Die Baustelle am Wartberg soll überdeckelt werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die S21-Baustelle am Zwischenangriff Prag wird nachgerüstet, was den Lärmschutz betrifft. Das Netzwerk Killesberg und Umgebung fordert Details an, wie dies genau geschehen soll, und warum nun mit mehr Lastwagenfahrten und mehr Lärm gerechnet wird.

S-Nord - Dass die Bahn verkündet hat, die Baustelle am Wartberg werde lauter als erwartet (wir berichteten) und sie plane deshalb weitere Lärmschutzmaßnahmen wie zusätzliche Schallschutzfenster für die Anwohner sowie eine Einhausung der Baustellenfläche, haben die Nachbarn zunächst einmal positiv aufgenommen. Sind sie es doch gewesen, die schon seit Monaten überzeugt waren, dass die früheren Gutachten nicht darstellten, wie laut es dort wirklich sei.

Das Netzwerk Killesberg und Umgebung, eine Initiative der von der Untertunnelung betroffenen Anwohner, hat einen Brief an Florian Bitzer, Leiter der Abteilung Technische Fahrdienste bei Stuttgart 21, und Peter Sturm, Geschäftsführer der DB Projekt Stuttgart–Ulm, geschickt. Darin aufgelistet sind verschiedene Fragen zu den neuesten Gutachten, zu denen die Gruppe eine Stellungnahme einfordert. Beispielsweise soll der Verladevorgang detailliert beschrieben werden. So geht es darum, wie viele Lastwagen am Tag und in der Nacht den Aushub abtransportieren und wie lange das Verladen dauert. „Warum ist jetzt der extrem lärmintensivere Baubetrieb für die Verladung des Tunnelaushubs erforderlich?“ heißt es in dem Brief.

Die Frage, warum mehr Lastwagenfahrten nötig sind

Außerdem, so schreibt die Initiative, basiere die Lärmberechnung am Zwischenangriff Prag darauf, dass tagsüber zweieinhalb Stunden lang verladen werde, und nachts zwei Stunden lang. „Wie das mit den Lastwagenzahlen zusammenpassen soll, steht in den Sternen“, heißt es im Brief. „Selbst wenn man aus den Übersichten nur die untersten Werte für den Abtransport des Aushubs nimmt, kommen irreale Werte für die Verladezeiten pro Lastwagen heraus.“ Laut Initiative rechne die Bahn laut dem neuesten Gutachten mit 92 statt 74 Abfuhren pro Nacht, und mit 164 Betontransporten statt 19.

Ebenfalls möchten die Netzwerker wissen, warum die Lastwagenfahrten auf den Baulogistikstraßen im nächtlichen Zeitraum „so gravierend“ ansteigen, sowie Details zu den Immissionswerten in den Gutachten. Auch weitere Unterlagen sind von der Bahn angefordert, nämlich beschriftete Übersichtspläne, so dass Baustraßen und Straßenabschnitten die jeweiligen Lastwagenfahrten zugeordnet werden können, sowie Schallausbreitungskarten und konkrete Details zum Dach über der Baustellenfläche am Zwischenangriff Prag. Unterzeichnet ist der Brief von den Vorständen Ulrich Hangleiter und Rudolf Röder.

Bahn wünscht sich zügige Umsetzung des Schallschutzes

Die Anwohner hoffen nun, dass der zusätzliche Lärmschutz Früchte trägt. „Subjektiv ist es derzeit etwas ruhiger, da die sehr lauten Lärmspitzen der beiden Radlader, die bislang den Aushub auf die Waggons verladen haben, weggefallen sind“, berichtet ein Anwohner von der Stimmung am Wartberg. „Allerdings arbeitet die Bahn noch nicht unter Volllast. Für den Fall wird laut Lärmgutachten ja auch eine deutliche Lärmzunahme prognostiziert.“

„Einerseits gibt es ein Erschrecken darüber, wie viel mehr Lärm es hier wohl geben wird“, berichtet Marianne Pauli-Aretz, Anwohnerin und im Vorstand des Netzwerks Killesberg und Umgebung. „Andererseits haben die betroffenen Nachbarn die Hoffnung, dass die Verantwortlichen der Bahn wirklich etwas zum Schutz der Anwohner tun werden.“ Warum es jetzt um soviel lauter werde, sei bei einer zusätzlichen Infoveranstaltung für die Anwohner vergangene Woche nicht erklärt worden. Stattdessen sei auf einen erneuten Informationsabend verwiesen worden, der für November geplant ist.

„Uns wurden am Zwischenangriff Prag die drei neuen Belüftungsschläuche für den Tunnel gezeigt, die einen Kompressor und vielleicht auch Stromaggregate brauchen. Das wird dann auch viel mehr Lärm für uns bedeuten“, so Pauli-Aretz. „Die Einhausung hatten wir Betroffenen schon im Februar angeregt“, erinnert sich Andrea Knupfer, „das wurde damals brüsk zurückgewiesen, weil das technisch nicht machbar wäre.“

Laut einem Bahnsprecher läuft die Umsetzung des passiven Schallschutzes für die betroffenen Anwohner bereits. Dafür werden Ortstermine mit Eigentümern und Mietern vereinbart, danach können die Eigentümer sich Angebote einholen. „Wir sind an einer zügigen Umsetzung interessiert“, so der Bahnsprecher.

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