Kevin Lütticke hat beim Anfahren der Bahn einen eingeklemmten Mann gerettet. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Kevin Lütticke aus Waiblingen hat einen Mann aus dem Gleis gezogen. Die Bundespolizei war bei dem Unfall nicht eingeschaltet. Sie hat nun aber reagiert.

Kevin Lütticke hat einen Mann gerettet, der auf dem Heimweg vom Frühlingsfest am S-Bahn-Steig gestürzt war. Dafür wurde er im Netz und im echten Leben von Freunden, Bekannten und Fremden gefeiert. Doch nun ist ihm noch ein Lob zugekommen, auf das er besonders stolz ist: „Die Inspektionsleiterin der Bundespolizei hat mir geschrieben!“ meldete er unserer Redaktion über eine Instagramnachricht.

 

Das mache die Bundespolizei auch dann, wenn sie selbst nicht im Einsatz war, wenn Reisende beispielhaft gehandelt hätten – so wie Kevin Lütticke aus Waiblingen. „Es gibt keinen festen Katalog, bei welchen Taten wir das machen“, sagt der Pressesprecher Denis Sobek. Aber wenn die Polizei Hinweise erhalte „auf Zivilcourage, die über die normale Hilfsbereitschaft hinausgehe“, dann sei so ein Schreiben angebracht. „Das wollen wir honorieren, die Helfer sollen merken, dass es auffällt“, so Sobek weiter. Die Personen, denen der Dank der Bundespolizei zuteil wird, sind nicht nur Lebensretter wie der 24-Jährige Waiblinger. „Auch wer uns hilft, und wir dadurch eine Lage in den Griff bekommen oder Ermittlungen zum Erfolg führen, hat Dank verdient“, ergänzt der Sprecher der Bundespolizei.

Bei Rettungsaktionen solle man – so wichtig Zivilcourage auch sei – immer darauf achten, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Das gelte zum Beispiel, wenn jemand ins Gleis gefallen sei. Dort einzugreifen sei extrem gefährlich. Dann solle man auf jeden Fall sofort die Bundespolizei informieren, die lasse die Strecke dann sperren.

Kevin Lütticke konnte eingreifen, als er am ersten Frühlingsfestsamstag im April in die Stadt fuhr, um sich mit Freunden in Klubs und Kneipen zu treffen. Er stieg gegen Mitternacht an der Haltestelle Stadtmitte aus. Vor ihm geriet der Frühlingsfestbesucher ins Straucheln und stürzte. Ein Arm und ein Bein steckten zwischen S-Bahn und Bahnsteigkante, beim Anfahren des Zuges hätte er dadurch schwere oder gar lebensgefährliche Verletzungen erleiden können. Lütticke warf sich auf den Mann und riss ihn gerade noch rechtzeitig vor der Abfahrt des Zuges dort weg.