S-Bahnen in der Region Stuttgart Im Berufsverkehr hat jede fünfte Bahn Verspätung

Von Thomas Durchdenwald 

Volle S-Bahnen sorgen beim Ein- und Aussteigen für längere Haltezeiten – und auch das macht sich als Verspätungen bemerkbar. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Volle S-Bahnen sorgen beim Ein- und Aussteigen für längere Haltezeiten – und auch das macht sich als Verspätungen bemerkbar. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Ärger über die Unpünktlichkeit der S-Bahnen ist bei den Fahrgästen ungebrochen. Wenn man die Werte betrachtet, die die S-Bahn und das kritische Portal S-Bahnchaos veröffentlicht haben, gab es eine Stagnation oder sogar leichte Verbesserungen. Wir erklären die Details.

Stuttgart - Die Pünktlichkeit der S-Bahn hat sich im vergangenen Jahr nicht verbessert – aber auch nicht verschlechtert. Das geht aus den Werten hervor, die die Bahn auf der Internetseite der S-Bahn Stuttgart selbst veröffentlicht. 2017 waren danach 88,2 Prozent der Bahnen pünktlich oder maximal drei Minuten verspätet. Im Vorjahr waren es 88,3 Prozent. 96,7 Prozent der Bahnen blieben 2017 innerhalb der Sechs-Minuten-Pünktlichkeit, 2016 waren es 96,6 Prozent. Laut dem Vertrag mit dem Verband Region Stuttgart müsste die S-Bahn eine Drei-Minuten-Pünktlichkeit von 94,5 Prozent und eine Sechs-Minuten-Pünktlichkeit von 98 Prozent erreichen. Diese Zielwerte wurden nur im August eingehalten, in allen anderen elf Monaten des vergangenen Jahres wurden sie deutlich verfehlt. Das kritische Internetportal S-Bahn-Chaos sieht bei ­seinen Pünktlichkeitswerten sogar eine ­Verbesserung gegenüber 2016.

Bahn-Sprecher: Zusagen eingehalten

Ein Sprecher der S-Bahn Stuttgart betonte, man habe die Zusage auf dem S-Bahn-Gipfel im Juli 2017 eingehalten. Damals hatte S-Bahn-Chef Dirk Rothenstein erklärt, man werde die Sechs-Minuten-Pünktlichkeit im Bereich zwischen 95 und 97 Prozent stabilisieren. Dies ist in allen Monaten außer im November gelungen. In der Hauptverkehrszeit lagen die Werte jedoch schlechter: Die Drei-Minuten-Pünktlichkeit sank von 79,6 auf 79,3 Prozent (das heißt, jede fünfte S-Bahn war mehr als drei Minuten verspätet), die Sechs-Minuten-Pünktlichkeit stieg von 94,2 auf 94,5 Prozent.

„Wenn man das gesamte Jahr sieht, ist ­vieles so eingetroffen, wie wir es erwartet ­haben“, sagte der Sprecher. Berücksichtigt werden müsse, dass es 120 Baustellen gegeben habe und die Zahl der Fahrgäste erneut um mehr als drei Prozent gestiegen sei. Zudem sei die S-Bahn auf vielen Abschnitten im Mischverkehr mit anderen Zügen oder auf eingleisigen Strecken unterwegs. Und nach wie vor wirkten sich Störungen auf der Stammstrecke auf alle sechs Linien aus. „Wir müssen dann oft vom 15- auf den 30-Minuten-Takt wechseln, woraus resultiert, dass die Haltezeiten überschritten werden, weil dann mehr Fahrgäste in den einzelnen Zügen sind“, sagte der Sprecher.

Trotz einer ganzen Serie von Weichen- und Oberleitungs­störungen im November sei es insgesamt gelungen, die Zahl der In­frastrukturstörungen von 558 (2016) auf 486 zu senken. Zudem gebe es kaum noch Störungen auf der Stammstrecke. Hier hätten sich die Instandhaltungsarbeiten, die seit einem Jahr und auch 2018 in den Nächten von Montag auf Dienstag stattfinden, positiv ausgewirkt.

Im letzten Quartal gehen die Werte in den Keller

Die Werte der Bahn zeigen, dass die Pünktlichkeit im ersten Halbjahr 2017 stark verbessert war – beispielsweise im März mit 90,5 Prozent bei der Drei-Minuten- und mit 97,7 Prozent bei der Sechs-Minuten-Pünktlichkeit. Die Höchstwerte gab es im Ferienmonat August bei einer Drei-Minuten-Pünktlichkeit von 95,8 Prozent und einer Sechs-Minuten-Pünktlichkeit von 99,1 Prozent. Danach ging es bergab. Von Oktober bis Dezember gab es deutlich schlechtere Werte – beispielsweise im November mit 81,9 Prozent bei der Drei-Minuten- und 94,3 Prozent bei der Sechs-Minuten-Pünktlichkeit. Grund dafür waren zahlreiche technische Störungen an Weichen und Oberleitungen, aber auch eine S-21-Baustelle an der Rampe zur Station Hauptbahnhof.

Auch das Internetportal S-Bahn-Chaos wertet die Daten des Echtzeitfahrplans der S-Bahn aus und ermittelt daraus die Pünktlichkeitswerte. Sie liegen meist unter den ­offiziellen der Bahn. Das gilt auch im Jahr 2017. S-Bahn-Chaos ermittelte 86,7 Prozent bei der Drei-Minuten- und 96,2 Prozent bei der Sechs-Minuten-Pünktlichkeit. Im Gegensatz zur Bahn bedeutet dies bei S-Bahn-Chaos eine deutliche Verbesserung gegenüber den 2016er-Werten von 85,4 und 95,7 Prozent. „Für diese Diskrepanz haben wir keine Erklärung“, sagt Ulli Fetzer von S-Bahn-Chaos. Nach seinen Erhebungen sind alle Linien außer der S 60 pünktlicher – am deutlichsten die Linien S 2 und S 3. Grund dafür könnte die Regelung sein, dass der an den Endhaltestellen abfahrende Zug nicht der zuvor angekommene ist, sondern schon ein anderer bereitsteht.

S 1, S 2 und S 3 sind unpünktlicher als andere Linien

Dennoch sind nach den Daten von S-Bahn-Chaos die Linien S 1, S 2 und S 3 öfter unpünktlich als die Linien S 4, S 5, S 6 und S 60. Vor allem in der Hauptverkehrszeit erreichten S 1, S 2 und S 3 im ersten Halbjahr Drei-Minuten-Pünktlichkeitswerte, die zwischen 75 und 80 Prozent lagen. Zum Ende des Jahres rutschten sie teilweise unter 65 Prozent ab. Sowohl die Bahn als auch S-Bahn-Chaos bewerten den Dezember 2017 schlechter als den Vergleichsmonat 2016, aber besser als den November. Allerdings ist seit dem Fahrplanwechsel auch die abendliche Hauptverkehrszeit mit dem 15-Minuten-Takt von 15.30 bis 19.30 Uhr um 1,5 Stunden auf 15 bis 20.30 Uhr ausgeweitet.

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