Philipp Heinritz und Christine Göttler-Kienzle stellen die Arbeitsgruppen vor. Foto: Eva Funke

Für die 1400 Flüchtlinge im Bürgerhospital schließt sich ein Freundeskreis zusammen.

Stuttgart - Seit über drei Jahren leben im Bürgerhospital Flüchtlinge. „Start war am 18. Juli 2013. Zehn Tage vor dem Einzug der ersten Bewohner haben wir davon erfahren“, erinnert sich Regine Knapp, Leiterin der Einrichtung in der Tunzhofer Straße. Sie und ihre Mitarbeiter haben lediglich mit Stift und Papier ausgestattet ihre Büros bezogen und am Tag eins auf die ersten 90 Ankömmlinge gewartet. Doch die kamen nicht. „Eine Frau im Bus hatte Wehen bekommen, der Bus hat seine Fahrt unterbrochen und die Frau in eine Klinik gebracht“, so Knapp.

Mit 90 Bewohnern ging es los. Mittlerweile ist das Bürgerhospital mit rund 1400 Bewohnern Stuttgarts größte Flüchtlingsunterkunf. Unterstützt werden die hauptamtlichen von rund 70 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Damit die sich besser kennen lernen und schneller informieren können, in welchem Bereich Hilfe nötig ist, wird jetzt – wie zum Beispiel bereits für die Flüchtlinge an der Roten Wand am Killesberg – ein Freundeskreis gegründet. Die Auftaktveranstaltung war am Mittwoch im Gemeindehaus St. Georg. Gut 50 ehrenamtliche, aber auch hauptamtliche Mitarbeiter waren dabei.

Die Flüchtlingsunterkunft soll eine Cafeteria bekommen

Margot Metter ist gekommen, weil sie sich dafür interessier, was an diesem Abend beschlossen wird. Die 69-Jährige engagiert sich seit eineinhalb Jahren für die Flüchtlinge, kümmert sich zwei Mal pro Woche um die Kleiderkammer: Kleidung von Spendern annehmen, gucken, ob die Sachen in Ordnung sind und die Bekleidung wieder an die Flüchtlinge abgeben.

Lisa Schirrschmidt ist Sozialarbeiterin und hauptberuflich in der Flüchtlingsunterkunft tätig. sie hält die Gründung eines Freundeskreises für wichtig, weil sich dadurch die ehrenamtliche Tätigkeit besser strukturieren lässt. „Das entlastet uns Hauptamtliche“, sagt die 27-Jährige und freut sich, dass die erste Hürde zum Aufbau des Freundeskreises genommen ist.

Diakon Martin Pomplun ist erst seit kurzem in der Nord-Gemeinde. „Das Bürgerhospital ist in nächster Nachbarschaft. Ich möchte erfahren, wo ich mich mit meinem Amt und als Person am besten einbringen kann“, stellt er fest und hält einen Freundeskreis für für eine gute Plattform, „auf der sich viele unterschiedliche Menschen austauschen“ können.

Noch nicht hundertprozentig überzeugt, dass es einen Freundeskreis braucht, ist Gabriele Weidle, von Anfang an ehrenamtlich in der Flüchtlingsunterkunft dabei. Zunächst hat sie die Bewohner bei Arzt- und Behördenbesuchen begleitet. Mittlerweile arbeitet sie auch in der Kleiderkammer. „Das macht mir Spaß“, sagt die 68-Jährige und freut sich immer, wenn es beim einen oder anderen Flüchtling einen Rucker tut und sich die Deutschkenntnisse verbessern.

Deutschkurse, Müttertreff, Yoga, Musik, Schach, Handarbeit, Computerkurs: Dass es bereits ein vielseitiges Angebot für die Bewohner im Bürgerhospital gibt, demonstrieren Christine Göttler-Kienzle, Gemeindereferentin der katholischen St. Georg-Gemeinde, und der Sozialarbeiter Philipp Heinritz an ihrer Schautafel. Die ersten Ergebnisse des Auftaktabends: Viele Besucher haben sich zur Mitarbeit in einer der Gruppen bereit erklärt. Außerdem wird eine neue Gruppe gebildet, die die bislang nur geplante Cafeteria organisieren soll. Und ein Mailverteiler wird angelegt, um die Kommunikation zwischen den Ehrenamtlichen erleichtern soll.

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