S-Bahn VVS startet mit Online-Ticket

Von Konstantin Schwarz 

  Foto: Kern
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Tagesfahrkarte am PC gelöst werden - Ende der Einschränkungen für die S-Bahn unklar.

Stuttgart - Der Verkehrsverbund Stuttgart will Ende Dezember ein neues Zeitalter beim Fahrkartenkauf einläuten. Tagestickets können dann am heimischen Computer gelöst werden. Unklar ist für den Verbund, wann die von der Bahn AG verursachten Probleme im S-Bahn-Verkehr behoben werden können.

Die durchschnittliche Preiserhöhung von 2,5 Prozent zum 1. Januar 2011 will der Verkehrsverbund (VVS) seinen jährlich rund 326 Millionen Fahrgästen mit diversen Verbesserungen schmackhaft machen. Gut 1,5 Millionen Tagestickets verkaufte der VVS bisher jährlich. Sie werden häufig auch für Ausflugsfahrten am Wochenende genutzt. Durch eine neue Preisstufe, die drei bis vier Zonen abdeckt, soll die Nachfrage angekurbelt werden. Bisher gab es nur Tages-Netzkarten oder solche für ein bis zwei Zonen. Wer Entfernungen dazwischen bewältigen will, kann von Januar an bis zu 24 Prozent des bisherigen Netz-Fahrpreises sparen.

Von Ende Dezember an gibt's das Ticket am PC

Die neuen personalisierten Tagestickets sollen von Ende Dezember an auf der VVS-Internetseite gekauft werden können. Der heimische Computer wird so zum Fahrkartenautomaten. Kombitickets für Messen und Konzerte sind teilweise schon online erhältlich. Bewährt sich das neue System, könnte es auf andere Fahrkartenarten ausgeweitet werden.

Verbesserungen verspricht der VVS auch den Senioren. Im Verbund ging diese Fahrgastgruppe von Januar bis August um 2,7 Prozent zurück. Ein neues Seniorenticket ohne die morgendliche Sperrzeit soll Busse und Bahnen für die einzig wachsende Bevölkerungsgruppe attraktiver machen, eine neue Marktforschung ergründen, mit welchen Angeboten ihr Anteil von bisher nur 3,7 Prozent an den Gesamteinnahmen gesteigert werden könnte. Die letzte Marktuntersuchung aus dem Jahr 2004 könne dafür nicht mehr herangezogen werden, sagt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler.

Nicht nur die Senioren, auch der Berufsverkehr, der nach dem Gelegenheitsverkehr mit rund 32 Prozent den größten Einnahmeanteil beisteuert, bereitet dem Verbund 2010 Probleme. Auf die Wirtschaftskrise haben viele Firmen in der Region mit Kurzarbeit reagiert. Das sorgt für Stagnation bei den VVS-Zeittickets. "Beim Berufsverkehr sind wir noch nicht über den Berg", sagt Co-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Bis August konnten nur 0,04 Prozent mehr Fahrkarten als 2009 verkauft werden.

Jahresticket kann in Monatsraten bezahlt werden

Stammler und Hachenberger setzten darauf, dass das auch bei den Senioren angewandte neue Abbuchungsverfahren mehr Pendler zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn verführt. Von 2011 an können die Jahrestickets wahlweise in Monatsraten bezahlt werden. Vierstellige Beträge werden so nicht mehr auf einen Schlag fällig, außerdem sparen Pendler, die bisher ein Monatsticket wählten und zur Jahreskarte wechseln, bei drei Zonen zum Beispiel 13,20 Euro im Monat.

Die beiden Geschäftsführer blicken trotz des neuen Angebots mit Sorge auf die Monate November und Dezember, in denen ein hoher Anteil Jahreskarten gekauft wird. Ende Juni hat die Deutsche Bahn AG bei einem Signalumbau für Stuttgart 21 einen Engpass für die S-Bahn produziert. Statt 24 können nur noch 20 Bahnen in die Röhre unter den Hauptbahnhof einfahren. Neben der geringeren Kapazität gibt es immer wieder Verspätungen, auch im Regionalverkehr. "Die Anschlüsse sind nicht mehr gewährleistet, die Leute verpassen ihre Züge", sagt Hachenberger. Der VVS habe seit der Umbau-Panne "so viele Anfragen und Beschwerden erhalten wie noch nie".

Bahn-Manager Christian Becker, Vertriebsleiter Südwest bei der DB Netz AG, hatte Mitte September angekündigt, dass der frühere S-Bahn-Takt durch einen erneuten Umbau und eine automatische Tempo-Prüfanlage bis Jahresanfang 2011 wiederhergestellt werden solle. "Im Januar sollen die Dinge wieder laufen", bekräftigt ein Sprecher der Bahn den Termin gegenüber unserer Zeitung.

Verbindlicher Termin für S-Bahn-Misere wünschenswert

Doch der angekündigte Umbau ist bisher vom Eisenbahn-Bundesamt (Eba) noch nicht genehmigt. "Es handelt sich hier um keinen Standardfall. Die Bahn weicht von anerkannten Regeln der Technik ab. Wir sind bei der inhaltlichen Prüfung", so eine Sprecherin des Eba. Damit der Umbau nach der Genehmigung sofort vollzogen werden kann, verzichtet die Bahn AG auf eine Ausschreibung. Der Auftrag für die Firmen, die aktuell mit dem Umbau von Gleisfeld und Signalen beschäftigt sind, wird einfach erweitert. "Das wird in die laufenden Bauarbeiten integriert", sagt der Bahn-Sprecher.

Die Verspätungen auf mehreren S-Bahn-Linien könnten auf die Bestellung der Jahreskarten durchschlagen, befürchten die VVS-Chefs. Wer einen bis zu vierstelligen Betrag für die Jahreskarte investiere, werde spätestens 2011 auch die Frage nach einer Entschädigung für die diversen Verspätungen wieder stellen, sind sich Hachenberger und Stammler sicher. Sie erwarten von der DB ein Signal, wie diese das Thema Entschädigung handhaben wolle. Dringender noch als dieses Signal sei allerdings ein verbindlicher Termin für das Ende der Misere im S-Bahn-Verkehr.

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