Noch ähnelt das Schachenmayr-Areal einer Mondlandschaft. Schon bald soll auf dieser Fläche ein urbanes Viertel entstehen. Foto: Horst Rudel

Die geplante Bebauung des Schachenmayr-Areals ist für den Ort eine Jahrhundertchance. Mehrere mögliche Investoren haben bereits Interesse bekundet. Die Kommune ist im Gespräch mit der Internationalen Bauausstellung (IBA).

Salach - Südlich der drei denkmalgeschützten Fabrikgebäude der ehemaligen Firma Schachenmayr in Salach erstreckt sich eine große unbebaute Fläche mit riesigen Bergen aus Bauschutt. Das soll nicht so bleiben. Die Gemeinde will, dass auf dieser Industriebrache ein neues urbanes Quartier entsteht. Sieben Hektar stehen zur Verfügung, bis zu 800 Menschen könnten dort einmal wohnen. Das entspräche einem Bevölkerungszuwachs von zehn Prozent, wie der Bürgermeister Julian Stipp vorrechnet. Nach Nullachtfünfzehn-Plänen soll das Gelände nicht bebaut werden. Der Bürgermeister der 8000-Einwohner-Gemeinde hofft auf einen großen Wurf.

Nicht mehr Dorf, noch nicht Stadt

Flächen sind rar in Salach. „Wir haben die drittkleinste Gemarkung und sind das größte Dorf im Kreis Göppingen“, sagt Stipp. Die Industriebrache sei deshalb eine große Chance für den Ort. Die will der Bürgermeister nicht ungenutzt verstreichen lassen. Mehr noch, das geplante neue Viertel soll nach seinen Vorstellungen Maßstäbe setzen. Er ist deshalb auch im Gespräch mit der Internationalen Bauausstellung (IBA), die sich sehr geneigt zeigt. „Wir hatten schon mehrere Beratungsrunden“, sagt Stipp. „100 Jahre nach der Weißenhofsiedlung in Stuttgart wieder eine Internationale Bauausstellung in der Region, das wäre was.“ Um beispielhaft vorzuführen, was alles möglich ist, überlegt die Gemeinde, sich selbst Flächen zu sichern. Außerdem lotet sie zurzeit mit möglichen Investoren aus, wie man zusammenkommen könne. „Was von unseren Ideen übrig bleibt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob wir Leute finden, die das umsetzen“, erklärt Stipp. Er ist zuversichtlich, dass dies gelingt, da bereits mehrere Investoren Interesse bekundet hätten.

Noch ist die Detailplanung nicht ausgereift. Doch das Bebauungsplanverfahren für das Quartier Mühlkanal ist auf den Weg gebracht. Stipp hofft, dass das Viertel eine Spielwiese für das Bauen der Zukunft wird. Er denkt in diesem Zusammenhang auch an neue Materialien – oder ein sehr altes: Holz. Es könnten auch Häuser in Modulbauweise entstehen, die sich den sich verändernden Bedürfnissen ihrer Bewohner anpassen. „Digitales oder cleveres Heim“ ist ein weiteres Stichwort, das er nennt. Die Technik in diesen Häusern ist vernetzt und lässt sich aus der Ferne steuern. Der Kühlschrank etwa gebe Bescheid, wenn das Haltbarkeitsdatum eines Lebensmittels verfallen sei. Auch an sogenannte tiny houses, Minihäuser, werde gedacht, erläutert Stipp. In die Zukunft soll auch die Infrastruktur mit Stromtankstellen und Car-Sharing-Angeboten weisen .

Gettoisierung soll vermieden werden

Da das Viertel südlich der Bahnlinie liegt, will die Kommune auch etwas tun, um es an den Kernort anzubinden. „Wir wollen eine Gettoisierung vermeiden“, erklärt Stipp. Geplant ist deshalb, auf den nördlich der Bahnlinie angrenzenden Krautländern, die mittlerweile im Besitz der Kommune sind, einen Bürgerpark und ein Mehrgenerationenhaus zu errichten, um die Menschen zusammenzubringen. Ein Architektenwettbewerb ist für dieses Projekt bereits ins Auge gefasst. Als Verbindung für Fußgänger soll ein bereits bestehender Durchgang unter den Bahngleisen dienen. Läuft alles nach Plan, wird das sogenannte Angstloch in drei, vier Jahren ausgebaut. Allein die Kosten dafür werden auf 3,5 Millionen Euro taxiert. Außerdem soll das neue Viertel einen direkten Zugang zur Fils erhalten. Doch zunächst muss sich die Gemeinde um die Altlasten kümmern. Eine erste Untersuchung sei besser ausgefallen als befürchtet, sagt Stipp.

Dass die geplanten Wohnhäuser Ladenhüter werden könnten, befürchtet Stipp nicht. „Wohnungen sind gesucht, und wir sind eine Boomregion, nicht zuletzt durch die VVS-Vollintegration.“

Denkmalgeschützte Fabrikgebäude werden reaktiviert

Die Gemeinde Salach lebte einst von der Textil- und Papierindustrie. Die Kammgarnspinnerei, deren Garne weltweit ein Begriff waren, gehörte einst zu den größten Unternehmen der württembergischen Textilindustrie. Im Jahr 1907 beschäftigte Schachenmayr 1000 Menschen. Bis in die 1980er Jahre hinein trotzte das Unternehmen dem Niedergang der Textilindustrie im Land. Doch dann kam Mitte der Achtzigerjahre das Aus.

Lange dämmerte das Schachen­mayrareal vor sich hin. Nachdem Bewegung in die Eigentumsverhältnisse gekommen ist, können nun Zukunftspläne für die Industriebrache geschmiedet werden. Nicht nur die sieben Hektar große Freifläche soll reaktiviert werden. Auch die drei denkmalgeschützten Fabrikgebäude sollen wiederbelebt werden. Gedacht ist an Lofts und Gewerbeflächen.

Ein wichtiger Baustein für das Quartier Mühlkanal, wie das neue Viertel heißen soll, ist der geplante Bürgerpark mit einem Mehrgenerationenhaus in den Krautländern. Nach dem Willen der Gemeinde soll diese Fläche ein Dreh- und Angelpunkt des örtlichen Lebens werden.

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