Petra Weber, Isabel Uhl, Sonja Mühl und Erna Kübler (von links) mit ihren Hunden, die sich auf dieser Wiese im Park der Villa Berg ohne Leine austoben würden. Foto: Sybille Neth

Vier Hunde und ihre Frauchen suchen im Stadtteil Berg einen Ort zum Austoben. Die Damen haben eine Wiese im Park der Villa Berg als ideal ausgemacht. Doch das zuständige Garten- und Friedhofsamt winkt ab.

S-Ost - Immer morgens treffen sie sich: Joeie, Lilly, Cäsar und Leila. Allesamt junge Hunde mit etwa zwei Jahren und alle vier sind sie quirlig und wollen spielen. Genau das ist das Problem ihrer Besitzerinnen. Die Damen wohnen rund um den Park der Villa Berg und für den schnellen Spaziergang am Vormittag reicht die Zeit nicht, um an den Stadtrand zu fahren. Also gehen Sonja Mühl, Petra Weber, Erna Kübler und Isabel Uhl im Park der Villa Berg spazieren. Bei jedem Wetter und oft sind sie alleine dort, weil bei Dauerregen außer Hundebesitzern niemand einen Fuß vor die Tür stellt.

Doch auch dann muss die Viererbande an der Leine bleiben. So lautet die Bestimmung. Wer sich nicht daran hält, muss 75 Euro Bußgeld bezahlen, wenn er erwischt wird. Sogar die Länge der Leine ist festgelegt: 1, 50 Meter darf sie höchstens haben. Somit ist streng genommen nicht einmal eine so genannte Rollleine erlaubt, die dem Hund wenigstens das Schnüffeln abseits der geteerten Wege erlaubt. Sonja Mühl und Petra Weber geht das alles zu weit: „Unsere kleinen Hunde sind keine Kampfmaschinen“, sagt Sonja Mühl. Deshalb fordern sie und ihre Mitstreiterinnen eine Hundespielwiese im Park der baufälligen Villa. Gedacht haben sie an einen Zwickel zwischen dem städtischen Bauhof und dem Sportplatz der Cottaschule. Das Gelände ist auf diesen beiden Seiten eingezäunt. Dort sollen Joeie, Lilly, Leila und der Mops Cäsar ohne Leine rennen dürfen, miteinander toben und ihre Bällchen apportieren. Natürlich wäre diese Wiese für alle Vierbeiner, die im Viertel lebten, eine richtige Wohltat, betont Sonja Mühl.

Einen Antrag im Bürgerhaushalt gestellt

„Ein genereller Leinenzwang widerspricht der artgerechten Tierhaltung“, sagt sie und verweist auf ein Gerichtsurteil aus Mönchengladbach aus 2010. Dort hatte ein Hundehalter gegen einen Bußgeldbescheid geklagt und Recht bekommen. Zur artgerechten Hundehaltung gehöre es, das Tier frei laufen zu lassen und der Hundehalter sei weit genug von der Wohnbebauung entfernt gewesen, lautete die Urteilsbegründung. Tatsächlich entwickeln Hunde, die dauernd an der Leine gehen müssen, Verhaltensstörungen und können ängstlich und aggressiv werden.

Petra Weber hat den Antrag für die Hundespielwiese in den Bürgerhaushalt eingestellt und zwar unter dem Namen ihrer Hündin: Lilly 01. Zusammen mit Sonja Mühl hat sie bei Spaziergängern – mit und ohne Hund – bisher 120 Unterschriften für die Spielwiese gesammelt. „Auch Eltern mit kleinen Kindern haben unterschrieben“, berichtet Sonja Mühl. „Angesichts von zwei Millionen Euro Einnahmen aus der Hundesteuer denken wir, dass wir dafür auch etwas einfordern können“, findet sie und verweist darauf, dass die herumliegenden Glasscherben und die Radfahrer, die durch den Park rasen, gefährlicher seien als die Hunde.

Der Leiter des Garten-und Friedhofsamtes Volker Schirner jedoch winkt kategorisch ab, denn der Park soll gerade jetzt gestalterisch wieder aufgewertet werden und sei deshalb ungeeignet für einem Hundeauslauf. Er rät den Frauen, nach einen alternativen Ort für die gewünschte Spielwiese außerhalb des Parks zu suchen. In Wangen beispielsweise sei in Zusammenarbeit mit dem Bezirksbeirat eine Fläche für die Vierbeiner geschaffen worden.

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