S-Süd Serie zur Böblinger Straße Autowerkstatt im Hinterhof

Von Kathrin Wesely 

Während sich die Tübinger Straße aufbrezelt, schick und teuer wird, scheint am anderen Ende, in der Böblinger Straße, die Zeit zu rasten. Noch gibt es hier Läden und Werkstätten mit langer Geschichte. Bei einigen schauen wir in unserer Serie vorbei.

Die Böblinger Straße führt links, am westlichen Ende des Marienplatzes, hinaus nach Kaltental.Foto: Storck

S-Süd - Böblinger Straße 31A. Ein schmales Gässchen, eingeklemmt zwischen zwei Wohnbauten, führt in den Hof von Zeljko Spanic. Das Tor der Autowerkstatt steht sperrangelweit offen. „Der Chef ist hinten im Büro“, ruft einer der Lehrlinge unter einem Auto hervor.

Zeljko Spanic, Baujahr 1954, kroatisches Fabrikat, Leistung unermüdlich, Abmessung übersichtlich, führt seine Werkstatt seit 36 Jahren. Er war als junger Mann, der bei einem VW-Händler in der Lehenstraße angestellt war, ziemlich spitz auf die Werkstatt gewesen. Doch deren Meister hatte sie seinem Gesellen versprochen. Als der Bursche aber durch die Meisterprüfung rasselte, kam Spanic doch zum Zug, brachte den Laden auf Vordermann und schmiss ihn die ersten sechs Jahre allein. Neudeutsch ließe sich von einem analogen Start-up sprechen. Der Trakt im Hinterhof sei übrigens schon immer Werkstatt gewesen, erzählt Spanic. Früher hämmerte hier ein Wagner.Mit fast 64 Jahren könnte er, wenn er wollte, langsam selber ans Aufhören denken. Will er aber nicht. Zumal er niemanden im Auge hat, der seine Werkstatt übernehmen könnte. Seine Kinder haben beruflich andere Wege eingeschlagen, und der KFZ-Meister bildet zwar aus. „Aber ein frisch Ausgebildeter ist mit einer Werkstatt noch überfordert. Es müsste schon jemand sein, der Erfahrung hat.“ Vor allem liebt Spanic seine Arbeit und seine Werkstatt, in der er alles selbst eingebaut, über die Jahrzehnte optimiert und aktualisiert hat.

Analoges Start-up

Der Betrieb hält ihn auf Trapp. „Ich bin den ganzen Tag auf den Beinen, renne zwischen Werkstatt und Büro hin und her.“ Aber vor allem muss er sich fachlich fit halten, sonst kann er einpacken. „Früher, als alles noch mechanisch war, waren die meisten Reparaturen Verschleißsachen oder etwas an der Karosserie. Heute ist es oft die Elektrik. Deshalb ist es wichtig, dass man die neueste Technik beherrscht.“ Spanic lernt dauernd dazu und gibt frisches Wissen an seine Azubis weiter. Auf die grüne Wiese hat es den Meister nie gezogen. Dabei könnte er es dort kommoder haben als in seiner 90 Quadratmeter Werkstatt mit winzigem Innenhof als Lagerfläche. Er könnte mehr Kunden bedienen und mehr Geld verdienen. Aber er mag es lieber eng und urban. „Die Kunden schätzen es, dass wir mitten in der Stadt sind.“ Und dann passt ihm auch die Anonymität großer Werkstätten nicht. „Da werden die Kunden am Morgen von einem Anderen bedient als am Abend, wenn sie ihr Auto wieder abholen.“ Vor allem aber „hänge ich sehr an der Werkstatt“. Die urbane Struktur schätzen nicht bloß Spanic’ Kunden, er selber auch. Mittags muss er nicht in einem hässlichen Industriegebiet an der Würstelbude stehen. Herr Spanic speist mit seinen Mitarbeitern im Lokal – gerne in der „Alten Hupe“.

Bloß keine grüne Wiese