spenden gesammelt

In den kommenden Monaten seien verschiedene Veranstaltungen im Ort geplant, über die ebenfalls Spenden zusammenkommen könnten, kündigt Carolin Emmerich an. Den Auftakt bildeten die Erlebnistour für Groß und Klein des CVJM sowie ein Flohmarkt, „dazu kommen Konzerte, ein Gemeinde- und ein Tankstellenfest, ein Jungschar-Dinner, ein Stand auf dem Martini- und Bauernmarkt und im Hochdorfer Eiscafé „Sugar&Spice“ gibt es einen extra ,Gemeindehaus-Bobbel’“, zählt die Kirchenpflegerin auf. Die nächsten beiden Abriss-Samstage sind am 7. Mai und am 14. Mai geplant.

Wo sich Helfer melden können

Sanierung
Alle Infos zur Evangelischen Kirchengemeinde Hochdorf findet man unter: https://www.hochdorf-evangelisch.de. Wer bei den Abriss-Samstagen helfen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0 71 53/4 35 19 70 oder per E-Mail unter kirchenpflege.hochdorf@elkw.de melden.

Spenden
Für die Sanierung spenden kann man auch über die Homepage der Kirchengemeinde: https://www.hochdorf-evangelisch.de/opfer-und-spenden.