S-West/Nikolauspflege Mehr Raum, mehr Luft, mehr Offenheit

Von kay 

Die Nikolauspflege will ihr Gelände am Kräherwald neu ordnen. Gebäude werden umgewidmet, einige durch Neubauten ersetzt. Die Einrichtung insgesamt soll mehr nach außen, ins nachbarschaftliche Umfeld geöffnet werden.

S-West - Die Nikolauspflege will ihr Gelände am Kräherwald neu ordnen. Einige Gebäude sollen umgewidmet, einige durch Neubauten ersetzt werden. Mit dem Umbau verfolgt die kirchliche Stiftung gleich mehrere Ziele: mehr Platz, mehr Entwicklung, mehr Effizienz und mehr Öffnung nach außen. „Wir haben momentan große Raumnot“, erklärte jüngst Dieter Feser, der Vorstandsvorsitzende der Nikolauspflege, im Bezirksbeirat West. Daher müsse derzeit auch in Container-Provisorien unterrichtet werden.

Mit dem Umbau wird mehr Platz geschaffen für die steigende Zahl an blinden und sehbehinderten Schülern, und das Angebot an inklusiven Klassen kann ausgebaut werden. So soll die Betty-Hirsch-Schule als Grund-, Werk- und Realschule künftig inklusiven Unterricht bis einschließlich Klasse zehn ermöglichen. „Das ist Inklusion mal umgekehrt!“, erläuterte Feser sichtlich stolz den Bezirksbeiräten. Insgesamt will sich die Einrichtung mehr öffnen und im Stadtteil präsenter werden. Diese Haltung soll sich auch optisch in der baulichen Gestaltung niederschlagen.

Treffpunkt für alle

Das Thema Inklusion solle sowohl räumlich als auch sozial ausgebaut werden, erklärte Dieter Feser. Räume für Sport und Veranstaltungen sowie Treffpunkte, Bistro und Kantine sollen für blinde, sehbehinderte und sehende Menschen gleichermaßen genutzt werden können. Eine neue Turnhalle soll die alte ersetzen. Neu gebaut werden ferner das Internats- und ein Schulgebäude sowie ein Werkhaus, an dessen Stelle derzeit ein Wohnhaus steht.

Im selben Zuge will die Nikolauspflege mit der Umstrukturierung bisherige Schwächen beseitigen – beispielsweise, dass Klassen auf mehrere Räume oder gar Gebäude verteilt werden müssen und die Barrierefreiheit nicht überall ausreichend gewährleistet ist. In diesem Zusammenhang sollen zugleich fällige Sanierungsarbeiten auf dem Gelände erledigt werden. Insgesamt soll das Areal effizienter genutzt werden als dies bislang möglich ist.

Barrierefreies Wegenetz

Am Kräherwald befinden sich derzeit außer der genannten Betty-Hirsch-Schule und einem Internatswohnheim eine inklusive Kinderkrippe, ein Schulkindergarten, eine Heimsonderschule, eine Berufsfach- und Sonderberufsschule, das Berufsbildungswerk Stuttgart, das Sozialunternehmen „Leben und Wohnen“, der sonderpädagogische Dienst sowie eine Frühförder- und Beratungsstelle. Ein barrierefreies Wegenetz soll künftig durchs Areal führen, und die geschlossene Fassadenreihe entlang der Straße Am Kräherwald aufgebrochen werden. Damit wird nicht bloß das Areal nach außen hin geöffnet, es tun sich sich dadurch zugleich neue Kaltluftschneisen für die Bewohner im Westen auf.

Ihre Pläne hat die Nikolauspflege bereits im Gemeinderatsausschuss und im Bezirksbeirat West präsentiert. Eine Grobplanung für die Neuordnung liegt vor. Allerdings bedarf es noch einer Bebauungsplanänderung, bis ein Wettbewerb ausgelobt werden kann. Läuft alles nach Plan, rechnet der Vorstandsvorsitzender der Stiftung, Dieter Feser, mit einer baulichen Fertigstellung bis spätestens 2021.

Zielgruppe:
Die Nikolauspflege bietet blinden und sehbehinderten Menschen Hilfeleistungen an, fördert ihre schulische und berufliche Bildung sowie die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe. Mit einer Bandbreite von der häuslichen Frühförderung bis in den Seniorenbereich ist die Nikolauspflege eines der führenden Kompetenzzentren für blinde, sehbehinderte und mehrfach behinderte Menschen aller Altersgruppen in Deutschland.

Organisation
: Die Nikolaus­pflege wurde 1856 von Kronprinzessin Olga, später Königin Olga von Württemberg, als eine Zwergschule für blinde Kinder gegründet. Die Einrichtung hatte bald starken Zulauf. Deshalb legte sie in den Jahren 1906 bis 1908 ein Areal Am Kräherwald für bis zu 100 Bewohner neu an. Die Nikolauspflege wuchs stetig. Heute sind in ihren diversen Einrichtungen fast 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Stiftung ist Mitglied im Diakonischen Werk.

www.nikolauspflege.de

Redaktion Stuttgart-West

Ansprechpartnerin
Kathrin Wesely
s-west@stz.zgs.de

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