Eine Mehrheit des Bürgerforums zur Opernsanierung hat sich dafür ausgesprochen, das Paketpostamt am Rosensteinpark nochmals als Übergangsquartier für Oper und Ballett während der Sanierungszeit des Littmann-Baus in den Blick zu nehmen. Was sagen die großen Fraktionen im Gemeinderat dazu?
Stuttgart - Im kommenden Jahr wollen Stadt und Land als paritätische Kostenträger der Staatstheater entscheiden, wie es mit der Sanierung des Großen Hauses in Stuttgart weitergeht. Am Mittwoch hat das vom Land initiierte Bürgerforum, das sich seit zweieinhalb Monaten intensiv mit der komplexen Materie rund um die geplante Opernsanierung beschäftigt hat, seine Empfehlung an die politisch Verantwortlichen in Stadt und Land übergeben. Die rund 60 zufällig ausgewählten Teilnehmer sprechen sich darin für die Modernisierung und Sanierung des Opernhauses und den Einbau einer Kreuzbühne aus. Eine Herausforderung speziell für die Stadt stellt vor allem das Plädoyer des Forums dar, das 2018 bereits einmal als Ausweichquartier für Oper und Ballett gehandelte Paketpostamt am Rosensteinpark nochmals als Alternative zur geplanten Interimsspielstätte bei den Wagenhallen zu untersuchen. Das Votum des Bürgerforums ist zwar nicht bindend, dennoch beteuern die Fraktionen im Gemeinderat, die Empfehlungen ernstnehmen zu wollen. Doch bei der Interimsfrage gibt es in dem Gremium unterschiedliche Haltungen.
Grüne zurückhaltend, CDU skeptisch
Die Grünen begrüßten die Empfehlung grundsätzlich und sehen sich in ihrer Haltung zur Sanierung bestätigt. Zum Thema Interim unterstreicht Fraktionschef Andreas Winter allerdings die Bedenken gegenüber dem Vorschlag Paketpostamt: „Wir haben uns seinerzeit aus guten Gründen entschlossen, das Thema nicht weiterzuverfolgen.“ Dabei hätten nicht nur die prognostizierten Umbaukosten von mehr als 100 Millionen Euro, sondern auch die problematische Verkehrsanbindung eine Rolle gespielt. Vor allem aber hätte man der Post, der das Areal gehört und die in dem Gebäude ihr Paketumschlagszentrum hat, keinen Ersatzstandort anbieten können. Dennoch werde man das Bürgervotum zum Anlass nehmen, die eigenen Argumente für eine Ersatzoper bei den Wagenhallen, die eine Task Force unter Leitung von OB Fritz Kuhn (Grüne) nach monatelangem Standortsuchlauf vorgeschlagen hatte, nochmals zu hinterfragen.
Die CDU sieht nach den Worten ihres Fraktionschefs Alexander Kotz im Augenblick keine Notwendigkeit, das Thema Paketpostamt erneut aufzurufen. Es gebe über die seinerzeitige Standortuntersuchung hinaus keine neuen Erkenntnisse. „Ich denke, dass wir mit der Wagenhallen-Oper eine nachhaltigere Lösung auf dem Tisch liegen haben“, sagt Kotz. Damit spielt er auf die vorgesehene Nachnutzung von geplanten Gebäuden an, die zunächst als Verwaltungstrakt und Werkstattgebäude für Oper und Ballett dienen sollen und in denen später Unternehmen aus der Kreativbranche angesiedelt werden sollen, wie es der Siegerentwurf für das geplante Rosensteinquartier unter dem Stichwort Maker City vorsieht.
SPD ist offen für Paketpostamt-Variante, Linksfraktion für Kulturinsel am Rosensteinpark
Ex-OB-Kandidat und SPD-Fraktionschef Martin Körner, dessen Fraktion gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien im Rat ursprünglich das Postareal für die Erweiterung des Rosensteinparks als Kompensation für das Bahnprojekt Stuttgart 21 nutzen wollte, hatte im OB-Wahlkampf offen mit einem Kulturstandort am Rosensteinpark geliebäugelt. Er will nun das Thema Paketpostamt nochmals auf die Tagesordnung setzen, zumal für die Sozialdemokraten auch beim Standort Wagenhallen Fragen offen seien: „Vergeben wir uns durch eine Interimsoper bei den Wagenhallen wohnungsbaupolitisch etwas im Rosensteinquartier?“
Hannes Rockenbauch, Sprecher der Linksfraktion, will in Sachen Paketpostamt sogar noch über das Votum des Bürgerforums hinausgehen. Dem Stadtrat schwebt eine dauerhafte „Kulturinsel“ am Rosensteinpark vor, die zunächst als Operninterim und danach als eine Art soziokulturelles Zentrum genutzt werden könnte. Dazu sei es nötig, nach einem Ersatzstandort für das Paketpostamt zu fahnden: „Da muss sich die Stadt eben anstrengen“, findet Hannes Rockenbauch. Er kann sich dabei durchaus einen Hybridbau aus Logistikzentrum im Erdgeschoss und Wohnungen darüber vorstellen, da brauche es „kreative Lösungen“.