Der Krankenhaustrakt des Olgäle ist seit Monaten verwaist. Genutzt wird nur noch Foto: Kathrin Wesely

Das Olgäle steht immer noch. Eigentlich hätte bereits im September der dem Abbruch beginnen sollen. Da jedoch die Neubebauung ohnehin erst für Mitte oder Ende 2016 vorgesehen ist und triftige Gründe dafür sprechen, das ehemalige Kinderkrankenhaus vorerst stehen zu lassen, hat die Stadt die Bagger zurückgepfiffen.

S-West - Das Olgäle steht immer noch. Eigentlich hätte bereits im September der dem Abbruch beginnen sollen. Da jedoch die Neubebauung ohnehin erst für Mitte oder Ende 2016 vorgesehen ist und triftige Gründe dafür sprechen, das ehemalige Kinderkrankenhaus vorerst stehen zu lassen, habe man die Bagger zurückgepfiffen, berichtet Doris Rüdiger, Abteilungsleiterin beim Liegenschaftsamt. „Der Abbruchtermin wurde verschoben, um zunächst dort Flüchtlinge bis Ende 2014 unterzubringen, aber auch um ein vollständiges Wiederauffüllen der Baugrube sowie einen langen Offenstand der Baugrube zu vermeiden.“ Wochenlang wären Lastwagen über die Bismarckstraße gedonnert, um tonnenschweres Füllmaterial für die Grube heranzukarren, was „erhebliche Auswirkungen auf die Nachbarschaft“ gehabt hätte, so Rüdiger.

Konzeptvergabe wird erprobt

Zwischenzeitlich wird der leer stehende Komplex als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Im Dezember haben 53 Menschen im Personalwohnheim Quartier bezogen. Die meisten kommen aus Birma, dem Irak und Eritrea, und sie werden voraussichtlich bis Ende März wohnen bleiben, sagt Doris Rüdiger. Der Termin für ihren Auszug stehe noch nicht fest. Erstmals im Sommer hatte man das Olgäle als Interimsunterkunft genutzt. Damals zogen um die 160 Flüchtlinge in die einstigen Krankenstationen ein.

Bis auf den vertagten Abriss läuft beim Vorzeigeprojekt Olga-Areal alles nach Zeitplan, sagt die Fachfrau vom Liegenschaftsamt. Gut 200 Wohneinheiten sollen in dem Quartier zwischen Hasenberg-, Breitscheid-, Senefelder- und Bismarckstraße gebaut werden. Hinzu kommen zwei Kindertagesstätten – eine auf dem Gelände, eine im gegenüberliegenden Gebäude des Gesundheitsamtes an der Bismarckstraße. „Trotz einer intensiven Bebauung bleibt Platz für mehr Spiel- und Freiflächen sowie Bäume“, kündigt Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle an. Die Hälfte der Wohnungen werden gemäß dem Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM), öffentlich gefördert und können günstig vermietet oder verkauft werden.

45 Prozent der Wohnungen sollen Baugemeinschaften errichten. Anders als bei gewerblichen Bauträgern gilt für sie ein Fixpreis für die einzelnen Grundstücke. Alle übrigen Wohnungen sollen Investoren oder Baugenossenschaften bauen. Für sie gilt ebenfalls eine besondere Regelung: Nicht zwingend erhält der Meistbietende den Zuschlag. Im selben Maße entscheidend ist das Nutzungskonzept, das die gewerblichen Bauträger vorlegen. Mitte Dezember endete die Ausschreibungsfrist. Wie viele Investoren Gebote abgegeben haben, will das Liegenschaftsamt zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt geben. Ein Preisgericht aus externen Sachverständigen sowie Vertretern aus Politik, Verwaltung und dem städtebaulichen Beirat Olga-Areal wird sich über die Gebote beraten. Es tagt Ende März. Wer letztlich zum Zug kommt und baut, entscheidet der Gemeinderat. Bleibt es beim Zeitplan, wird das Projekt Ende 2018 fertiggestellt sein.

Blaupause für andere Projekte

Auch die Baugenossenschaften müssen den Preisrichtern ihre Konzepte vorlegen, haben damit noch Zeit. Das etwas aufwendigere Auswahlverfahren dürfte wohl erst im nächsten Jahr zum Abschluss kommen, sagt der Bezirksvorsteher Möhrle. Der Gemeinderat hatte sich im vergangenen Frühjahr auf diese Art der Vermarktung der vier Baufelder verständigt. Die Vergabe nach Konzepten wird in Stuttgart erstmalig erprobt und dürfte Vorbildfunktion haben für Projekte wie Bürgerhospital, Schoch-Areal, Neckarpark und Rosensteinquartier.

Für Reinhard Möhrle markiert die Neubebauung des Areals eine der wichtigsten neueren Entwicklungen im Westen. Vorbildcharakter hat für ihn nicht allein das neue Vermarktungsverfahren: „Beispielhaft bei den Planungen war das Zusammenwirken von Bürgern, Bezirksbeirat, Verwaltung und Gemeinderat.“

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