Die Brasilianerin namens Schwab fällt im Schwäbischen auf. Foto: privat

Die Brasilianerin Luciene Schwab betreibt am Lederberg in Stuttgart ein Kosmetikstudio – und tritt an Wochenenden mit ihrer Tanzgruppe „Latinas Do Samba“ auf. Ihr Hüftschwung hat sie schon zum Karneval in Rio gebracht.

Stuttgart - Die Sonne vertreibt nach und nach die herbstliche Morgenfrische aus den Stuttgarter Halbhöhenlagen. Busse und Pendler fahren die Mannspergerstraße zwischen Heumaden und der Hedelfinger Filderauffahrt hoch und runter, ansonsten wirkt alles recht verschlafen am Lederberg am Rande der Filderebene. Auch im Kosmetikstudio von Luciene Schwab herrscht noch Stille. „Hier ist es ziemlich ruhig“, sagt sie, und damit meint sie nicht nur diesen Morgen. Sie meint Deutschland generell.

„Wenn Musik da ist, fange ich an zu tanzen“

Luciene Schwab ist gebürtige Brasilianerin. Sie stammt aus Recife, einer Millionenstadt im Nordosten des südamerikanischen Landes. Das sonnige Temperament hat sie ebenso im Blut wie den Rhythmus. „Wir hören immer Musik“, sagt sie über ihre Heimat, „schon beim Aufstehen läuft das Radio“. Brasilianische Kinder wachsen demnach mit den lateinamerikanischen Klängen, mit den Tänzen und mit dem Karneval auf. „Wenn Musik da ist, fange ich sofort an zu tanzen. Wir sind sehr beweglich“, sagt sie lächelnd und deutet auf dem Stuhl sitzend ein leichtes Hüftkreisen an.

Ihre Leidenschaft lebt Luciene Schwab an Wochenenden auf der Bühne aus – bei Shows mit ihrer eigenen Tanzgruppe „Latinas Do Samba“. Gemeinsam mit ihrer Schwester, ihrer erwachsenen Tochter und – je nach Anlass – weiteren Tänzern und einer Trommlercombo tritt sie regelmäßig in unterschiedlichen Konstellationen auf und zeigt Samba-Choreografien und Volkstänze zu landestypischer Musik. Gebucht werden die „Latinas“ für Galas, für Stadtfeste, für Auftritt in Stadien, auf Familien- und Firmenfeiern oder Messen. Die Liste der Referenzen auf der Homepage ist lang. Vor Corona seien es sechs, sieben Darbietungen pro Monat gewesen. Luciene Schwabs Höhepunkt: ein Auftritt auf einem Hauptwagen beim berühmten Karnevalin Rio de Janeiro.

Bikini mit viel Glitzer und Federn

Die Brasilianerin namens Schwab fällt im Schwäbischen auf. Mit ihrer schwarzen Lockenpracht und ihrem blumigen Sommerkleid hebt sie sich ohnehin schon vom weißen Interieur in ihrem Kosmetikstudio ab, aber wenn sie für ihre Shows ihren Bikini mit viel Glitzer und Federn anlegt, sind alle Blicke auf sie gerichtet. „Für die Deutschen ist es exotisch, für mich ist es normal“, sagt sie, vielmehr sei Samba anstrengend und verlange viel Kondition. Dennoch: Bei manchen Zuschauern bemerke sie eine gewisse Scheu. Gerade die ältere Generation hierzulande brauche in der Regel etwas Zeit, um aufzutauen. Die Mentalitäten seien eben doch sehr verschieden. „Anfangs sind viele skeptisch“, sagt sie. Sie lacht.

In Deutschland trete sie grundsätzlich in Strumpfhosen auf. Wegen der niedrigeren Temperaturen, „und wir dachten, es ist etwas zu viel für die Deutschen“. Luciene Schwab lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und ist mit einem deutschen Mann verheiratet. Auf der Terrasse am Lederberg sind Spielsachen der siebenjährigen Zwillinge verstreut. „Mein Leben ist hier“, sagt sie lächelnd. Heimweh nach Brasilien habe sie nicht. Und auch die deutsche Ruhe habe sie durchaus schätzen gelernt.

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