Beinahe hätte der Fahrradausflug Foto: dapd

Wann es wieder eine benutzbare Brücke über die Magstadter Straße gibt, bleibt unklar.

S-West - Beinahe hätte der Ausflug ein böses Ende genommen. Christine Baisch war vor wenigen Tagen mit ihrem Lebensgefährten und ihren beiden Neffen mit den Fahrrädern in Richtung Mahdental unterwegs. Weil die marode Brücke, die über die Magstadter Straße führt, noch immer gesperrt ist, wollte die Gruppe – wie vorgesehen – über den Überweg am Kreisverkehr und den Wanderparkplatz weiter zum Bärenschlössle radeln. Auf dem Parkplatz dann rollte ein Autofahrer rückwärts aus seiner Parklücke und verfehlte nur knapp den zwölfjährigen Neffen von Christine Baisch. Der Schreck der Radfahrer saß tief. Wenige Tage danach spricht Baisch von einer „sehr gefährlichen Stelle“ und einer „enormen Gefahrenquelle“.

Dass es nicht ideal sei, einen Radweg an einem Parkplatz vorbei zu führen, leugnet Bernd Eichenauer, Leiter der Straßenverkehrsbehörde, nicht. „Es ist aber auch nicht außergewöhnlich“, fügt er hinzu. Auf einem Wanderparkplatz sei die Fluktuation freilich längst nicht so hoch wie auf anderen Parkplätzen, wo innerhalb kurzer Zeit viele Autofahrer aus den Parklücken ein- und ausfahren. Es bestehe demnach kein hohes Sicherheitsrisiko. „Jeder Verkehrsteilnehmer ist grundsätzlich zur Vorsicht angehalten“, sagt er. Zu unguten Situationen könne es auch an anderen Parkplätzen kommen.

Eichenauer betont jedoch auch, dass es die Stadt durchaus begrüßen würde, wenn der neue Steg über die Magstadter Straße bald gebaut würde. „Natürlich sehe ich die Fußgänger und Radfahrer lieber oben auf der Brücke als unten am Kreisverkehr“, sagt der Angestellte der Stadtverwaltung. Dem pflichtet Ulrich Decker, Eichenauers Kollege vom Tiefbauamt, bei. Er hat noch vor der Sommerpause auf Antrag der Grünen-Fraktion den Bezirksbeirat West über die momentane Situation im Mahdental informiert. „Wir hätten schon längst mit dem Bau der neuen Brücke begonnen“, sagt Decker. Die Klage des Umweltverbandes Nabu vor dem Verwaltungsgericht jedoch zwingt das Regierungspräsidium (RP), das zuständig ist für die Brücke, zu einer Pause. Der Nabu klagt, weil der Holzsteg und demnach auch die geplante Neukonstruktion aus Stahlbeton in einem Flora-Habitat-Gebiet liegt, also einem Naturschutzgebiet, das nach europäischen Richtlinien streng geschützt ist. Der Nabu hatte darauf hingewiesen, dass auch die Sanierung des Holzstegs möglich wäre.

Sanierung langfristig nicht günstiger

„Es handelt sich aber um ein altes Bauwerk, das absolut morsch ist“, sagt Decker dazu. Zudem wäre eine Sanierung langfristig nicht günstiger. „Stahlbeton hält 70, wenn nicht gar 100 Jahre“, sagt Decker. Die Genehmigung, unter Rücksicht auf die Brutzeit und die Amphibienwanderung zu bauen, hat das Regierungspräsidium, der Behörde sind gleichwohl die Hände gebunden. „Vermutlich wird es vor Herbst zu keiner Verhandlung kommen“, so Decker.

Der Bezirksbeirat West unterstützt das Anliegen, schnellstmöglich eine Brücke zu bauen – für die Radfahrer und Fußgänger. „Das Queren der Straße nur mit der Hüpfinsel ist schwierig“, sagt Margit Riedinger (Grüne). Auch Rolf-Peter H. Kress verweist darauf, dass es neben dem Artenschutz, auch um den „Menschenschutz“ gehe und „die Brücke so schnell wie möglich zum Schutz der Menschen gebaut werden muss“. Dass es nun, einige Woche später beinahe zu einem Unfall gekommen ist, dürfte die Lokalpolitiker in ihrer Meinung nur bestätigen. Schon in der Sitzung hatten sie sich einhellig dafür ausgesprochen, dass rasch eine Lösung gefunden wird.

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