Die Region fordert von der Deutschen Bahn Klarheit zu den S-Bahnsperrungen 2026 und 2027. Der Unmut über mangelhafte Kommunikation und geplante Einschränkungen wächst.
Das Verhältnis ist schon einmal entspannter gewesen: der Verband Region Stuttgart (VRS) erwartet von der Deutschen Bahn Antworten auf Fragen zu den Sperrungen der S-Bahnstammstrecke in den Jahren 2026 und 2027. Verantwortliche der DB werden deshalb in die nächste Sitzung des Verkehrsausschuss des VRS zitiert. Dass die Regionalräte gerade nicht besonders gut auf ihren Auftragnehmer S-Bahn zu sprechen sind, wurde bei der jüngsten Zusammenkunft des Gremiums am Mittwoch deutlich.
Fraktionen fordern Klarheit über Sperrungen
Die SPD-Fraktion sowie die Fraktionen CDU/ÖDP und Grüne hatten unterschiedliche Bedenken in Anträgen formuliert, die eines gemeinsam haben: der Umgang der Bahn mit den eigentlich auf drei Wiederholungen angesetzten sommerlichen Stammstreckensperrungen, von denen jedoch 2025 die mittlerweile fünfte Einschränkung dieser Art Fahrgäste in Ersatzbusse zwingen wird.
Die SPD zeigt sich vor allem darüber verstimmt – und weiß sich in dieser Empfindung in Einklang mit den restlichen Fraktionen – dass ein Bahnvertreter zwar im März vor dem Verkehrsausschuss über die kommenden, baustellenbedingten Einschränkungen referierte, aber nichts davon verlauten ließ, dass auch 2027 eine weitere Stammstreckensperrung anstehen könnte.
Das wurde 14 Tage später am Rande einer Sitzung des Aufsichtsrats des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) von der Bahn eingeräumt. „Hier werden Sperrpausen nach Gutsherrenart angekündigt“, monierte SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Leipnitz. Regionalpräsident Rainer Wieland bescheinigte der Bahn „ein Kommunikationsdesaster“ angerichtet zu haben „in dessen Wiederholung die Dramatik“ liege. Schon in der Vergangenheit war man in der Region über die Informationspolitik der Bahn, die im Auftrag des VRS die S-Bahn fährt, alles andere als glücklich.
Bahn muss sich im S-21-Lenkungskreis erklären
Diese neuerlichen Irritationen auszuräumen, ist Aufgabe jenes Bahnvertreters, der Anfang Juni in die nächste Sitzung des Verkehrsausschuss zitiert wird. Noch davor, am 19. Mai, tagt der Stuttgart-21-Lenkungskreis der Projektpartner Bahn, Stadt, Land und Region, bei der Regionalpräsident Wieland und Regionaldirektor Alexander Lahl die Bahn mit einer Forderung konfrontieren werden, die sich aus einem einstimmig am Mittwoch beschlossenen Antrag der Fraktionen CDU/ÖDP und Grüne ergibt. Darin geht es um die angekündigte Stammstreckensperrung im Sommer 2026, bei der nach aktuellen Planungen die Panoramabahn zwischen Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen nicht mehr als Ausweichstrecke wie in den zurückliegenden Jahren zur Verfügung steht.
Der Schienenstrang soll, wie mehrfach berichtet, im April 2026 im Zuge des Baufortschritts von Stuttgart 21 zwischen Haupt- und Nordbahnhof unterbrochen werden. Die Regionalräte wollen erreichen, dass diese Kappung bis zur Inbetriebnahme von S21 – nach derzeitigem Stand im Dezember 2026 – verschoben wird. Voraussetzung sei, so die Antragsteller, dass dadurch die Eröffnung des Durchgangsbahnhofs nicht verzögert wird.
Forderung: keine weiteren Debatten über Kombibahnhof
Auch in der Sache herrschte große Einigung, allerdings verbanden SPD und FDP ihre Zustimmung zu dem Vorstoß mit der Forderung, dies dürfe nicht der Einstieg in eine dauerhafte Diskussion über einen Kombibahnhof werden, also einen dauerhaften Betrieb von unterirdischen Durchgangs- und oberirdischen Kopfbahnhof. Elmar Steinbacher (CDU) versicherte, dass seine Fraktion den Antrag nicht mitgetragen hätte, wenn das das eigentliche Ziel sei. Es gehe um eine Verbesserung für die Fahrgäste im Sommer 2026.
Und auch André Reichel (Grüne) erklärte, seiner Fraktion sei klar, dass die Gäubahn- Unterbrechung kommen werde. „Es geht uns explizit darum, diese auf Dezember 2026, wenn S 21 in Betrieb geht, zu verschieben“.