Das Anfang des 20. Jahrhunderts vom Architekten Max Littmann gebaute Opernhaus wird umfassend saniert und erweitert. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Mit dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats wird das über sechs Jahre strittig diskutierte Projekt nun aufs Gleis gesetzt. Bis zur Wiedereröffnung des Großen Hauses in neuem Glanz dürfte aber mindestens ein Jahrzehnt vergehen.

Stuttgart - Der Gemeinderat hat am Mittwoch wie erwartet mit breiter Mehrheit die Sanierung und Erweiterung der maroden Stuttgarter Staatsoper auf den Weg gebracht und dafür wie zuvor bereits das Land Planungsmittel in Höhe von 13,5 Millionen Euro bewilligt. CDU, Grüne, SPD, FDP sowie AfD und die Puls-Fraktionsgemeinschaft sprachen sich für für den Einstieg in die Sanierung aus. Das Linksbündnis stimmte gegen die Vorlage, ein Stadtrat der Freien Wähler votierte gegen den geplanten Ergänzungsbau für das Kulissenlager in Cannstatt.

 

OB: Großprojekt ist solide gerechnet

Zuvor hatte OB Frank Nopper (CDU) die noch von seinem Amtsvorgänger Fritz Kuhn (Grüne) auf den Weg gebrachten Planungen verteidigt. Zwar blieben bei einem Projekt dieser Größenordnung immer Restrisiken bestehen, die Kosten seien aber ehrlich, transparent und solide gerechnet. Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU) wies Vorwürfe aus den Reihen der Linken zurück, Alternativen seien nicht ernsthaft geprüft worden. Dies könne man nach fast sieben Jahren Diskussion nun wirklich nicht behaupten.

Der eigentliche Baubeschluss für das Großprojekt, das nach Berechnungen des Landes im schlimmsten Fall rund eine Milliarde Euro kosten könnte, erfolgt erst später. Die jetzige Entscheidung bedeutet, dass auf Basis des von den Württembergischen Staatstheatern sowie von den Kostenträgern Stadt und Land erarbeiteten Konzepts nun die Planungen vorangetrieben werden. Im Fokus steht dabei zunächst die Interimsspielstätte für die auf bis zu zehn Jahre geschätzte Sanierungsdauer des denkmalgeschützten Großen Hauses. Diese soll in der Nachbarschaft des Kulturzentrums Wagenhallen im Stuttgarter Norden entstehen.

Kernstück der Sanierung ist der Einbau einer Kreuzbühne

Neben der eigentlichen Übergangsspielstätte sind dort auch Gebäude für Verwaltung und Werkstätten vorgesehen, die die Stadt auf eigene Kosten und im Vorgriff auf das geplante Rosensteinquartier errichtet. Sie sollen nach Ende der Interimszeit als Wohnungen und Büros für die Kreativszene genutzt werden – die sogenannte Maker City war ein Ergebnis des Wettbewerbs für das Rosensteinquartier. Die Spielstätte selbst soll später wieder abgebaut und Interessenten zum Kauf angeboten werden.

Erst wenn Oper und Ballett das neue Domizil bezogen haben, kann die eigentliche Sanierung des Littmann-Baus vonstatten gehen. Vorgesehen sind unter anderem der Abriss und Neubau des Kulissengebäudes an der Konrad-Adenauer-Straße. Um den Neubau weniger massiv ausfallen zu lassen, werden Teile der Werkstätten und des Kulissenlagers auf das frühere Zuckerfabrik-Areal in Bad Cannstatt ausgelagert.

Kernstück der Sanierung ist der Einbau einer Kreuzbühne ins Opernhaus. Dafür muss die südliche Fassade auf einer Länge von 20 Metern aufgerissen und um zwei Meter in Richtung Landtag versetzt werden. Vor allem die Kreuzbühnenthematik war und ist heftig umstritten: Die Einen geißeln den Eingriff als „Zerstörung eines Kulturdenkmals“, die Anderen halten den Einbau für zwingend, um künftig den Opernspielplan ohne Umbauphasen vielfältiger und attraktiver gestalten zu können und das mehrfach als „Oper des Jahres“ ausgezeichnete Haus konkurrenzfähig zu halten. Für die Kreuzbühne hatte sich im Dezember 2020 das vom Land initiierte Bürgerforum ausgesprochen. Der Vorstand des Vereins Aufbruch Stuttgart und der Schwäbische Heimatbund dagegen hatten an Stadt und Land appelliert, auch Varianten ohne Kreuzbühne zu untersuchen – vergeblich.

Linksbündnis kritisiert hohe Ausgaben

Während Sprecher von Grünen, CDU und FDP die vorliegende Planung lobten und vor allem auch auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die rund 1400 Mitarbeiter der Oper abhoben, kritisierte Guntrun Müller-Enßlin (Linksbündnis) die hohen Ausgaben. Die Oper in ihrer heutigen Form sei ein „Auslaufmodell“, ihre Fraktion spreche sich für eine „Bürgeroper der Zukunft“ aus. Die SPD, die vor der Entscheidung durchsetzen wollte, dass der Einbau einer Kreuzbühne nur unter dem Vorbehalt einer genauen technischen und finanziellen Prüfung in den Grundsatzbeschluss aufgenommen wird, stellte am Ende ihre Bedenken angesichts der Mehrheitsverhältnisse zurück.