Seit mehr als 18 Jahren sucht Foto: Heike Armbruster

Rosemarie Biermann sucht ihren leiblichen Vater. Alle Spuren verlieren sich in der Heslacher Halbhöhe.

S-Süd - Was Rosemarie Biermann über ihre leibliche Mutter weiß, ist nicht viel. Von ihrem leiblichen Vater kennt sie nicht einmal den Namen. Biermann weiß, dass ihre Mutter zum Zeitpunkt ihrer Zeugung 1958 als Hausmädchen in einem Herrenhaus unweit der Karlshöhe im Süden gearbeitet hat. Dort muss sie sich unsterblich in Rosemaries Vater verliebt haben. „Die blauen Augen, hat sie mir einmal erzählt, habe ich von ihm“, sagt Rosemarie Biermann. Es ist eines der wenigen Bruchstücke, die die 53-Jährige kennt. Sie ist im Alter von drei Jahren adoptiert worden.

Seit mehr als 18 Jahren sucht Rosemarie Biermann nun schon den Mann mit den blauen Augen. Ihre leibliche Mutter weigert sich beharrlich, seinen Namen zu nennen. Auch eine Anfrage dieser Zeitung blockte die gebürtige Ostpreußin ab, kaum, dass sie den Namen ihrer Tochter hörte. Rosemarie Biermann kann über die Gründe nur spekulieren. Vielleicht habe die Mutter dem leiblichen Vater nie gesagt, dass sie schwanger war. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass die Familie oder der Mann selbst dem damaligen Hausmädchen Schweigegeld gezahlt hat, damit der Name nicht an die Öffentlichkeit dringt.

„Ich will wissen, von wem ich meine Gene habe“

Biermann sucht nun nach Menschen, die ihre Mutter 1958 kannten. Aus den wenigen Erzählungen ihrer leiblichen Mutter weiß Biermann, dass ihr Vater bei der Bundeswehr war, Ingenieurswesen studiert hat, sehr intelligent war und kurze, dunkle Haare sowie blaue Augen hatte. Sie glaubt, dass er jetzt etwa 80 Jahre alt sein muss, sofern er noch lebt. „Er war um die zehn Jahre älter als sie“, sagt die 53-Jährige. „Meine Mutter, so hat mir meine Halbschwester später erzählt, hatte damals kurze, dunkelbraune Haare, und war ein aufgeschlossener, fröhlicher Mensch.“ Sie habe gerne getanzt, Handarbeiten gemocht und sich modisch gekleidet. Bevor die junge Ostpreußin mit dem Vornamen Monika aus streng katholischem Elternhaus nach Stuttgart kam, hatte sie bereits in Niedersachsen als Hausmädchen gearbeitet. „An ihrer Sprechweise hört man, dass sie aus Ostpreußen kommt“, sagt Rosemarie Biermann. Ansonsten aber ähnele die Frau, die sie Jahre nach der Adoption als ihre leibliche Mutter kennengelernt hat, heute kaum mehr der jungen, aufgeschlossenen Frau, als die sie beschrieben wird. Gemeinsamkeiten mit ihr hat Rosemarie Biermann nicht entdeckt.

„Ich will wissen, von wem ich meine Gene habe“, sagt Biermann, die als kleines Kind von Edda und Heinz Biermann adoptiert worden ist. „Ich hätte keine besseren Eltern bekommen können“, stellt sie klar. Eine Vaterfigur vermisst sie nicht. Sie sucht das fehlende Stück ihrer Identität. „Es geht mir nicht um ein mögliches Erbe. Mir fehlen dreieinviertel Jahre meines Lebens, von der Geburt bis zur Adoption. Mir fehlt das Wissen, ob und welche Wesenszüge ich von ihm geerbt habe“, sagt sie.

Sie hofft, dass sich in Stuttgart jemand erinnert

Zweimal im Lauf ihrer langjährigen Suche glaubte Rosemarie Biermann fündig geworden zu sein. 1995 lässt ihre leibliche Mutter per Anwalt mitteilen, dass der Vater ein Richard Growe aus Munster in der Lüneburger Heide sei. Ein Mann dieses Namens war dort jedoch nie gemeldet. Rosemarie Biermann hat alle Richard Growes in Deutschland, Großbritannien und den USA telefonisch kontaktiert, keiner hatte eine Verbindung zu ihrer leiblichen Mutter.

2001 erfuhr Rosemarie Biermann, dass ihre Mutter damals im Stuttgarter Süden eine Anstellung als Hausmädchen hatte. Sie nahm Kontakt zum früheren Arbeitgeber auf. Dieser konnte sich noch gut an die junge Ostpreußin erinnern. „Er hat mir 2003 von sich aus angeboten, einen DNA-Test zu machen, doch der war trotz diverser genetischer Übereinstimmungen negativ“, erzählt die 53-Jährige. Das Rätsel blieb folglich ungelöst.

Erst seit einem Jahr weiß Rosemarie, dass sie mütterlicherseits eine Halbschwester hat. Die beiden Frauen sprechen seither regelmäßig miteinander, doch auch die Halbschwester konnte die Mutter nicht dazu überreden, den Namen von Rosemaries Vater preiszugeben. Rosemaries Tochter Ramona versuchte ebenfalls, ihre Großmutter zu überzeugen, den Namen zu nennen – jedoch vergebens. Nun hofft Rosemarie Biermann, dass sich in Stuttgart jemand erinnert.

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