Landrat Roland Bernhard (2. v. l.) und der Gärtringer Bürgermeister Thomas Riesch (Mitte) schlugen 2021 die ÖPNV-Brücke von Gärtringen nach Aidlingen. Foto: Eibner/Binias

Die „Airbusse“ zwischen Aidlingen, Ehningen und Gärtringen transportierten jahrelang nur warme Luft statt Passagiere. Jetzt ist damit Schluss.

Vor fünf Jahren waren sie eingeführt worden, die beiden Buslinien 764 und 768, und sie sollten Gärtringen mit Aidlingen und Ehningen verbinden, ohne den Umweg über Böblingen zu nehmen. Doch transportierten sie in dieser Zeit kaum Passagiere, sondern hauptsächlich „warme Luft“, wie Kerstin Pauls (Grüne) sagte, weswegen Uli Zinser (FDP) sie gar als „Airbusse“ bezeichnete. Doch nun dreht das Landratsamt Böblingen diesen „Airbussen“ die Luft ab, wegen Erfolglosigkeit.

 
Die Buslinie 764 verbindet Ehingen und Aidlingen. Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote

Doch sie werden nicht ersatzlos gestrichen. In der Sitzung des Gärtringer Gemeinderates am Dienstag war Daniel Rebmann vom Landratsamt Böblingen vor Ort, der als Sachgebietsleiter ÖPNV eben diese Alternative geplant hat, den „VVS-Rider Würmtal“. Unter diesem Titel werden der Kreis zusammen mit dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) ein Sammeltaxi bereitstellen.

Das Sammeltaxi per App bestellen

Für den Kunden geht das denkbar einfach: Er meldet seine Fahrt von A nach B per App beim VVS an und gibt in der App entweder ein, wann er losfahren oder wann er ankommen möchte. Die Computerprogramme der VVS bündeln dann die Anfragen, errechnen die bestmögliche Strecke und schicken einen Kleinbus los. Der Kunde wartet dann nicht an einer Bushaltestelle, sondern an der nächsten Straßenkreuzung, an einer sogenannten virtuellen Haltestelle. Deren Zahl ist beeindruckend: Statt ein paar dutzend Bushäuschen wird es zwischen Ehningen, Aidlingen und Gärtringen ganze 13 000 virtuelle Haltestellen geben.

Dieses System hat das Landratsamt schon im Norden des Kreises zwischen Renningen und Rutesheim getestet und für gut befunden. Die maximale Wartezeit von etwa 25 Minuten wird sogar meist unterschritten und der Passagier steht in der Regel 15 Minuten am Straßenrand.

Die Wege zur Haltestelle sind kürzer

Der Vorteil ist klar ersichtlich: Die Wege zur Haltestelle sind natürlich viel kürzer, die Fahrstrecken individueller, Pendler können auch wöchentliche Fahrten buchen – und das alles zu den Preisen des VVS. Was heißen könnte, dass jemand, der von der S-Bahn in Gärtringen kommt, nichts extra zu bezahlen braucht, wenn er in der gleichen VVS-Zone bleibt.

Die Sammeltaxis stehen werktags von 5 bis 24 Uhr bereit, Samstag, Sonntag und Feiertag von 7 bis 24 Uhr. Wer kein Smart-Phone hat, der kann im Sammeltaxi einen Notfahrschein kaufen.

Die Sammel-Taxis sind anfangs billiger

Die alten Buslinien 764 und 768 waren zwar vergeblich, aber nicht umsonst. Das neue Sammeltaxi wird die ersten Jahre etwas billiger sein als die Busse, hier müssen Aidlingen und Ehningen je 13 000 Euro bezahlen, Gärtringen etwas mehr als 17 000 Euro. Daniel Rebmann hofft, dass der VVS so auf die gewünschten 225 Fahrgäste am Tag kommt, damit das System in der Grundversorgung des Kreises verankert wird.  

Matthias Bock (Freie Wähler) fand es „logisch, dass wir die Buslinien zu Grabe tragen“. Er fand allerdings auch, der VVS und der Kreis sollten allzu üppige Anglizismen vermeiden.

Irgendwo hat er recht. Statt einen „VVS-Würmtal Rider on Demand“ zu bestellen, wäre die Bezeichnung „Sammeltaxi“ einfacher, schöner, kürzer und verständlicher, wenn auch nicht 100 Prozent deutsch.