Saisonende in der Böblinger Motorworld Die letzte Huldigung des Automobils

Von Marc Schieferecke 

Tausende strömen aufs Flugfeld, um Raritäten auf vier Rädern zu begutachten. Die Motorworld hat zum letzten Treffen der Saison eingeladen. 2017 war für sie neuerlich ein Rekordjahr. Rund 600 000 Besucher kamen.

Böblingen - Hier steht der Verbrennungsmotor zur Debatte, aber keineswegs mit dem Tenor, dass er verboten gehört. Genauso wenig wird an diesem Sonntag auf dem Böblinger Flugfeld der Ruf nach einer Verschärfung der Lärmgrenzwerte für Motorräder gehört, jedenfalls nicht für die Pulks blubbernder Harleys.

Die Böblinger Motorworld hat eingeladen, zur letzten Huldigung des Automobils in diesem Jahr. Es ist der Tag des Saisonausklangs. Tausende schlendern durch die Reihen geparkter Wagen, begutachten polierte Motoren und bewundern die Arbeit von Tunern. Hunderte säumen die Straßen, um Raritäten auf vier Rädern in Fahrt zu fotografieren – in relativer Fahrt, denn auf den Zufahrtsstraßen herrscht Stau. Die Polizei regelt den Verkehr.

Die Besucherzahl ist 2017 erneut gestiegen

Derlei Bilder sind keineswegs neu. Seit 2009 lockt die Motorworld zu solchen Treffen. Der Besucherstrom ist nicht nur ungebrochen. Laut dem Motorworld-Manager Steffen Zenke „hatten wir auch in diesem Jahr wieder eine Steigerung, in der Besucherfrequenz, der Zahl der Veranstaltungen und der Exklusivität der Fahrzeuge“. In der laufenden Saison hätten rund 600 000 Autofans die Motorworld besucht. Schon der Saisonauftakt im April sei „sensationell gewesen“, urteilt Zenke.

Exklusivität kann auch aus Massenware reifen, wie manches Schaustück beweist. Aus Waiblingen ist der Fahrer eines VW Käfer angereist. Die beiden nebeneinander geparkten Audi 100 aus dem Zollernalbkreis galten zu ihrer Zeit auch nicht gerade als Raritäten. Stolze Eigentümer haben für das Fachpublikum ihre Motorhauben geöffnet und sitzen auf Campingstühlen neben ihren automobilen Schätzen. Ein amerikanischer Straßenkreuzer, zu dessen Zubehör eine Tankstelle gehören müsste, ist für 50 000 Euro im Angebot. Vorn in der Reihe steht ein Formel-1-Toyota der Saison 2005. Die ungezählten Porsches gehören zum Pflichtprogramm.

Jahr um Jahr kommen neue Veranstaltungen hinzu

Um die 20 Mal jährlich pilgern die Fans nach Böblingen. In diesem Jahr war erstmals ein eigenes Motorradtreffen im Angebot. Rund 1500 Fahrer kamen. 2016 ist ein Treffen der Mini-Fans neu ins Programm aufgenommen worden. Im Jahr zuvor war es eine PS-freudige Zusammenkunft der Sportwagenfahrer. Die Zahl der Veranstaltungen zu mindern, steht nicht zur Debatte, denn „sie waren alle gut besucht“, sagt Zenke. Für die Zukunft ist ein Treffen exklusiv für Oldtimer-Fahrer geplant. Termine für die neue Saison stehen noch nicht fest, aber grundsätzlich „wollen wir künftig mehr in Richtung Klasse statt Masse wachsen“, sagt der Motorworld-Manager.

Ein paar Kilometer weiter hat ein Rathaus das Gegenprogramm im Angebot. Am Sonntag um 13.44 Uhr hat die Stadt Stuttgart die Nachricht an die Redaktionen geschickt, dass von Montag an in der Landeshauptstadt wieder Feinstaubalarm gelte. Samt der Bitte, das Auto stehen zu lassen.

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