Quartiermanager Hannes Wolf in seinem Revier Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seit zwei Jahren ist Hannes Wolf als Quartiermanager im Gerberviertel aktiv. Sein professionelles Stadtteilmarketing wirkt sich positiv auf das Quartier aus.

Stuttgart - Seit zwei Jahren ist Hannes Wolf im Gerberviertel als Quartiersmanager am Schaffen. Seitdem hat sich auf den ersten Blick wenig verändert. Das Gerberviertelfest (15. und 16. September) hat es schon vor seinem Antritt gegeben. Und auch die Mischverkehrsfläche in der Tübinger Straße hat schon vor seiner Zeit die Attraktivität der Einkaufsstraße erhöht. Doch beim genauen Hinsehen – etwa beim Gerberviertelfest – wird klar: die Dinge im Viertel haben eine neue Qualität bekommen. Auch dank des Netzwerkers Hannes Wolf.

„Wir dachten eigentlich schon vor zwei Jahren, dass wir gut aufgestellt sind“, sagt Kerstin Sänger vom gleichnamigen Fotohaus in der Tübinger Straße im Einklang mit vielen Händlern, „aber nun merken wir, dass es sich bezahlt macht, einen Profi in Sachen Stadtmarketing zu haben.“ Seit Wolf da ist, sei ein größerer Zusammenhalt im Viertel zu spüren. Zudem habe Wolf weitere Mitglieder im Gerberviertelverein hinzugewonnen. Sängers Fazit: Der Mann sei ein Gewinn – dank ihm habe das Viertel hinzugewonnen.

Zuwachs an Passantenfrequenz

Dies gilt auch für die Passantenfrequenz. Vor allem am Wochenende sei sie stark gestiegen – und wird laut Wolf weiter steigen, sobald die zweite Treppe an der Paulinenbrücke gebaut ist und die Marienkirche nach ihrem Ideenwettbewerb weitere Menschen anlockt. Sein Ziel sei es aber, auch die Verweildauer der Passanten im Viertel zu erhöhen. Noch von zu vielen werde beispielsweise die Tübinger Straße nur als Durchgangsweg zur Königstraße gesehen. Das will Wolf ändern – auch, indem er die Stärken des Viertels ins Schaufenster stellt. Dazu zählen auch Events und Formate wie die neuste Idee von Wolf: „Hier wird es im Oktober vier kleine Abendveranstaltungen in vier Geschäften geben. In einem Ambiente, in dem tagsüber geshoppt wird, wird dann gelesen und Wein getrunken. Wir konnten vier regionale Autoren und vier regionale Winzer gewinnen, mitzumachen.“

Mit dabei sind folgende Winzer: Fabian Rajtschan aus Feuerbach, das Weingut Klopfer aus Großheppach, das Weingut Gold aus Gundelsbach und das Collegium Wirttemberg. Ihre Weine werden durch Lesungen von der Autorinnen Monika Hirschle, Elisabeth Kabatek und dem Schriftsteller Gunter Haug flankiert. Susanne Heydenreich liest als vierte im Bunde aus einem Buch von Margaret Atwood. „Das Ganze steht unter dem Motto: Hier kann der stationäre Handel Möglichkeiten nutzen, wo das Onlinegeschäft plötzlich ganz alt aussieht“, sagt Wolf, „deswegen hat der stationäre Handel auch Zukunft.“

Wolf plädiert für autofreie Zonen

Zuletzt soll auch das Gesetz zur Stärkung der Quartiersentwicklung durch Privatinitiative (GQP) dabei helfen, das Gerberviertel weiterzuentwickeln. Die Quartiersgemeinschaft Tübinger Straße e.V. (QTS) ist damit der erste innerstädtische Zusammenschluss von Immobilieneigentümern zur Umsetzung eines BID (Business Improvement District) in Baden-Württemberg. „Noch gibt es keine konkreten Beschlüsse, aber wir arbeiten daran“, sagt Wolf, der sich auch zum Thema autofreie Innenstadt Gedanken gemacht hat: „Öffentlicher Raum ist eigentlich viel zu wertvoll, als ihn nur als Parkplatz für das Heilige Blechle zu verwenden.“ Zudem habe man im Gerberviertel, wo man die Falschparker als Plage empfindet, „genügend Tiefgaragenplätze“.

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