Die Maschinenbaufirma teilt mit, sie passe das Personal an die schlechte Auftragslage an. Betroffene haben eine kurze Bedenkzeit vor dem Wechsel in eine Transfergesellschaft.
Nach der Betriebsversammlung, in der am Mittwoch, 5. November, die Geschäftsführung der Emag den Personalabbau verkündet hat, erhielten die Betroffenen in ihren Abteilungen die Entlassungspapiere. Auch langjährige Abteilungsleiter seien betroffen, schildern Beteiligte. Bei vielen sei der Schock sehr groß gewesen. Der Salacher Werkzeugmaschinenhersteller hat an diesem Mittwoch angekündigt, dass an den deutschen Standorten 455 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Derzeit sind dort laut einer Mitteilung 1509 Personen beschäftigt. Wie viel Stellen an den Standorten Salach und Eislingen betroffen sind, ist nicht genau bekannt. Anfragen, auch zur Schließung von Standorten, ließ die Emag bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Im Raum stehen Zahlen von 250 bis 300 Entlassungen. Die Betroffenen sollen in eine Transfergesellschaft (TG) wechseln.
Mehrere Betroffene hätten sich noch am Mittwoch bei der IG Metall Geschäftsstelle in Göppingen gemeldet und um Rat gebeten, berichtet Geschäftsführer Michael Kocken. Die Gewerkschaft habe vor dem beabsichtigten Stellenabbau vor etwa zweieinhalb Wochen erfahren. Die Emag GmbH ist laut Kocken seit etwa 20 Jahren nicht mehr im Tarif, daher sei die IG Metall in der Firma nicht wirklich vertreten. Auch der Kontakt zu den Betriebsräten sei schwierig. Die Gewerkschaft habe erfahren, dass den Betroffenen, die über einen Wechsel in die TG entscheiden sollen, nur eine Bedenkzeit von einer Woche eingeräumt werde, ob sie den Vertrag unterschreiben. Kocken: „Das ist kein schöner Umgang.“
Gewerkschaft bietet Beratungen an
In einer Transfergesellschaft seien die Mitarbeiter üblicherweise bis zu zwölf Monate beschäftigt. Sie sollen dort weiterqualifiziert werden. Bei der Emag sei die Zeit in der TG aber auf die doppelte Kündigungsfrist beschränkt. Wer demnach eine Kündigungsfrist von drei Monaten hat, wird bis zu sechs Monate in der Übergangsgesellschaft beschäftigt. Die IG Metall bietet nun für Emag-Beschäftigte, die Gewerkschaftsmitglieder sind, am 10. November, eine Beratungsveranstaltung an.
Den Personalabbau begründet die Emag mit der allgemein schwierigen Auftragslage. Er ist laut Firmenchef Markus Clement eine Anpassung an „die geringen Auftragsvolumina“, heißt es in einer Mitteilung. Die Werkzeugmaschinenindustrie befinde sich „in einem der schwierigsten Marktumfelder der letzten zehn Jahre“, heißt es in der Mitteilung vom Mittwoch. Im dritten Jahr in Folge vermelde die Branche ein Minus bei den Auftragseingängen: 2023 minus 11 Prozent, 2024 minus 19 Prozent und im 1. Halbjahr 2025 minus 5 Prozent. Vor allem die Inlandsnachfrage bleibe auch 2025 schwach. Die Bestellung von Drehmaschinen und Bearbeitungszentren liege deutlich unter dem Vorjahresniveau. „Viele Unternehmen reagieren mit Kurzarbeit und Kapazitätsanpassungen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, erklärt die Salacher Firma. Auch die Emag hatte in den vergangenen Monaten mit Kurzarbeit auf die Krise reagiert. Es seien auch Prozesse optimiert und in Automatisierung investiert worden.
Ziel sei, die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. „Unser Ziel ist es, auch in einem angespannten Marktumfeld ein verlässlicher Partner für unsere Kunden zu bleiben“, wird der Vorstandsvorsitzende zitiert. Dabei war die Zukunft vor einem Jahrzehnt noch strahlend: Ein Musterbetrieb auf Wachstumskurs – so wirkte vor etwa zwölf Jahren die Salacher Emag.
Der Hersteller von Werkzeugmaschinen und Fertigungssystemen war auf Expansionskurs und kaufte einen Großteil des Geländes der ehemaligen Papierfabrik auf der anderen Filsseite. Im Jahr 2018 wurde in einen neuen Fertigungs- und Bürotrakt investiert. Die Emag wollte ihr globales Wachstum vorantreiben, kündigte damals Firmenchef Markus Heßbrüggen an.
Spätestens im vorigen Jahr wurde aber deutlich, dass sich die Expansion nicht wie gewünscht entwickelte. Über die Firma, die nur sehr spärlich die Öffentlichkeit informiert, wurden Sparkurs und Kurzarbeit bekannt. Anfang 2025 wurde schließlich die erworbene Wachstumsfläche – alte Papierfabrik – an das Göppinger Bauunternehmen Leonhard Weiss weiterverkauft. Jetzt soll die Belegschaft in den deutschen Werken um fast ein Drittel reduziert werden.
IG Metall berät ihre Mitglieder
Angebot
Die IG Metall bietet am Montag, 10. November, ab 17.30 Uhr den Emag-Mitarbeitern, die Mitglieder sind, eine Beratung in der Göppinger Geschäftsstelle, Ulmer Straße 123, an.
F[hrung
Die Emag-Gruppe wird laut Firmenhomepage vom Management-Trio um Geschäftsführer Markus Clement (CEO) sowie Mathias Klein und Sven Hartwich geleitet.
Prozedere
Die Emag musste die Agentur für Arbeit über den bevorstehenden Personalabbau im Vorfeld informieren. Das regelt das Kündigungsschutzgesetz. Vor den jetzigen Entlassungen hatte es in der Emag Kurzarbeit gegeben. Diese kann üblicherweise für bis zu zwölf Monate beantragt werden, teilt Kerstin Fickus von der Agentur für Arbeit mit.