Direkt an der S-Bahn-Haltestelle in Beutelsbach gibt es seit dem Herbst einen ungewöhnlichen Treffpunkt: das Limbo. Die Inhaber ziehen eine erste Bilanz.
Als die S2 in Beutelsbach einfährt, bebt für einen Moment der Bahnsteig. Türen springen auf, Schritte hallen über den Boden, Stimmen vermischen sich mit Gelächter. Sekunden später strömen Dutzende Menschen an den großen Fenstern des Cafés „Limbo“ vorbei – manche zielstrebig Richtung Ausgang, andere werfen einen interessierten Blick hinein. „Hallo“, ruft die Inhaberin aus einem offenen Schiebefenster.
Seit September hat das Limbo geöffnet – ein Ort für Kaffee, Kunst und kleine Konzerte. Wer regelmäßig vorbeikommt, wundert sich beim Blick ins Café womöglich. Denn mit den ständig wechselnden Ausstellungen im Innenraum wird jedes Mal umgebaut. Tische und Stühle weichen Installationen, Technik kommt hinzu oder verschwindet wieder. Konstant bleibt nur die dunkelblaue Wand.
Das Café Limbo in Beutelsbach: Wer steckt eigentlich dahinter?
Für das Projekt haben sich drei bekannte Gesichter aus Stuttgart zusammengetan: Martina Schneider, ehemals Mitbetreiberin der Pizzeria „L.A. Signorina“ am Marienplatz. Künstlerin Sophie Bergemann, vom Kunstprojekt „Fitti-Bar“ ein Begriff. Und Musiker Stephen Burch, der auch unter dem Namen „The Great Park“ ein Publikum hat.
Der Name des Kulturcafés ist Programm: „Limbo“ bezeichnet im Englischen einen Schwebezustand – einen Ort zwischen Leben und Tod, zwischen hier und dort, so Stephen Burch. „Für Martina und mich war das immer dieser Platz zwischen Stadt und Land, zwischen Arbeit und Zuhause“, erzählt er.
Auch geografisch passt der Name. In fünf Minuten ist man in den Weinbergen, eine halbe Stunde später in der Stuttgarter Innenstadt. Beutelsbach ist ein Stadtteil von Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) – fühlt sich aber für viele wie ein Dorf an. „Es ist nicht ganz Stadt und nicht ganz Land“, sagt Martina Schneider. „So ein Zwischenort eben.“
Kunst im Limbo: Von Keramik zu Fotografie und Wasser
Seit der Eröffnung ist einiges passiert. Los ging es mit der Ausstellung „Magst du mit mir gehen?“ von Sophie Bergemann – mit Zeichnungen und Keramikarbeiten der Künstlerin. Aktuell zeigt das Limbo die Ausstellung „In Dreams I return to the Mountains“ von Luzie Marquardt. Die Künstlerin arbeitet mit Fotografien und Wasser als wiederkehrendem Motiv.
Passend zu den Ausstellungen gibt es immer ein kleines Kulturprogramm mit Lesungen und Performances. Nach einem Konzert von „The Great Park“ im September sind auch Nadja Carolina und Max Braun sowie die spanische Musikerin Fee Reega im Limbo aufgetreten. Die Konzerte kommen laut den Inhabern besonders gut bei den Gästen an. „Wenn 30 bis 40 Leute kommen, dann ist es voll“, erzählt Stephen Burch. Das seien dann sehr intime Abende. Der Café-Betrieb entwickelt sich hingegen langsamer. Das liegt laut Martina Schneider vor allem am Wetter. Doch sie blickt optimistisch nach vorn: „Man muss so einen Ort wachsen lassen“, sagt Schneider. „Das ist nichts, was von Tag eins an übervoll ist.“
Regionale Genüsse im Limbo: Kaffee, Wein und mehr entdecken
Kulinarisch versteht sich das Limbo als „klassische Kaffeebar“, so Martina Schneider. Der Kaffee kommt von der kleinen Rösterei „Lovely Lots“ aus Esslingen, dazu gebe es „natürlich Biomilch“. Beim Wein setzen die Betreiber auf Regionalität: „Wir verkaufen gerade Weiß-, Rot- und Roséwein von Marcel Idler aus Weinstadt.“ Dazu kommen Sekt und Schnäpse aus der Umgebung. Für den kleinen Hunger gibt es Panini, sonntags auch Croissants sowie selbst gemachtes Backapfelbrot und Marmelade. Eine Speisekarte aber gibt es nicht. „Eigentlich sollen die Leute hierherkommen und was trinken“, sagt die Gastronomin.
„Es gibt Leute, die 20-mal kommen und nie ein Wort sagen.“
Stephen Burch über Gäste, die lieber schweigen als plaudern wollen
Geöffnet ist das Café nur am Wochenende – Freitag bis Sonntag. „Wir wollten keinen Ort, an dem morgens alle im Stress auf dem Weg zur Arbeit schnell einen Kaffee mitnehmen“, sagt Schneider. Es gehe mehr ums Ankommen und Entspannen, nicht um Durchlauf.
Stuttgarter und Anwohner strömen ins Limbo-Café
Sonntags ziehe es viele Besucher aus Stuttgart nach Weinstadt, erzählt Martina Schneider. Sie verbinden den Ausflug in die Weinberge mit einem Stopp im Limbo. Am Freitag und an Veranstaltungsabenden kämen vor allem Anwohner aus Beutelsbach. „Es kommen immer wieder neue Gesichter dazu, und die Gesichter, die schon da waren, die kommen wieder“, erzählt Schneider.
Während manche Gäste gern auf einen kurzen Plausch bleiben, bevorzugen andere die Anonymität. „Es gibt Leute, die 20-mal kommen und nie ein Wort sagen“, sagt Burch. Auch das sei völlig in Ordnung – wer einfach seinen Kaffee trinken und wieder gehen wolle, könne das hier genauso tun.
Dass Gespräche entstehen, gehört trotzdem zum Konzept. Oft kurz, manchmal überraschend, manchmal erst kurz bevor die nächste S-Bahn einfährt. „Was mir in unserer ländlichen Idylle am meisten fehlt, sind spontane Begegnungen“, sagt Martina Schneider. Sie möchte deshalb einen Ort schaffen, an dem Menschen sich austauschen können. Ein bisschen Stadtgefühl im Dorf – oder vielleicht ein bisschen Dorfgefühl in der Stadt. Ein Limbo eben, ein Ort im Übergang.
Wie es nun mit dem Limbo weitergeht
Weitreichende Zukunftspläne für das Café haben die drei Inhaber bewusst nicht. Das Programm wird nicht lange im Voraus festgelegt. „Wir wollen uns auch überraschen lassen“, sagt Schneider. Ein paar Termine stehen dennoch bereits fest: Im März beteiligt sich das Limbo an den Jazztagen in Weinstadt – mit einer Ausstellung über Jazz-Plattencover sowie einer Gesprächsrunde mit Fola Dada und Andreas Vogel.
Bewerbungen von Musikern, Künstlern oder Autoren seien willkommen, solange sie zum Raum passen. Denn große Bühnen oder aufwendige Produktionen seien hier kaum möglich. „Aber genau das macht den Reiz aus“, sagt Burch. Das Café Limbo auf einen Blick
- Adresse: Poststraße 65, 71384 Weinstadt (direkt an der S-Bahn-Haltestelle Beutelsbach)
- Anfahrt: S2 Richtung Schorndorf oder Filderstadt, Ausstieg Beutelsbach
- Öffnungszeiten: Freitag 16–22 Uhr, Samstag 10–22 Uhr, Sonntag 10–18 Uhr
- Website: https://www.next-stop-limbo.de/