Die Fans des VfB Stuttgart haben ihre Mannschaft und die Spieler, wie hier Benjamin Pavard, während der Saison hervorragend unterstützt. Foto: Pressefoto Baumann

Dem VfB Stuttgart gelingt der direkte Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga. Getragen wurde er dabei von seinen Fans und der Offensive. Ein Rückblick.

Stuttgart - Der erste Höhepunkt fand schon vor dem Saisonstart und dem Comeback des Jahres statt. Der Abstieg hatte rund um das Rote Haus in Cannstatt eine erstaunliche Gegenbewegung ausgelöst. Das Umfeld hat den Betriebsunfall als solchen akzeptiert, ohne sich von seinen Lieblingen abzuwenden. Im Gegenteil.

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Die sonst so kritischen Schwaben haben sich gegen Bruddeln entschieden und wurden lieber Mitglied. Fast 8000 neue sind in der zweiten Liga hinzugekommen auf jetzt 52 000. Die magische 50 000 wurde am 24. März erreicht. Zudem wurden 25 000 Dauerkarten verkauft, die Sponsoren blieben alle bei der Stange, und beim ersten Zweitligaspiel kamen 60 000 Fans ins Stadion.

Sehen sie die großen Momente des Aufstiegstages hier im Video.

Mehr als 50.000 Zuschauer im Schnitt

Das war nur der Anfang. Neben der spielerischen Qualität des Kaders und der Leidenschaft der Mannschaft konnte sich der VfB Stuttgart im Unterhaus vor allem auf sein bemerkenswertes Publikum verlassen. Wer die Heimspiele besuchte, dachte, dass noch immer Bundesliga ist in Stuttgart. Auch wenn die Gegner aus Sandhausen, Aue oder Bielefeld kamen. Und dem 1. FC Köln haben die Fans zudem den Rekord aus der Saison 2013/14 abgejagt, der damals durchschnittlich 46 138 Zuschauer in sein Stadion lockte. In Stuttgart sind es mehr als 50 000. „Die Energie und die Hoffnung, die das fantastische Publikum auf den Platz übertragen, kann Großes entstehen lassen“, sagt VfB-Sportdirektor Jan Schindelmeiser.

Aber auch in der Fremde zeigen die Fans Präsenz. Beim Auswärtsspiel in Nürnberg wurde die Elf von Trainer Hannes Wolf von 20 000 Fans angefeuert. „Das setzt unheimliche Kräfte frei bei der Mannschaft“, sagt Stürmer Daniel Ginczek. Es hat in der Tat geholfen – der VfB drehte ein 0:2 noch in einen 3:2-Erfolg. „Diese Unterstützung von den Rängen ist für die Mannschaft total wichtig und bringt sie immer wieder dazu, bis zum Schluss an sich zu glauben“, sagt der Trainer im Rückblick.

Die Offensive trägt den VfB spielerisch

Ein wunderbares Erlebnis hatte der junge Trainer auch beim 4:0 Anfang Oktober gegen die Spvgg Greuther Fürth. Vielleicht war damals der Gedanke gereift, dass am Ende alles gut werden könnte für sein Team. Wolf stand nach der Partie allein am Mittelkreis und verfolgte das bunte Treiben seines Teams aus sicherer Entfernung. Den Augenblick des Alleinseins nach dem Spiel wollte er genießen, ganz ohne wilde, triumphale Schreie und Tänze, wie sie seine Spieler vor der Cannstatter Kurve aufführten: „Der Moment unmittelbar nach einem Sieg ist ja der schönste“, sagte Wolf nach dem bemerkenswerten Spiel.

„Den wollte ich sacken lassen.“ Da hat er rückblickend wohl begonnen, der dauerhafte Schulterschluss zwischen den Protagonisten auf dem Rasen, der Kurve und den Anhängern auf der Tribüne. Die Verzückung der Fans war verständlich – nach Jahren der Tristesse und bleierner Schwere sahen sie erstmals wieder eine Mannschaft auf dem Rasen, die Begeisterung und Leichtigkeit ausstrahlte.

Simon Terodde ragt heraus

Und es gab Spiele, da hatte man den Eindruck, der VfB Stuttgart habe sich nur vorübergehend in der Spielklasse geirrt. Bei den Siegen gegen die stärksten Konkurrenten Eintracht Braunschweig und Union Berlin zum Beispiel oder dem Derbysieg gegen den Karls­ruher SC oder auch dem 2:1 auf der Ostalb gegen den FC Heidenheim, als die Stuttgarter bei einer wahren Regenschlacht einen Sieg eingefahren haben, der sehr glücklich, aber auch gleichzeitig extrem verdient war. Der Trainer schwärmte danach von einem „unfassbar schönen Abend“, weil er viel Mentalität und Widerstandskraft in seinem Team gesehen hatte, die man beim VfB lange vermisst hat.

Natürlich zählt vor allem die offensive Ausrichtung zu den Highlights der Runde, da konnte man die immer wiederkehrenden Wackler in der Abwehr durchaus verkraften. Simon Terodde ragt dabei heraus – nicht nur wegen seiner imposanten Statur und den 192 Zentimetern Körpergröße, die er auf den Rasen bringt. Durchgängig präsentierte er sich in einer glänzenden Verfassung und dürfte einer der wenigen professionellen Fußballer sein, die sich aufs ­Älterwerden freuen. Denn je oller er wird, desto besser wird er. Keiner hat mehr Tore geschossen in Liga zwei.

Mané, Maxim und Co trumpfen immer wieder auf

Sein persönlicher Höhepunkt war wohl der Dreierpack beim 3:1 gegen Arminia Bielefeld. „Gerade auf meiner Position schadet eine Portion Erfahrung nicht“, hat der ­29-Jährige neulich erzählt. Terodde ist in der Tat ein Phänomen. Vor sechs Jahren dachte er auf der Ersatzbank des 1. FC Köln II in der Regionalliga West noch darüber nach, wie ein Leben ohne Fußball aussehen könnte. Nun war er die Lebensversicherung des VfB Stuttgart in Sachen Aufstieg. Jetzt hat der Angreifer in der nächsten Saison endlich die ­Möglichkeit, auch mal sein erstes Erstligator zu erzielen. Und das im reifen Fußballer-Alter von 29 Jahren.

Aber auch die anderen Offensivgeister wie Carlos Mané, Alexandru Maxim, Christian Genter, Takuma Asano, Daniel Ginczek und zuletzt der junge Josip Brekalo haben dem Spiel oft die entscheidenden Wendungen verpassen können.

Letztlich war es das gleichzeitige Nebeneinander von Stabilität und Torgefahr, die richtige Balance zwischen Defensive und ­Offensive, die zum ganz großen Wurf gereicht hat. Willkommen VfB. Willkommen zurück in der Beletage.

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