Die Zeit bei der Auftaktveranstaltung war fast zu knapp – so viele Ideen haben die Bürger. Foto: Katharina Kraft

Nicht die Stadt allein gibt vor, was im Sanierungsgebiet S 28 neu- oder umgestaltet werden soll. Die Ideen und Wünsche der West-Bürger sind gefragt – und die liefern sie bei der Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung.

S-West - Um viertel nach sechs abends ist der Otto-Hajek-Saal im Bürgerzentrum West gefüllt. Mehr als 100 Bürger suchen noch einen Sitzplatz oder betrachten schon die ausgelegten Pläne. Das Publikum ist gemischt: Kinder, junge Mädchen mit langen Haaren, Frauen im Geschäftsanzug, Männer im T-Shirt und ältere Damen im Blazer. Sie alle sind am Dienstagabend zur Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung Sanierungsgebiet S 28 – Bismarckstraße gekommen.

Das Sanierungsgebiet wurde im vergangenen Jahr in ein Programm von Bund und Ländern aufgenommen, das die Innenstadtentwicklung fördern soll. Was mit dem dadurch zur Verfügung gestellten Geld passieren wird, darüber sollen die Bürger diskutieren. Um die Bürgerbeteiligung zu organisieren, wurde das Forum Lebendiger Westen gegründet. Es besteht aus Initiativen und Vereinen des Westens, die Geschäftsstelle und die Moderation hat das Eltern-Kind-Zentrum (Ekiz) übernommen. Die Vorschläge der Bürger werden am Ende an den Gemeinderat weitergeleitet. Dieser entscheidet, welche Maßnahmen umgesetzt werden. „Wenn die Interessen abgewogen wurden, haben der Bezirksbeirat und der Gemeinderat die Vorschläge in der Vergangenheit meistens übernommen“, sagt Reinhard Möhrle, Bezirksvorsteher in S-West.

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Bürgermeister Hahn überrascht das große Interesse

Obwohl der Westen laut Möhrle schon viele gute Erfahrungen mit der Bürgerbeteiligung gemacht hat, sind Bürgermeister Matthias Hahn und manche der Organisatoren positiv überrascht vom großen Interesse. Lorena Bojens, deren Kinder auf die Schwabschule gehen, findet, dass die Schule zu wenig Außenflächen hat. Vielleicht wäre bei der Elisabethenanlage Platz dafür? „Ich wollte einfach mal hören, was andere Leute darüber denken“, sagt sie. Auch Stefan Kleineikenscheidt wollte „nur mal schauen“. Das Ziel des Abends sei nicht, alle Ideen zu sammeln und zu diskutieren. „Das Wichtigste ist, was in den Leuten passiert“, sagt Thomas Becker, der sich im Forum engagiert. Das Treffen soll ein Denkanstoß sein. Deswegen habe man die Tische auch so klein gehalten. Höchstens fünf Personen passen an einen Tisch. Nach der ersten Runde, in der Ideen gesammelt werden, wechseln die Gruppen.

Am Ende des Abends stehen viele Vorschläge auf den ausgelegten Straßenkarten. „Der Bismarckplatz soll wieder zu einem Platz gemacht werden“, findet Rainer Benz. Er wünscht sich einen so genannten Shared Space, einen Platz also, an dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Jeanette Lemmerz will Orte der Begegnung – Nutzgärten, die von Kindern, Rentnern und Freiwilligen betreut werden, und Kioske in Selbstverwaltung. Eine kleine Tanzfläche, durch Windenergie betriebene Beleuchtungsanlagen und eine Tankstelle für E-Bikes wünscht sich Peter Stellwag.

Ein Bürgerwunsch: mehr reparieren statt neu bauen

Juliane Wilfart hingegen glaubt, dass es immer populärer ist, Neues zu bauen. „Erhalten ist uncool“, sagt sie und wünscht sich, dass dennoch mehr repariert, geputzt und instandgehalten wird. Martina Lemke sagt: „Ich wünsche mir mehr Wasser in der Stadt.“ Kleine, in den Boden eingelassene Springbrunnen, die aktiviert werden, sobald man in ihre Nähe kommt, fände sie an heißen Sommertagen erfrischend.

„Das heute Abend war ein gedanklicher Spaziergang“, sagt Eckhard Ernst vom Forum Lebendiger Westen. Weiter gehen soll es mit einem richtigen Stadtspaziergang am 5. Juli. Alle Bürger sind eingeladen, mitzukommen, ihre Kamera einzupacken und Bilder zu schießen. Die können dann mit Kommentaren versehen und eingeschickt werden. Auch Lorena Bojens will wieder dabei sein. Ihrer Meinung nach waren sich alle einig, dass es mehr Grünflächen, mehr Natur und mehr Räume zum Zusammenkommen braucht – auch generationenübergreifend. „Ich glaube, dass unsere Interessen gar nicht so weit auseinander liegen“, sagt sie. Das würde die Chancen im Gemeinderat verbessern.

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