Land und Stadt treiben mit der Sanierung der Stuttgarter Oper wieder einmal ein Projekt voran, das aus dem Zeitrahmen zu fallen droht – und teurer werden dürfte als gedacht. Im Rathaus muss man endlich priorisieren, meint unser Autor Jörg Nauke.
Wer sich einmal durch die mit Kleiderständern belegten Gänge der Stuttgarter Oper hat führen lassen, die technische Ausstattung aus den Anfangszeiten von Elektrizität und analoger Bühnentechnik bestaunen durfte, hegt weder Zweifel an der Endlichkeit dieser Spielstätte noch daran, dass für ihre Modernisierung in Dekaden gerechnet werden muss. Eine Erkenntnis, die sich aus der Erfahrung mit Stuttgart 21 speist: Das Alte muss weg, aber das Neue wird viel teurer und später fertig.
Auch wenn die Befürworter einer Revitalisierung des Drei-Sparten-Hauses von Bescheidenheit bei der Planung reden, auf die Notwendigkeit der Sanierung abheben und auf den Umstand, dass der Point-of-no-return längst überschritten ist, dürfte das Projekt bis auf Weiteres umstritten bleiben.
Im Stuttgarter Rathaus muss man endlich priorisieren
Opernfreunde müssen 2026 wohl auf Cem Özdemir als Kretschmann-Nachfolger und geduldigen Projektbegleiter setzen, denn dem möglichen CDU-Rivalen Manuel Hagel wird selbst in den eigenen Reihen reichlich Distanz zu den schönen Künsten und der aufwendigen Sanierung nachgesagt.
Im Stuttgarter Rathaus ist man der Kultur traditionell umso stärker zugetan. Hinter jedem der vielen aktuellen Projekte steht eine andere Gemeinderatsmehrheit. Ohne eine baldige Priorisierung droht aber ein böses Erwachen. Man darf gespannt sein, wo der Rotstift angesetzt wird. Immerhin droht ein mittelgroßes Haushaltsloch.