Mit dem Team Stuttgart Lacrosse hat Dane Kowal den deutschen Meistertitel gewonnen. Foto: privat

Der Australier Dane Kowal hat ein halbes Jahr am Feuersee gewohnt, mit Stuttgart den deutschen Meistertitel im Lacrosse geholt und Verwandte in Polen kennengelernt.

S-West - Wenn Dane Kowal am 8. Juli in Frankfurt ins Flugzeug steigt, um die gut 17 000 Kilometer zurück in seine australische Heimatstadt Melbourne zu reisen, dann wird er neben seinem Gepäck auch jede Menge frischer Eindrücke und einige Telefonnummern neuer Freunde an Bord haben. Fünf Monate lang hat der 27-Jährige im Stuttgarter Westen gelebt und für das in Degerloch und Kornwestheim ansässigen Team Stuttgart Lacrosse gespielt.

Im Juni durfte der Gastspieler aus Australien in Köln mit seinen Mannschaftskollegen über den ganz großen sportlichen Triumph jubeln: Vor der für die Randsportart sehr stattlichen Kulisse von 600 Zuschauern sicherten sich die Schwaben, die zuvor zweimal hintereinander das Endspiel verloren hatten, mit einem 11:9-Sieg gegen die THC Hamburg Warriors endlich den lang ersehnten ersten deutschen Meistertitel in der aus Nordamerika stammenden Sportart. „Das ist das größte Erlebnis, was ich bisher im Sport hatte. Ich werde meiner Familie und meinen Freunden in Australien ausführlich davon berichten“, sagt Dane Kowal.

Besucher der Verwandten auf dem alten Kontinent

Dabei war der eigentliche Antrieb für den knapp halbjährigen Trip nach Europa ein ganz anderer. Einen, den der Mann aus Down Under mit vielen seiner Landsleute, aber auch vielen Bürgern der USA teilt: Ein ausführlicher Besuch bei den Verwandten auf dem alten Kontinent sollte es werden, Kowal nahm sich zuhause eine berufliche Auszeit, um seinen familiären Wurzeln zu folgen, die in Osteuropa liegen: „Mein Großvater ist einst aus der polnischen Stadt Lviv (Lemberg), die heute in der Ukraine liegt, über Großbritannien nach Australien ausgewandert“, erzählt Kowal, der in den vergangenen Monaten die Stadt an der Poltwa ebenso besucht hat wie das polnische Städtchen Bydogoszcz, wo noch jede Menge Verwandte leben.

„Ich hatte einige beeindruckende Erlebnisse und von meinen Cousins wurde ich aufgenommen, als würden wir uns schon ewig kennen“, sagt Kowal, der noch nie zuvor in Europa gewesen war. Die meiste Zeit seines mehrmonatigen Aufenthalts hat der Bauarbeiter aus dem australischen Bundesstaat Victoria allerdings nicht bei den polnischen Verwandten, sondern unweit des Feuersees im Stuttgarter Westen verbracht, wo er auf Vermittlung des Stuttgarter Lacrosse-Klubs eine kleine Wohnung gefunden hatte.

Die Stuttgarter haben sich um den Australier intensiv bemüht

Bereits von Australien aus hatte der leidenschaftliche Lacrosse-Spieler, der die Sportart seit 20 Jahren betreibt, per E-Mail den Kontakt mit Vereinen aus Polen, den Niederlanden, Belgien und ganz Deutschland aufgenommen. Neben der Ahnenforschung war nämlich das zweite große Ziel, international sportliche Erfahrungen zu sammeln: „Die Stuttgarter haben sich am intensivsten um mich bemüht, und am Ende bin ich sehr froh, hier gelandet zu sein“, erzählt Kowal, der für sein Engagement keinen Cent Gehalt erhielt und der seinen gesamten Trip nach Europa aus eigener Tasche finanziert hat.

Gelohnt hat sich der Aufenthalt nicht nur aufgrund des sportlichen Erfolgs, sondern auch wegen der zahlreichen neuen Kontakte und der Eindrücke, die der spontane, reisefreudige Australier mit zurück in die Heimat nimmt: „Am meisten vermissen werde ich die Maultaschen. Ich muss ganz dringend schauen, ob es im Großraum Melbourne deutsche Metzger gibt, die so etwas herstellen“, sagt Dane Kowal, für den schon Mitte Juli die Saison im Lacrosse weitergeht. Während nämlich die Stuttgarter Kollegen Sommerpause haben, geht es bei den „Footscray Lacrosse Bulldogs“ in die Endphase der Meisterschaft im Bundesstaat Victoria.

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