Katharina Naumann probt mit den Schülern ein selbst erdachtes Stück. Foto: Tilmann Baur

Beim inklusiven Theaterprojekt haben sich Torwiesen-Schüler mit dem Thema Umwelt auseinandergesetzt. Dabei geht es weniger um die große Politik, sondern vor allem um die Reflexion des eigenen Verhaltens bei alltäglichen Dingen. Beim inklusiven Theaterprojekt haben sich Torwiesen-Schüler mit dem Thema Umwelt auseinandergesetzt.

S-Süd - Die Schildkröte hat eine am Meeresufer treibende Plastiktüte geschluckt und droht daran zu ersticken. Doch Rettung naht: Ein Millionär mit Papp-Krone auf dem Kopf spaziert mit seinem Sohn den Strand entlang. Als dieser das Drama sieht, stürzt er sich halsbrecherisch in die Fluten und rettet das Tier.

Die Probe der Schülergruppe ist geglückt, auch wenn es an den Feinheiten noch zu arbeiten gilt. „Die Geschichte ist noch etwas kurz. Es gibt Möglichkeiten, sie noch länger zu machen“, sagt die Theaterpädagogin Katharina Naumann und gibt noch einen wichtigen Tipp: „Nicht mit dem Rücken zum Publikum stehen! Wir brauchen eure Gesichter.“

Kleine Gefechte

In der Torwiesenschule, einer inklusiven Einrichtung der Diakonie Stetten, geht Naumann von Raum zu Raum und arbeitet mit Kleingruppen an ihren Stücken. Ziel des Projekts ist die Ausein­andersetzung mit dem großen Thema unserer Zeit: der Umwelt. Während manche Schüler sich ins Geschehen stürzen, sich Bärte aus Papierschnipseln kleben und Kostüme basteln, wirken andere noch gelangweilt.

Um die Rolle der Schildkröte im Stück schlägt sich niemand, und auch der kleine Darsteller der Nebenrolle des Fischs beschäftigt sich lieber mit anderen Dingen. Kurzum: Es geht zu wie in jeder nicht-inklusiven Schulklasse auch. Auffällig ist, wie autonom die Gruppen agieren. Katharina Naumann und die Realschullehrerin Loraine Burkhard geben Input, stellen Fragen oder finden sich in der Rolle der Streitschlichterinnen wieder: „Ich habe ein Krokodilherz gemalt, und er hat es zerschreddert“, wirft ein Junge einem Mitschüler vor.

Was den Inhalt der Stücke, deren Ablauf und die Verteilung der Rollen angeht, haben die Kinder aber freie Hand. „Wir wollen die Geschichten der Kinder nicht beeinflussen“, sagt Loraine Burkhard. Wer eine Behinderung hat und wer nicht, fällt auf den ersten Blick nicht auf. Im Prozess übernimmt jeder eine Aufgabe, die er beherrscht. „Die Realschulkinder schreiben zum Beispiel Texte, und die SBBZ-Kinder malen währenddessen“, erklärt Burkhard. Insgesamt sei die Zusammenarbeit der Kinder sehr positiv.

Gute Vorsätze

Eine zweite Gruppe hat sich ein Stück ausgedacht, in dem ein Hund Müll frisst, den eine Familie achtlos weggeworfen hat, und der deshalb zum Tierarzt muss. ­Daraufhin kommt die Familie ins Grübeln. Die Schüler schreiben ihr eine muster­gültige Einsicht ins Drehbuch: „Wir werden unser Verhalten gegenüber der Umwelt ändern.“

Das Ziel der Projekttage in der Torwiesenschule ist nicht nur die theoretische Auseinandersetzung mit dem strapazierten Begriff Nachhaltigkeit, sondern vor ­allem die Reflexion des eigenen Verhaltens in Umweltdingen. Das Theaterprojekt dauert drei Tage, am vierten Tag führen die Kinder ihr Stück auf. Für die Theaterpädagogin Katharina Naumann ist es nicht das erste Projekt dieser Art. Nur die große Anzahl an Kindern ist für sie neu. Knapp 50 Fünft- und Sechstklässler nehmen teil.

Ihre Aufgabe sei es vorrangig, die überbordenden Ideen der Kinder zu kanalisieren. „Die Kinder sind unglaublich kreativ und haben einen großen Spieldrang“, sagt Naumann. Mit Umweltthemen beschäftigten sich die Schüler auch nicht zum ersten Mal. Im Unterricht spielte das Thema zuletzt eine bedeutende Rolle. Besonders wegen der Buschbrände in Australien und der damit verbundenen Tierqualen habe es Redebedarf gegeben, sagt Katharina Naumann.

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