Schauspielchef Armin Petras präsentierte seine fünfte und letzte Saison in Stuttgart Foto: dpa

Armin Petras lockt in seiner letzten Saison in Stuttgart wichtige Regisseure in die Stadt

Stuttgart - 90. Geburtstag von John Cranko, 22 Jahre Ballett-Intendanz Reid Anderson, sieben Jahre Opern-Intendanz Jossi Wieler: Beeindruckungszahlen fielen am Dienstag vormittag bei der Präsentation der Spielpläne der Württembergischen Staatstheater. Fünf Jahre Schauspiel, das ist verabredete Mindestzeit gewesen und taugt nicht wirklich zu künstlerischem Zahlenmuskelspiel, Armin Petras ist ja von seiner Vertragsverlängerung bis 2021 zurückgetreten, und so endet seine Zeit in Schwaben ganz regulär im Sommer 2018.

Claus Peymann inszeniert „König Lear“

Armin Petras setzt dafür auf Reduktion und Ausschließlichkeit: Claus Peymann wird nach Jahrzehnten als Intendant Bochum, Stuttgart, Wien, Berlin „seine erste Arbeit als freier Regisseur in Stuttgart machen“, wie Armin Petras verkündete. Und mehr noch, er wird in der Saison 2017/2018 nur eine Inszenierung zeigen. Auf die große Bühne bringen wird Peymann Shakespeares „König Lear“ – was geschieht einem König, wenn er sein Reich abgibt, ein passenderes Stück hätte sich schwer finden lassen. Peymann spielt den König aber nicht, das übernimmt Martin Schwab, der während Peymanns Intendanz in Stuttgart schon zu erleben war. Und noch eine Superlative: „das wichtigste Stück der deutschen Literatur“ eröffne die Spielzeit. Goethes „Faust I“, inszeniert von dem in Stuttgart geborenen Regisseur Stephan Kimmig, „der uns in dieser Saison mit Martin Walsers ,Ehen in Philippsburg’ den größten Erfolg beschert hat“, sagte Petras.

Armin Petras verabschiedet sich mit Orwells „1984“

Der Intendant, auffallend ernst und mit leiser Heiserkeit im Ton, setzt aber auch auf Künstler, die ihm Misserfolge beschert haben. Martin Laberenz etwa, dessen vielstündiger „Idiot“ von Dostojewski dem Publikum allzu viel Geduld abverlangt hatte. Der junge Regisseur, der an anderen großen Häusern glücklichere, zum Theatertreffen eingeladene Prouktionen gelungen sind, beschließt Petras’ Intendanz in der Spielstätte Nord. Mit welchem Stück steht noch nicht fest. Auf der großen Bühne wird Petras selbst die letzte Arbeit der Saison zeigen, aus daueraktuellem politischem Anlass, das Überwachungsstaatswerk „1984“ von Orwell. Diese Arbeit ist wie die Arbeit von Laberenz und vier weiteren der 16 Premieren eine Koproduktion mit anderen Häusern. Diese Inszenierungen werden also nach Ende der Intendanz von Petras noch andernorts zu sehen sein. „Dass auch die Schauspieler eine Option auf Zukunft haben ist mir wichtig“ sagt der Intendant. Er darf sich freuen, das hervorragende Ensemble bis zum Ende seiner Intendanz zu halten, nur Matti Krause, Manuel Harder und Birgit Unterweger verlassen schon jetzt das Haus.

Sexy Frauenrollen: Lulu und Salome

Neben den Stoffen für alte Goethe und Shakespeare-Helden dürfen die Damen im Ensemble auf verführerische Frauenrollen hoffen: Petras wird Wedekinds „Lulu“ inszenieren, aber als „Rockoper“, Sebastian Baumgarten, ein in Stuttgart gern gesehener Regisseur schon zu Zeiten von Ex-Intendant Hasko Weber, nimmt sich Oscar Wildes „Salome“ vor.

Neue Gesichter wird es auch zu sehen geben, wenn sich diese Regisseure nach ihren Premieren verbeugen: Kay Voges, der mit einer Performance beim Theatertreffen zu Gast war und sich in Stuttgart dem Matthäus-Evangelium widmen wird. Kay Voges, der mit einer Performance beim Theatertreffen zu Gast war und sich jetzt dem Matthäus-Evangelium widmen wird. Der dänische Regisseur Jonas Corell Petersen, der „Das große Heft“ von Ágota Kristof zeigt. Jan-Christoph Gockel, der sich Melvilles „Moby Dick“ vornimmt. Und Lilja Rupprecht. Sie hat sich noch nicht entschieden, was sie inszenieren wird. Wie auch immer das Stück heißt, der Abend mit dem tollsten Titel steht schon fest: Autor und Regisseur René Pollesch wird fragen „Was hält uns zusammen wie ein Ball die Spieler einer Fußballmannschaft?“ So wie der Stuttgarter Verein nächste Saison ist auch dieser finale Spielplan einer ersten Liga würdig. Ob sie die Klasse halten werden, wird sich zeigen.

Premieren der Saison 2017/2018:

Schauspielhaus:

7.10. Goethe „Faust“, Regie: Stephan Kimmig. 27.10.: Pollesch (auch Regie) „Was hält uns zusammen wie ein Ball die Spieler einer Fußballmannschaft“. 26.11. Baum „Der Zauberer von Oz“, Regie: Wolfgang Michalek. 19.1.: Matthäus-Evangelium „Das 1. Evangelium“ Regie: Kay Voges. 16.2. Shakespeare „König Lear“ Regie: Claus Peymann. 10.3.: NN, Regie: Dusan David Parízek. 13.4. NN. Regie: Lilja Rupprecht, 10.5.Wilde „Salome“ R: Sebastian Baumgarten. 27.5. Orwell „1984“ R: Armin Petras. 6.-10.Juni „The Future of Europe“ Internationales Theaterfestival

Nord:

8.10.: Kristóf „Das große Heft“, Regie: Jonas Corell Petersen. 14.10.: Dragomán „Der Scheiterhaufen“ Regie: Armin Petras. 24.11: Wedekind/Tiger Lillies „Lulu“ R: Armin Petras. 16.3.: Hofmann & Lindholm (auch Regie) „Uraufführung – nach einem Motiv aus Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil“, 26.5.: NN Regie: Martin Laberenz

Kammertheater:

20.1. Melville „Moby Dick“ R Jan-Christoph Gockel. 23.2. „Ein Sommernachtstraum im Cyber Valley“ von und mit Schorsch Kamerun

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