Namenswechsel: Das Bethesda-Krankenhaus an der Hohenheimer Straße wechselt erneut den Eigentümer. Und wird zum RBK-Standort City. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Das Robert-Bosch-Krankenhaus übernimmt vom Sana-Konzern die Bethesda-Klinik. Dort soll ein Zentrum für Altersmedizin und für Plastische Chirurgie entstehen. Das RBK begründet den Schritt auch mit der Unterversorgung Stuttgarts in der geriatrischen Rehabilitation.

Das Bethesda-Krankenhaus in der Stuttgarter Innenstadt wechselt erneut den Eigentümer. Zum Jahresanfang übernimmt das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) die 150-Betten-Klinik vom privaten Sana-Konzern. Damit ist eine Namensänderung verbunden. Das ehemals konfessionelle Haus, das der Sana-Konzern erst 2016 von der Agaplesion-Gruppe und der Bethanien Diakonissen-Stiftung gekauft hatte, wird künftig „Robert-Bosch-Krankenhaus, Standort City“ heißen.

 

Das RBK will an seinem neuen Standort nicht nur Akutgeriatrie, Geriatrische Rehabilitation und Innere Medizin anbieten. Von März nächsten Jahres an soll dort auch die Plastische Chirurgie des RBK angesiedelt werden. Diese ist derzeit noch in der Klinik Charlottenhaus auf der Gänsheide untergebracht. Dort war bis Anfang 2019 noch die belegärztliche Geburtsklinik des RBK beheimatet. Nun soll das Charlottenhaus geschlossen werden.

Unterversorgung in der Geriatrie

Der Medizinische Geschäftsführer des RBK, Mark Dominik Alscher, begründet den Erwerb und das Angebot damit, dass durch den demografischen Wandel „altersbedingte Erkrankungen in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden“. Durch die wachsende Zahl hochbetagter, oft mehrfach erkrankter geriatrischer Patienten müsse die Versorgung in der Altersheilkunde angepasst werden.

Dies gelte insbesondere in Stuttgart und in der Region, wo statistisch auf 1000 Einwohner über 75 Jahre nur 0,5 Betten in der geriatrischen Rehabilitation kämen, erklärte Alscher. In ganz Baden-Württemberg liege der Wert bei 1,6, im Raum Heidelberg und Mannheim sogar bei 3,0 Betten. Ähnlich sei die Lage im Akutbereich der Altersheilkunde, in der Region kämen auf 1000 hochaltrige Bewohner nur 0,3 Betten, deutschlandweit liege der Wert bei 2,0 Betten.

Entlastung der Stuttgarter Krankenhäuser

Hier sei Stuttgart „deutlich unterversorgt“, sagte Mark Dominik Alscher. Das hat auch damit zu tun, dass diese Leistungen von den Kassen nur mäßig vergütet werden. Es brauche für diese Patientengruppe aber besondere Angebote. Dies sei an der großen Nachfrage der anderen Krankenhäuser in der Landeshauptstadt erkennbar. Häufig können hochaltrige Patienten, die stationär behandelt werden, erst nach einer geriatrischen Reha wieder zurück in ihr häusliches Umfeld. „Sonst landen sie im Altenpflegeheim“, macht der RBK-Geschäftsführer deutlich. Weil die Plätze dort aber rar sind und man „die Patienten nicht mehr unterbringt“, so der Mediziner, müssen die Betroffenen oft länger in den Krankenhäusern bleiben. Dort kämpft man bekanntlich mit Personalmangel, weshalb in vielen Kliniken Betten reduziert werden müssen. Durch mehr Plätze in der geriatrischen Reha erreiche man somit „eine Entlastung des Akutbereichs“.

Am Hauptstandort auf dem Burgholzhof hat das RBK eigentlich 80 stationäre und 20 tagesklinische Plätze in der geriatrischen Reha. Weil man mit dem kürzlich erfolgten Umzug der Lungenklinik Schillerhöhe von Gerlingen nach Stuttgart aber Platz gebraucht hat, sind es nur noch 40 Betten. Die Sana hatte im Bethesda zuletzt auch nur noch 20 Reha-Betten, obwohl 50 zugelassen sind. Daraus sollen am neuen RBK-Standort nun 60 solcher Betten werden, sodass man insgesamt auf 100 komme, plus 20 tagesklinische Plätze.

Ambulante Dienste und ein PORT-Zentrum

Dazu kommen am City-Standort 40 Betten der Inneren Medizin und Akutgeriatrie. Außerdem erreiche man mit dem neuen Standort ältere Menschen im Bezirk Mitte und in südlich gelegenen Stadtteilen besser mit den Angeboten der Mobilen Geriatrischen Rehabilitation des RBK, sagte Alscher. Überdies will das RBK an der Hohenheimer Straße als Modell ein sogenanntes PORT-Zentrum (Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung) einrichten. Dieses Programm verfolge die Robert-Bosch-Stiftung bereits seit 2017 bundesweit für eine bessere Gesundheitsversorgung insbesondere für ältere Menschen mit chronischen Mehrfacherkrankungen. Diesen sollen „zusätzlich zur medizinischen Versorgung ambulante Gesundheitsangebote“ gemacht werden, erklärt Mark Dominik Alscher, etwa Physiotherapie, Bewegungskurse, Sturzprophylaxe oder Ernährungsberatung durch Pflegekräfte, die auch Hausbesuche machen.

Und der Erwerb des Bethesda ermöglicht dem RBK einen wichtigen Schritt bei der Standortkonsolidierung. So werde man das Charlottenhaus, das als ehemalige Villa dem Klinikbetrieb begrenzte Möglichkeiten bot, schließen. Anfang März wird die dortige Plastische Chirurgie mit 20 Betten am neuen City-Standort vertreten sein. So kommt man künftig auf insgesamt 120 Betten. Zwei der drei OP-Säle werden für diesen Bereich genutzt. Den dritten will das RBK für kleinere ambulante Eingriffe in der Bauchirurgie verwenden.

Beschäftigte sollen alle übernommen werden

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. In den kommenden beiden Jahren will das RBK rund 25 Millionen Euro in den neuen City-Standort investieren. Sowohl die rund 200 Beschäftigten des Bethesda als auch die gut 40 des Charlottenhauses werde man übernehmen, sagte der RBK-Geschäftsführer. Das Grundstück erhält man als Erbpacht, dieses bleibt im Eigentum der Bethanien Diakonissen-Stiftung. Zwar lege man den alten Namen ab, erklärte Mark Dominik Alscher, den in dem Haus aber traditionell tätigen Geistlichen werde man übernehmen. Eine Notaufnahme werde man in dem Haus aber weiterhin nicht betreiben. Schon die Sana war mit dem Bethesda aus dem Stuttgarter Notfall-System ausgestiegen.

Der Sana-Konzern betreibt in Stuttgart noch das Karl-Olga-Krankenhaus, das Krankenhaus zum Roten Kreuz und die Sana-Herzchirurgie. Andreas Ruland, der Regionalgeschäftsführer Südwest der Sana, begründete den Verkauf des Bethesda damit, dass sich die „Älterenmedizin an diesem Standort gut entwickelt hat“, der Fachkräftemangel habe „der weiteren Entwicklung allerdings Grenzen gesetzt“. Nach längeren Gesprächen mit dem RBK habe man sich gegen eine Kooperation und für eine Veräußerung entschieden, so Ruland.