Mercedes-Sportchef Toto Wolff sieht seine Nummer eins im Team, Lewis Hamilton, für die Saison 2017 bestens gerüstet. Foto: PA

Am Sonntag startet in Australien die neue Saison der Formel 1. Nun gilt es, den Titelverteidiger Lewis Hamilton und Mercedes zu schlagen.

Barcelona - Inspiration holt sich Lewis Hamilton neuerdings auf dem Fußballplatz. Er sucht sich da keine englischen Dritt­ligakicks aus, sondern hält Hof im Fußballtempel des FC Barcelona. Dort wurde er Zeuge, wie Neymar und Messi beim 6:1 gegen Paris Saint-Germain ein Jahrhundertspiel zeigten. „Toll, solch einen Kampfgeist zu sehen, das ist wirklich inspirierend“, sagte Hamilton. Der beste Rennfahrer der Welt war beeindruckt von den besten Fußballern der Welt.

Der Mercedes-Pilot selbst muss an diesem Sonntag ran: Saisonauftakt in Melbourne, eine traditionsreiche, routinierte Angelegenheit ist das. Nur stellt sich die Frage, wer von den anderen Formel-1-Fahrern den 32 Jahre alten Briten ähnlich inspirieren kann wie das wunderbare Barça?

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Ohne Rosberg ist Hamilton Titelverteidiger

Nico Rosberg nicht mehr. Der Deutsche hat dem Briten nach zwei Anläufen immerhin einmal den Zahn gezogen – und sich so allen Respekt im Hinblick auf seine Hartnäckigkeit verschafft. Doch dieser eine WM-Titel reichte ihm schon aus, um sich in das seines Erachtens wohlverdiente Leben als Privatier zu verabschieden. Hamilton, dreifacher Champion, ist nun also der aus der Saison 2015 stammende Titelverteidiger der neuen Runde, da sich der aktuelle Champion aus dem Staub machte. Noch so ein Rosberg-Erbe.

Hamilton gegen den Rest – sieht so die Realität im Jahr 2017 aus? Gute Frage. Ob Valtteri Bottas dem Engländer auf Augenhöhe begegnen kann wie seinerzeit Rosberg, wird in Teilen der PS-Branche jedenfalls angezweifelt. In die erste Reihe derer, die das so sehen, stellt sich der angriffslustige Red-Bull-Berater Helmut Marko – wie üblich. Scharfe Geschütze gegen Konkurrenten aufzufahren ist sein Ding. „Es hat sich jetzt in Barcelona gezeigt, dass Bottas nicht das Tempo von Hamilton gehen kann“, glaubt der gesprächige Herr Marko.

Lewis Hamilton bleibt die Galionsfigur

Würde ein mögliches Ende der Doppelsiege auch das Ende der Hamilton-Dominanz bedeuten? Der Rennfahrer selbst sprach nach den Testfahrten von einem „nicht perfekten“ Auftakt. Probleme mit dem Unterboden und die Updates in der zweiten Trainingswoche machten Hamilton nachdenklich. Und zum Abschluss der Tests zauberte Kimi Räikkönen im offenbar sehr viel stärker gewordenen Ferrari dann auch noch eine Fabelzeit in den Asphalt. Was ist Bluff? Was nicht? Räikkönen meint, das rote Auto habe noch nicht alles gezeigt.

Natürlich wird noch mit verdeckten Karten gespielt. Aller Kaffeesatzleserei zum Trotz steht aber fest: Lewis Hamilton bleibt die Galionsfigur der Formel 1 – ohne Rosberg umso mehr. Dem Engländer kommt in jedem Fall wieder die Rolle des Botschafters der Rennserie zu, so wie sie einst Michael Schumacher oder Ayrton Senna ausfüllten. Auf der Piste ein „Monster“, wie es sein Vater Anthony Hamilton immer ein bisserl protzig formuliert – doch neben der Strecke skurril und extrovertiert: Das ist Lewis Hamilton. Einer, der Neymar im Stadion besucht, weil er mit ihm befreundet ist. Einer, der sich im Jetset bewegt, als Musiker versucht und dem modernen Lebensgefühl entsprechend fast seinen kompletten Körper tätowieren ließ. Einer, der in Scheich-Gewand beim Wüstenrennen auftritt und mit der Sängerin Rihanna Karnevalpartys feiert. Ein Frauentyp und Gefühlsmensch, der einem frierenden Startnummern-Girl auch mal fürsorglich seine Teamjacke umhängt.

Neues Spiel, neues Glück

Lewis Hamilton bewegt sich gekonnt auf dem großen Parkett. Die bittere Niederlage gegen Rosberg im vergangenen Jahr, die durchaus auch auf den unnötigen Motorschaden am Auto des Engländers in Malaysia zurückzuführen ist, sie ärgerte ihn gewaltig – dazu musste man nur in Hamiltons Gesicht sehen. Es ist ein Spiegel seiner Stimmung. Doch unterkriegen ließ er sich nicht. Neues Spiel, neues Glück – mit dieser Einstellung ist der Rennfahrer schon bald wieder zur Tagesordnung übergegangen. Das Duell gegen Rosberg hat auch bei ihm Spuren hinterlassen – doch der Mercedes-Sportchef Toto Wolff sieht seine Nummer eins im Team für die Saison 2017 bestens gerüstet.

„Lewis kam aus diesem Winter so gut zurück, wie ich ihn noch nicht erlebt habe: gut trainiert, wesentlich leichter als vorgegeben, was im Hinblick auf unser schweres Auto ein wesentlicher Vorteil ist“, sagt der Österreicher Wolff. Überdies sei Hamilton guter Dinge und verbringe viel Zeit in der Fabrik. „Wir haben mehr Kontakt denn je“, erzählt Wolff, und das habe man sich nach den anstrengenden Jahren mit Rosberg, der den Krieg der Sterne beflügelte, auch so vorgenommen. Mit Valtteri Bottas könnte es bei Mercedes ruhiger werden – außer der Finne erweckt in Hamilton das Monster.

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