Die Nachwuchsspaßmacherinnen Nahil und Ronja haben drastisch demonstriert, wie Clowns sich gegenseitig wecken Foto: Sybille Neth

Beim Italien-Programm im Fitz haben die Kinder die Bühne erobert und bei einem Workshop Spaß gehabt.

S-Mitte - Kinder sind die geborenen Komiker und genau deshalb lieben sie jene Menschen, die professionell Spaß machen, ganz besonders. So jemand ist Sandra Cardamone. Dieser Name ist nicht etwa ihr Künstlername, sondern ihr italienischer Vater hat ihr dieses würzige Markenzeichen vererbt. Auf der Bühne nennt sie sich Clown Confetti. Mit ihrer Mitclownin Swantje Eggen, alias Tiffy Tüll, hat sie am Sonntag einen Clown-Workshop für Kinder im Zentrum für Figurentheater (Fitz) unter dem Dach des Jungen Ensembles Stuttgart (Jes) gegeben.

13 Mädchen und Jungen im Alter zwischen vier und zehn Jahren haben sich von den beiden bespaßen lassen und wurden von Confetti und Tiffy so lange mit spielerischen Lockerungsübungen aus der Reserve gelockt, bis die besonders Mutigen ohne zu zögern und in Zweiergrüppchen auf die Bühne traten und ein kleines Improvisationsstück hinlegten. Dies im wahrsten Wortsinne, denn Tiffy und Confetti hatten es vorgemacht, wie es aussehen kann, wenn ein Clown schlafen will und der andere will ihn aufwecken: kitzeln, Decke oder Kissen wegziehen, auf den Schlafenden draufsetzen, doch der lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Sandra Cardamone wurde erst mit 30 zur Spaßmacherin. Als Beamtin in der Verwaltung fühlte sie sich nicht ausgefüllt. „Kinder sind so unverstellt. Wenn es denen nicht gefällt, sagen die: Du bist ja gar kein Clown! Das liebe ich“, sagt die Frau mit der rot bepinselten Nase. Und eine solche zum Aufstecken für den Notfall bei ängstlichen Kindern hat zum Beispiel mancher Arzt oder manche Ärztin in der Tasche, wenn der Untersuchungstermin im Kindergarten ansteht. „Ich gebe auch Workshops für Ärzte und Tagesmütter“, berichtet Sandra Cardamone. Dafür wird sie zum Beispiel vom Gesundheitsamt engagiert und Tagesmütter lernen von ihr, wie sie mit einer clownesken Einlage eine Situation retten können. „Manchmal reicht es schon, wenn man einfach anders geht, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen“, erklärt die Profi-Clownin, die an der Kölner Clownschule ihren Beruf erlernt hat.

Keiner muss lachen, wenn ihm nicht danach zumute ist

Der führt sie auch in Krankenhäuser und Hospize. „Dort sind alle traurig. Als Clown spiele ich mit dem Augenblick. Aber ich will die Trauer nicht wegwischen. Dennoch bringt der Clown eine andere Energie mit“, überlegt sie. „Aber keiner muss lachen, wenn ihm nicht danach zumute ist.“

Sandra Cardamones Kinder-Workshop war einer der Programmpunkte im Rahmen von „Made in Stuttgart – Typisch italienisch“ am Samstag und am Sonntag im Fitz und im Jes. Die Zuschauer haben dabei sozusagen ihr eigenes Programm mit Theater, Konzerten, Lesungen, Filmen und einer Revue zusammen gestellt. Das Forum der Kulturen hatte in Zusammenarbeit mit mehreren Theatern Interessierte, Vereine und freie Gruppen dazu aufgerufen, ein Wochenende zu gestalten. Dies geschah im Vorfeld des großen multikulturellen Theaterfestivals Made in Germany, das erstmals 2011 vom Forum der Kulturen organisiert wurde und in diesem Jahr im November wieder das breite Spektrum der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Einwanderungsgesellschaft zeigen wird.

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