Bei dem Projekt „Salz und Suppe“ treffen Menschen aus unterschiedlichen Milieus aufeinander. 2016 haben sich in Stuttgart insgesamt neun Kochgruppen gebildet. Foto: Nina Ayerle

In Stuttgart-Birkach leben Arme neben Reichen Haus an Haus. Vom Alltag des jeweils anderen wissen sie allerdings nichts. Peter Hitzelberger will das ändern. Mit einem besonderen Projekt.

Birkach - Es ist ein ambitioniertes Projekt, das sich Peter Hitzelberger da ausgedacht hat: Sozial Schwache, Hartz-IV-Empfänger und Menschen mit Migrationshintergrund sollen sich für vier Abende mit Häuslebesitzern, Professoren und Porschefahrern verabreden. Familien mit Alleinstehenden, Studenten mit Rentnern. Sie sollen gemeinsam kochen, essen und dabei über bestimmte Themen sprechen – zum Beispiel über Verbesserungen für den Stadtbezirk, über das Zusammenwohnen von jungen und älteren Menschen oder über das gesamte Thema Teilen, also etwa Carsharing, die Weitergabe von Lebensmitteln oder Nachbarschaftsdienste.

Diese Idee nennt sich „Salz und Suppe“. Das Projekt gab es 2016 bereits für das gesamte Stuttgarter Stadtgebiet. Etwa 280 Stuttgarter hatten sich damals gemeldet, am Ende nahmen 54 von ihnen in neun Kochgruppen teil. Nun will Peter Hitzelberger dieses Projekt speziell für Birkach umsetzen. Das hat einen Grund: In dem Bezirk leben Menschen aus unterschiedlichsten Milieus. Von den Fürsorgeunterkünften der Stadt an der Erisdorfer Straße, wo vorrangig jene wohnen, die nichts anderes finden, sind die Rentner in den Ein-Familien-Häuschen nur ein paar Meter entfernt. Und dann gibt es Schönberg, der zu den reichsten Stadtteilen Stuttgarts zählt.

Deutlich werden Unterschiede auch, wenn man in den Sozialdatenatlas der Stadt Stuttgart schaut: Anhand von Zahlen lässt sich ablesen, wie stark die Menschen in dem jeweiligen Stadtteil von Armut betroffen sind. Die Zahl 1 bedeutet, dass die Menschen gar nicht von Armut betroffen sind, die Zahl 8, dass Armut ein echtes Problem darstellt. Schönberg liegt bei 1, der Birkacher Süden bei 2 und der Birkacher Norden bei 7. „Das macht mein Anliegen umso dringender“, sagt Hitzelberger. „Die Leute sollen sich besser kennenlernen und Achtsamkeit füreinander entwickeln.“

Geplant ist, dass die Broschüre, in der „Salz und Suppe“ vorgestellt wird, im Frühjahr an die Birkacher geht. „Ich werde die Menschen aber auch ganz persönlich ansprechen. Denn ich will auch an die Bürger herankommen, die normalerweise nicht bei so etwas mitmachen würden“, sagt Hitzelberger. Anfang April soll es eine erste Veranstaltung geben, zwischen April und Juli sollen sich dann die Menschen, die Interesse haben, an vier Terminen treffen, gemeinsam kochen und sich unterhalten.

Hitzelberger hat sich das Ziel gesetzt, zehn Kochgruppen mit je sechs Teilnehmern zu finden. Bisher ist der 64-Jährige optimistisch, dass er die Leute zusammenkriegt: „Viele Menschen sind bereit, sich zusammenzusetzen, aber sie trauen sich nicht, aufeinander zuzugehen. Dafür will ich eine Plattform schaffen.“ Außerdem muss für jede Gruppe ein Moderator gefunden werden. Denkbar wäre, dass Verantwortliche aus Vereinen oder Kandidaten für die Kommunalwahl diese Aufgabe übernehmen.

Interessenten können sich schon jetzt melden

Peter Hitzelberger macht sich schon länger Gedanken über Birkach. Der 64-Jährige hat rund 15 Jahre im Birkacher Norden gelebt, bis er 2011 in den Nachbarbezirk, nach Plieningen, umzog. Seit mehr als zehn Jahren leitet er den Arbeitskreis Birkach-Nord. Und im September dieses Jahres hat er zusätzlich zu seinem 90-Prozent-Job in einem Verlag eine 25-Prozent-Stelle für das Pallotti-Areal im Birkacher Norden angenommen. Dabei soll er sich mit dem Gelände befassen, auf dem vor einem knappen Jahr die Pallotti-Kirche abgerissen wurde und mittlerweile die Bauarbeiten für den Neubau begonnen haben. Auf dem Areal entstehen bis Sommer 2021 insgesamt 66 Wohnungen für Studenten, geflüchtete Menschen und Familien.

Die Aufgabe von Peter Hitzelberger ist es, Ideen zu entwickeln, wie auf dem Areal auch in Zukunft kirchliches Leben stattfinden kann – und wie alle Birkacher von dem Neubau profitieren können. Einer seiner Pläne ist es, dass der geplante Quartiersraum auf dem Gelände nicht nur von den künftigen Bewohnern, sondern von allen Birkachern genutzt werden soll. Und die andere Idee ist eben das übergreifende Kochprojekt: „Ich will die Menschen zusammenbringen: die Reichen, die Armen, die Einsamen und die mit Familie – und diejenigen, die sonst nie teilhaben“, sagt er.

Wer gerne bei „Salz und Suppe“ mitmachen will, kann sich schon jetzt per Mail an Peter Hitzelberger wenden. Seine Adresse ist: demografielotse.h.plie.bi@googlemail.com.

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