S-Bahnverkehr in der Region Stuttgart Bahn prüft neue Signaltechnik für Knoten Stuttgart

Von Thomas Durchdenwald 

In den unterirdischen Haltestellen der S-Bahnstammstrecke ist der Andrang der Fahrgäste groß. Das, aber auch technische Defekte führen immer wieder zu Verspätung, die mit ETCS leichter aufgeholt werden könnten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
In den unterirdischen Haltestellen der S-Bahnstammstrecke ist der Andrang der Fahrgäste groß. Das, aber auch technische Defekte führen immer wieder zu Verspätung, die mit ETCS leichter aufgeholt werden könnten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Wird die neue Zugsicherungstechnologie ETCS auch im Regionalzug- und S-Bahnverkehr eingesetzt – und damit S-Bahn pünktlicher? Zumindest die Weichen dafür sind gestellt. Doch noch sind viele Fragen offen.

Stuttgart - Bevor es in die Sommerpause geht, hat der Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) Vertreter regionaler Organisationen und Regionalräte auf die aus seiner Sicht wichtigste Aufgabe der kommenden Monate eingeschworen. „Wir brauchen ETCS bis zum Jahr 2025“, sagte er in seinem Grußwort auf dem Sommerempfang der Region am Mittwochabend im Café Nil. Jetzt müssten die Weichen für die neue Technik gestellt werden, so der Appell von Bopp, der hinter den Kulissen eifrig an dem Projekt werkelt.

Wie funktioniert ETCS?

ETCS – dahinter verbirgt sich das Zugsicherungssystem European Train Control System, das es erlaubt, mehr Züge im dichteren Abstand fahren zu lassen. Der Grund: Statt von Signal zu Signal wird der Zug auf der gesamten Strecke überwacht. Das schafft laut Experten bis zu 20 Prozent mehr Kapazität. Auch auf der unterirdischen S-Bahnstammstrecke in Stuttgart könnten mit ETCS Züge in dichterem Abstand fahren. Das, so das Ergebnis einer noch nicht veröffentlichten Studie, hätte zwei Vorteile: Verspätungen würden schneller abgebaut, und es könnten mehr Züge in den Tunnels verkehren. Doch ETCS ist bisher nur für den Fernverkehr zugelassen, aber nicht im Regionalzug- und S-Bahnverkehr erprobt.

Erste Pilotstrecke in Hamburg

Eine erste Pilotstrecke soll auf 23 Kilometern der S-Bahn Hamburg bis zum Oktober 2021 fertig sein. Die Kosten für die Strecke und vier Fahrzeuge werden auf 60 Millionen Euro geschätzt, die sich die Hansestadt, der Anbieter Siemens und die Bahn teilen. Allerdings handelt es sich um eine hochautomatisierte S-Bahn: der Triebfahrzeugführer greift nur bei Störungen ein. Auch der gesamte Eisenbahnknoten Stuttgart, so ein Plan der Bahn, könne als „Demonstrationsknotenpunkt“ mit ETCS ausgerüstet werden. Soll heißen: nicht nur der Fernverkehr nach dem Start von S 21 in 2025, sondern auch Regionalverkehr und S-Bahn würden mit ETCS abgewickelt.

Bund hält sich noch bedeckt

Ein Sprecher der Bahn bestätigte, dass im Rahmen des Projekts Digitale Schiene Pilotprojekte durchgeführt werden sollen. „Dazu soll auch Stuttgart zählen“, sagte er. Aktuell würden Details mit allen Beteiligten intensiv diskutiert. Deutlicher wird das Landesverkehrsministerium. „In hochrangigen Gesprächen haben wir uns mit dem Bundesverkehrsministerium darauf verständigt, im Schienenknoten Stuttgart als bundesweites Pilotprojekt ETCS für die S-Bahn und für den regionalen Schienenverkehr einzuführen“, erklärte ein Sprecher am Mittwoch. Das Land werde sich auch finanziell beteiligen. Die Kosten werden auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Zurückhaltender äußerte sich auf Anfrage das Bundesverkehrsministerium. „Der Koalitionsvertrag enthält ein klares Bekenntnis zu ETCS. Wir sehen dadurch große Chancen auch für Stuttgart“, sagte Steffen Bilger (CDU), parlamentarischer Staatssekretär und Bundestagsausgeordneter aus Ludwigsburg.

Auch neue Fahrzeuge nötig

Allerdings ist die Finanzierung nicht die einzige offene Frage. Zumal die Regionalversammlung bisher jede Beteiligung der Region an den Kosten strikt ablehnte. Auch der Wagenpark der S-Bahnflotte müsste wohl deutlich aufgestockt werden, damit Fahrzeuge für die Umrüstung vorübergehend aus dem Verkehr gezogen werden könnten. Manch einem Regionalrat schwante deshalb am Mittwochabend: „Das wird eine Herkulesaufgabe“.

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