Simon Terodde (li.) und Daniel Ginczek bejubeln den Sieg in Bielefeld. Foto: dpa

Der VfB Stuttgart grüßt weiter von Platz eins der Tabelle der zweiten Fußball-Bundesliga. Doch es bleibt dabei: souverän gewinnen können die Roten nicht. Wenn sie im Saisonfinale aber sämtliche Kräfte bündeln, dürfte es dennoch mit dem Aufstieg klappen.

Bielefeld - Noch fünf Saisonspiele, kollektives Zittern inklusive – so lautet das Motto beim VfB mit Blick auf die angepeilte Rückkehr in die Erstklassigkeit. Denn so spektakulär unterhaltsam der 3:2-Auswärtserfolg vor 22 034 Fans auf der Bielefelder Alm mit drei tollen Stuttgarter Treffern durch Alexandru Maxim (51.) und dem Doppelpack von Simon Terodde (54., 89.) auch war, so steht gleichermaßen fest: Souverän gewinnen, das kann der Tabellenführer der zweiten Fußball-Bundesliga einfach nicht.

Der direkte Wiederaufstieg bleibt also ein Nervenspiel. „Wir müssen nach wie vor um jeden Punkt kämpfen – vor allem um die Siege“, sagt der Manager Jan Schindelmeiser. Weil der große Glanz fehlt, gilt es die Kräfte zu bündeln. Stimmt die Mischung, resultiert daraus das Rezept für die Rückkehr in Liga eins.

Zutat eins: ein Schuss Terodde

„Großartig, fantastisch“, das waren die Adjektive, die dem Stuttgarter Trainer Hannes Wolf in Bezug auf seinen Torjäger spontan in den Sinn kamen. Normalerweise scheut es der 36-Jährige, der am Karsamstag Geburtstag feierte, ja wie der Teufel das Weihwasser, einzelne Spieler hervor zu heben. Aber bei Simon Terodde sei eine Ausnahme erlaubt. Denn wo, bitte schön, stünde der VfB ohne seinen großen Blonden aus dem Sturmzentrum?

19 Treffer hat der beste Angreifer der vergangenen Zweitligasaison jetzt schon wieder erzielt. Zweimal chippte er in Bielefeld den Ball über Arminen-Keeper Daniel Davari. Tore zum Zungeschnalzen waren das. Dabei bleibt Terodde wie gewohnt bescheiden. „Die Jungs spielen mich auch gut an“, sagt er: „Da muss ich schon den einen oder anderen machen.“

Zutat zwei: Moral und Fitness

Der VfB ist tatsächlich erst geschlagen, wenn die Spieler nach dem Abpfiff abfahrbereit im Mannschaftsbus sitzen. Wie bei den beiden Last-Minute-Unentschieden beim TSV 1860 München (1:1) und gegen Dynamo Dresden (3:3) gelang den Roten auch auf der Alm ein finaler Tusch. „Wir sind fit“, sagt Hannes Wolf. Doch die gute Kondition seiner Profis ist lediglich ein Grund für die guten Qualitäten im Endspurt, vor allem die Moral im Team stimmt.

Der VfB besitzt Kämpferqualitäten, und tritt mit im Saisonverlauf bereits 24 eingesetzten Spielern als Kollektiv auf. Dass dabei der Teamgedanke über dem Schicksal Einzelner steht, zeigt besonders der Fall Anto Grgic. Der 20-jährige Schweizer wurde bereits gegen Bochum nach 31 Minuten ausgewechselt, und kassierte diesmal die Höchststrafe für einen ambitionierten Jungprofi: Nach der Pause eingewechselt, musste Grgic nach nur 29 Minuten wieder raus, weil Hannes Wolf nach dem Bielefelder 2:2 mit Daniel Ginczek wieder die Offensive stärken wollte. „Der Wechsel hatte taktische Gründe“, sagte Wolf: „Anto darf auf mich sauer sein. Aber er wird das wegstecken, denn er ist ein guter Junge.“

Zutat drei: Spielwitz

„Ich habe schon vor Wochen gesagt, dass wir noch alle Spieler brauchen werden“, sagt Jan Schindelmeiser zur sportlichen Wiedergeburt des Alexandru Maxim. Die Nummer zehn stand wie gegen Karlsruhe in der Startelf – und setzte in Bielefeld ein fußballerisches Glanzlicht, als er den Ball nach einer verunglückten Abwehr von Daniel Davari aus 44 Metern postwendend halbhoch in die Maschen setzte.

„Der Alex zeigt häufig im Training, dass er das drauf hat“, lobte Simon Terodde, „er besitzt eine hohe technische Qualität.“ Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass der zuweilen ballverliebte Maxim in Halbzeit eins das Tempo oft verschleppte.

„Es muss unser Ziel für die nächsten Spiele sein, das Zentrum beim Spiel gegen den Ball dicht zu bekommen“, ergänzt Jan Schindelmeiser. Tatsächlich funktionierte die Doppel-Sechs mit Ebenezer Ofori und Berkay Özcan nicht – beide wurden daher ausgewechselt. Aber auch im Spiel nach vorne klaffte ohne den nötigen Zug zum Tor im VfB-Offensivzentrum ein Loch. Schuld daran trug auch der Kapitän Christian Gentner, der als zentraler Mann hinter Terodde zu oft auf die Flügel auswich.

Zutat vier: Sicherheit

„Mir wäre es lieber, wir würden einmal früher für klare Verhältnisse sorgen“, sagt der VfB-Abwehrchef Timo Baumgartl trotz des erfolgreichen Finale furioso in Ostwestfalen. Grund für die Zitterpartie war aber auch die schwache Leistung der Abwehr, in der allein Baumgartl gut spielte. Man mag sich daher nicht ausmalen, was passiert, sollte sich der Blondschopf verletzten.

Marcin Kaminski jedenfalls versteckt sich zu sehr hinter dem Nebenmann – tut etwa kaum etwas für den Spielaufbau. Emiliano Insua war nicht nur beim 0:1 des Ex-Stuttgarters Christoph Hemlein indisponiert; und der junge Benjamin Pavard, ein technisch erstklassiger Spieler, der ist in puncto Kampfgeist und Stellungsspiel oft zu nachlässig. „Wir können noch vieles besser machen“, sagt Timo Baumgartl daher zu Recht. Am besten schon am Montag (20.15 Uhr) beim Heimspiel gegen Union Berlin. Dann erwartet nicht nur der VfB-Abwehrchef einen „heißen Tanz“.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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