Symbolbild Foto: dpa

Ein 18-Jähriger aus Weil im Schönbuch ist beim S-Bahnsurfen lebensgefährlich verletzt worden.

Böblingen - Noch immer ist unklar, wie und wo ein 18-Jähriger auf das Dach einer S-Bahn von Stuttgart nach Böblingen kam. "Wir suchen dringend Zeugen", sagte der Sprecher der Bundespolizei, Steffen Zaiser, am Montag. Fest steht nur so viel: Der S-Bahn-Surfer kam in akuter Lebensgefahr ins Krankenhaus, nachdem er auf der Fahrt von einem Stromschlag getroffen worden war. Sein Zustand ließ das Schlimmste befürchten.

Es passierte in der Nacht zum Sonntag, kurz nach Mitternacht. Eine S-Bahn der Linie S1 war mit etwa 100 Fahrgästen zwischen den Haltestellen Rohr und Goldberg unterwegs, als eine Frau plötzlich eine Hand am Fenster sah - an der Außenseite. Die Hand eines jungen Mannes, der offenbar auf dem Dach mitfuhr und sich festklammerte. Außerdem gab es einen Lichtblitz, der sich mit einem lauten Knall entlud. Wie sich später herausstellen sollte, war der S-Bahn-Surfer von einem Stromstoß aus der 15000-Volt-Leitung getroffen worden.

Großalarm für die Feuerwehr: Die S-Bahn wurde an der Haltestelle Goldberg gestoppt, der lebensgefährlich Verletzte vom Dach geholt. Dabei handelte es sich um einen 18-Jährigen aus Weil im Schönbuch. Ehe er geborgen werden konnte, vergingen noch einige Minuten, bis die Oberleitung abgeschaltet und geerdet war. Ein Polizeihubschrauber suchte derweil die Umgebung ab, nachdem von einem weiteren S-Bahn-Surfer die Rede gewesen war. Diese Suche blieb indes ergebnislos.

Wie der 18-Jährige auf das Zugdach gekommen war, "ist noch völlig unklar", so Bundespolizei-Sprecher Zaiser. Nach den bisherigen Zeugenbefragungen dürfte er sich aber schon in Stuttgart-Vaihingen auf der S-Bahn aufgehalten haben. Dass er versehentlich von einer Brücke aufs Dach gefallen sein könnte, hält Zaiser für unwahrscheinlich: "Dann hätte er beim Halt in Rohr runterklettern können", sagt er, "zu diesem Zeitpunkt war er offenbar noch unverletzt." Der 18-Jährige wollte wohl aber weiter. Die Art der Verletzungen durch den Stromschlag lässt darauf schließen, dass er auf allen Vieren auf dem Dach kroch.

40 Jugendliche starben 2008 beim S-Bahn-Surfen

S-Bahn-Surfer oder Trainrider pflegen sich eher auf dem Trittbrett am Waggonende oder am Rückfenster festzuklammern. "Auf dem Dach ist sehr ungewöhnlich", sagt Zaiser. Freilich gibt es Filme von Trainridern, die in Berlin bei voller Fahrt auf dem Zugdach flanieren.

Das ist freilich auch aus anderen Gründen lebensgefährlich - wegen der Starkstromleitung. 2004 starb zuletzt am Bahnhof in Vaihingen ein 29-jähriger Arbeiter, als er bei einer Inspektion verbotswidrig auf einen Kesselwagen kletterte - und in einem Lichtbogen tödliche Verletzungen erlitt.

"Wir müssen immer wieder vor diesen lebensgefährlichen Handlungen warnen", sagt Zaiser, "40 Kinder und Jugendliche haben allein 2008 ihr Leben dabei verloren." In der Region gab es zuletzt im Januar dieses Jahres Alarm, als sich ein alkoholisierter 16-Jähriger an der Haltestelle Ötlingen in Kirchheim/Teck an eine S-Bahn der Linie S1 hängte und 50 Meter mitgeschleift wurde. Er erlitt schwere Kopfverletzungen. Mehr Glück hatten zwei unbekannte Jugendliche, die sich im Oktober 2009 in Ebersbach, Kreis Göppingen, auf einen Regionalzug aufsprangen. Der Lokführer stoppte per Nothalt, das Duo flüchtete unerkannt.

Hinweise zum jüngsten Fall erbittet die Bundespolizei über 0711/22550200 oder kostenfrei über 0800 / 6 888 000.

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