Wer mit seinem Gewicht unzufrieden ist, sollte den Talk im Rahmen der „Fashion“-Ausstellung mit Sandra Wurster hören. Die Stuttgarterin könnte zu ungeahntem Glück und mehr Zufriedenheit verhelfen.
Stuttgart - Einer der beliebtesten guten Vorsätze lautet: abnehmen. Sandra Wurster rät dagegen, zu seinem Körper zu stehen, statt sich ewig zu plagen.
Frau Wurster, wie viele Diäten haben Sie schon im Leben gemacht?
Ich habe nicht irgendeine Diät gemacht, sondern eher gehungert. Deshalb bin ich Begründerin der „Bauchfrauen“, weil ich das leider viel zu lange getan habe und den Menschen sagen möchte: Das Leben ist zu kurz, um den Bauch einzuziehen.
Wie kam es dazu?
Ich bin Tanzpädagogin und hatte sehr begabte Schülerinnen und Schüler. Sie entsprachen dem Schönheitsbild, aber waren trotzdem unzufrieden. Da ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Wenn selbst die Schönen, Jungen sich nicht gut fühlen, ist es dann tatsächlich ein privates oder eher ein gesellschaftliches Problem? Jede dritte Frau hat kein gesundes Verhältnis zum Essen, das können wir nicht verleugnen.
Und das wollten Sie ändern?
Ich habe zunächst meinen Unterricht verändert, wollte dann aber doch mehr Menschen erreichen und habe meine Firma aufgemacht. Wir verkaufen Magazine, Bücher, Motivationskärtchen – alles, damit der Mensch seinen Selbstwert sieht.
Sie wenden sich nicht nur an Dicke?
Nein. Körperschmerz kann man nicht definieren, wobei man sagen muss, dass wir eine größere Dicken- als Dünnendiskriminierung haben. Man muss sich mit Themen auseinandersetzen, mit denen sich Dünne noch nie beschäftigt haben: Passe ich in den Stuhl? Wenn du als dicker Mensch ein Eis in der Hand hast, ist es interessant, was man für Blicke und Kommentare bekommt.
Raten Sie, das einfach abprallen zu lassen? Oft geht es doch auch um Gesundheit.
Viele große Menschen gehen tatsächlich ungern zum Arzt, weil sie bei allem, was sie haben, immer hören, dass sie doch abnehmen sollen. Dabei gibt es da viel neues Wissen – und oft reflektieren wir nicht, dass die Diät-Kultur nicht nur mit Gesundheit zu tun hat. Eine Aktivistin hat einmal gesagt: Wenn jede Frau mehr Selbstbewusstsein hätte, dann würde ein Milliardenmarkt zusammenbrechen.
Was vermitteln Sie Ihrem Publikum – etwa heute beim Talk zur Stuttgarter „Fashion“-Ausstellung?
Generell muss man den Leuten klarmachen: Du bist gut genug, unabhängig davon, wie du aussiehst. Das fällt vielen schwer. Dicken Menschen wird bewusst gemacht: Ziehe lange schwarze Vorhänge an, verstecke dich und schäme dich. Da macht Leben keinen Spaß.
Wird dick eines Tages als schön gelten?
Ich glaube nicht, dass es wichtig ist zu sagen, dass dick schöner ist als dünn oder andersherum. Es wird sicher lange dauern, aber ich hoffe, dass wir eines Tages die Vielfalt mehr feiern und dass wir den Körper mehr als ein Instrument wahrnehmen. Er ist nicht schön oder nicht – er ist.
Bauchfrau mit Power
Person
Die Stuttgarterin Sandra Wurster ist gelernte Tanzpädagogin. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Das Leben ist zu kurz, um den Bauch einzuziehen“. Sie wirbt für Body Positivity und will mit Workshops und ihrem eigenen Mode-Label vermitteln, seinen Körper mit allen Makeln zu feiern.
Talk
Das Landesmuseum Stuttgart lädt zum digitalen Gespräch mit Sandra Wurster um 19 Uhr via www.instagram.com/lmwstuttgart.