S-Bahnen im Depot Foto: Kraufmann

Stuttgart 21: Bahn-Chef verliert sich in Leinfelden-Echterdingen in der großen Schienenwelt.

Leinfelden-Echterdingen - Noch hat die Bahn nicht für alle Teile ihres Projekts Stuttgart 21 die Baugenehmigung. Sie fehlt für den Abstellbahnhof in Untertürkheim und Streckenteile auf den Fildern, wo bestehende S-Bahn-Gleise vom ICE genutzt werden sollen. Die Anwohner sorgen sich um den Lärmschutz und den S-Bahn-Takt.

Wenn es noch keine Blaupause dafür geben sollte, wie man mit interessierten, einem Bauvorhaben aber teils kritisch bis ablehnend gegenüberstehenden Bürgern auf keinen Fall umgehen sollte, dann hat sie der Bahn-Chef Rüdiger Grube am Mittwochabend im Kulturforum Goldäcker in Echterdingen geliefert.

Wenig Konkretes zu Stuttgart 21

Wenig Konkretes zu Stuttgart 21, dafür viele allgemeine Versatzstücke über den Schienenverkehr in der Welt: Grube, der von Leinfelden-Echterdingens OB Roland Klenk und dem Nürtinger Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (beide CDU) eingeladen worden war, hatte 60 Minuten Zeit. Daraus wurden letztlich 75 Minuten, in denen er die 250 Bürger in der Halle hinhielt. Mehrere Zwischenrufe "Thema!" ignorierte der Bahn-Chef konsequent. Als Klenk nach 45 Minuten monierte, "darf ich Sie vielleicht noch mal bitten, die Themen Planfeststellung, Erschütterung, Lärmschutz und S-Bahn zu behandeln", ging Grube darüber großzügig hinweg. Sein "ich fokussiere mich jetzt mal auf die Neubaustrecke nach Ulm" löste ein harsches "Nein!" im Publikum aus.

Grube schwenkte daraufhin endlich um. "Okay, hier fehlt der Planfeststellungsabschnitt 1.3, da haben wir überhaupt keine Bedenken", sagt er. Über einen möglichen Schutz für den durch Fernzüge ausgelösten Zusatzlärm auf der S-Bahn-Strecke entscheide nicht die Bahn, sondern die Aufsichtsbehörde Eisenbahn-Bundesamt. Grube: "Da sind uns die Hände gebunden."

S-Bahn-Verkehr ist nicht Sache der Bahn

Der S-Bahn-Verkehr sei auch nicht Sache der Bahn. "Das sind rote Züge, alles was rot ist, wird bestellt. Das wird vom Verband Region Stuttgart beauftragt", so der Bahn-Chef. Der DB-Konzernbevollmächtigte Eckardt Fricke versuchte, die Situation zu entspannen: Zwar gebe es noch kein Betriebsprogramm, aber "der Regionalverband wird mindestens so viel bestellen wie in den letzen Jahren", versprach Fricke, "wir planen einen 15-Minuten-Takt für die S-Bahn".

Der Regionalverband (VRS) selbst legt sich aber nicht fest. Es könnten "keine Zusagen für den Angebotsumfang 2020 gemacht werden", schreibt VRS-Direktorin Jeannette Wopperer dem Waiblinger SPD-Landtagskandidaten Gernot Gruber. Der fürchtet, dass die S3 aus Backnang vom Flughafen abgehängt wird.

Konkreteres gab es am Abend nicht. Als ein Sprecher des Esslinger Kreistags Lärmschutz für die Bestandsstrecke wegen der Güterzüge forderte, referierte Grube über 400.000 Güterwaggons in Europa, die "Flüsterbremsen" bräuchten. Der Bahn-Chef hat sich für Leinfelden-Echterdingen eine neue Chance erbeten. Er will wiederkommen, am 27. Dezember, gleiche Zeit, gleiche Halle.

Die Befürworter von S 21 demonstrieren heute um 19.30 Uhr auf dem Marktplatz. Am Samstag ist um 11.55 Uhr eine Kundgebung auf dem Schlossplatz. Es sprechen die Bundestags-Fraktionschefs Volker Kauder (CDU), Brigitte Homburger (FDP) und - statt Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück - Rüdiger Grube.

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