Samen für Blühpflanzen als Nahrungsquelle für Insekten kann man dieser Tage in Waiblingen von einem Baum im Stadtpark ernten. Foto: Gottfried Stoppel

Kleine Dosen, die an Geschenkbändern vom Baum baumeln – alle sind gefüllt mit Saatgut, das Insekten Nahrung liefert. Passanten dürfen einfach zugreifen. Die Aktion auf der Erleninsel hat sich eine Waiblingerin ausgedacht.

Waiblingen - Na so was: auf der Waiblinger Erleninsel trägt ein Obstbaum plötzlich seltsame Früchte, von den Ästen baumeln kleine Dosen an gelben Geschenkbändern. Wer hier vorbeikommt, darf einfach zugreifen, sich eine Dose pflücken und mitnehmen. Darin steckt, regensicher verpackt, ein kleiner Beitrag zur Artenvielfalt: Samenkörner, aus denen Feldblumen wie Rittersporn, Klatschmohn, Lichtnelke oder Kornblumen sprießen. Alles Pflanzen, auf die Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge buchstäblich fliegen.

Den ganz besonderen Frühlingsbaum hat sich Andrea Ertz ausgedacht. Die Waiblingerin heckt schon seit Jahren immer wieder interaktive (Kunst-)Aktionen in ihrer Heimatstadt aus. Solo ist sie nun unter dem Namen „Stadtideen“ unterwegs, gemeinsam mit Silke Goll hat sie unter dem Namen „Waiblinger Ideentausch“ im vergangenen Sommer ein temporäres Fundbüro für Nicht-Dinge auf dem Marktplatz betrieben oder in der ganzen Stadt kleine Szenen mit winzigen Eisenbahn-Figuren in Aktion inszeniert.

Die Döschen gehen weg wie nichts

„Das wird wohl keine sehr lange Aktion werden“, sagt Andrea Ertz über den mit Saatgut bestückten Obstbaum in der Talaue – denn die Döschen mit Samen gehen weg wie warme Semmeln. Kann gut sein, dass dazu auch der am Baum befestigte Spruch beiträgt: „Wer Bienen Blumen sät blüht selber auf.“ Samen hat Andrea Ertz noch eine ganze Menge auf Lager, doch die Döschen werden knapp. „Es sind schon einige wenige zurückgestellt worden, es wäre aber gut, wenn noch mehr Leute ihre Dosen zurückbringen würden“, sagt Andrea Ertz, die den Baum gerne noch ein bisschen länger mit Samen bestücken würde, auf dass es in diesem Sommer auf möglichst vielen Balkonen und Grundstücken blühe.

Auch Umweltamt gibt Saatgut aus

Das Saatgut stammt von der Stadt Waiblingen, die in den vergangenen Wochen verschiedene Mischungen an Bürger ausgegeben hat. Auch diese fanden reißenden Absatz. „Wir haben schon die dritte oder vierte Nachbestellung beim Samenhändler gemacht und zig Kilo in Tütchen abgefüllt und ausgegeben“, erzählt der Umweltbeauftragte Klaus Läpple. Die Nachfrage sei derart groß, dass er noch gar nicht wisse, ob man alle Bestellungen abarbeiten könne.

Für alle, die kein Döschen vom Baum ergattern konnten, weiß Klaus Läpple eine Alternative: „Am 1. und 2. Juni, bei der Waiblinger Highlightwoche, werden wir an einem Stand weiteres Saatgut ausgeben.“

Mehr über das Projekt „Stadtideen“ liest man hier.

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