Auch bei schlechtem Wetter ziehen Sportler ihre Bahnen im Wellarium – Grund ist auch die bisher günstige Saisonkarte. Foto: Kuhnle)

Steinheim und Murr (Kreis Ludwigsburg) heben die Eintrittspreise für ihr Freibad an, vor allem für die Saisonkarte. Im Internet gibt es Kritik – aber auch erstaunlich viel Verständnis.

Das Wellarium wird zur kommenden Saison die Preise erhöhen. Besonders an der Saisonkarte mit unbegrenztem Zugang wurde gedreht: Sie kostet künftig 190 Euro und ist damit doppelt so teuer wie die Freibad-Flatrate im vergangenen Sommer. Kein Wunder also, dass das Wellarium derzeit eines der großen Themen im Bottwartal ist. Auf Social-Media-Plattformen wie Facebook diskutieren Menschen aus der Region intensiv darüber – einige sind verärgert.

 

„Wir dachten, das sei ein Scherz“, schreibt die Facebook-Nutzerin Tanja Herhoff. Eine andere Nutzerin findet es „lächerlich“, für ein solches Freibad diese Preise aufzurufen. Wieder andere fordern, das Freibad und die Stadt abzustrafen: „Einfach nicht mehr hingehen, und gut ist.“

„Seid einfach froh, dass Steinheim noch ein Freibad hat.“

Sandra Ehlert, Facebook-Nutzerin

Andere Kritik fällt nachdenklicher aus. Ein Freibad sollte für jeden erschwinglich und sozial sein, schreibt Nutzerin Simone Weiller-Unold. Sieben Euro Einzeleintritt und eine Saisonkarte für 190 Euro würden dieses Ziel verfehlen.

Erstaunlich sind jedoch die vielen Facebook-Kommentare, die Verständnis für den Schritt der Stadtverwaltung aufbringen. So wehrt sich der Steinheimer Facebook-Nutzer Alexander Röhlich gegen den Vorwurf der Abzocke. Es sei keine Abzocke, wenn eine Stadtverwaltung jährlich Hunderttausende Euro in den Betrieb zuschießen müsse, um das Freibad am Laufen zu halten.

Auch Nutzerin Sandra Ehlert macht deutlich, dass die Saisonkarte in den vergangenen Sommern zu günstig gewesen sei, um das Freibad annähernd zu finanzieren: „Die Preise für Dauerkarten sind zu niedrig. Viele nutzen das einfach aus und kommen jeden Tag zusätzlich nur zum Duschen dorthin. Seid einfach froh, dass Steinheim noch ein Freibad hat.“

Tobi Marx äußert sich derweil weder positiv noch negativ, stellt aber eine entscheidende Frage: ob die Rechnung aufgeht. Die Kommunen Steinheim und Murr wollen durch die neuen Preise und die neue Struktur der Saisonkarten mehr Geld einnehmen, um den Betrieb zu finanzieren und für Landesförderungen für eine Sanierung infrage zu kommen. Wenn nun jedoch Menschen durch die hohen Saisonkartenpreise abgeschreckt würden, könnte die Stadt am Ende gar nicht mehr Geld einnehmen, schreibt Marx.

So ist die neue Preisstruktur aufgebaut

Die Einzeleintritte steigen für Erwachsene und Jugendliche jeweils um 50 Cent, die Zehnerkarte um rund fünf Euro. Preissteigerungen, wie es sie in der Vergangenheit bereits im Wellarium und in anderen Freibädern der Region gegeben hat.

Auffällig sind jedoch die Veränderungen bei den Saisonkarten. Anstelle der bisherigen Freibad-Flatrate gibt es nun drei verschiedene Modelle. Die Stufe Bronze ermöglicht bis zu 30 Besuche für 95 Euro. Silber berechtigt zu 60 Eintritten für 142,50 Euro. Nur der Gold-Standard bietet unbegrenzten Zugang – er kostet 190 Euro und ist damit doppelt so teuer wie der unbegrenzte Zugang im vergangenen Sommer.

Winterhalter erklärt die Not

Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter betont, dass die Preissteigerungen alternativlos seien. Die Stadt Steinheim müsse den Betrieb des Freibads jährlich mit rund 500.000 Euro bezuschussen, die Gemeinde Murr steuere weitere etwa 260.000 Euro bei. Um andere kommunale Projekte weiterhin finanzieren zu können, brauche es daher eine finanzielle Entlastung.

Hinzu komme die anstehende Sanierung des Freibads. Diese sei nur mit Fördermitteln zu stemmen. Fördergelder gebe es jedoch nur dann, wenn die Kommune nachweisen könne, dass sich der laufende Betrieb zumindest annähernd rechne. „Die Stabilisierung des kommunalen Zuschusses ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, die Sanierungsfrage seriös anzugehen“, so Winterhalter.