Der S-Bahnbau – hier in Bernhausen – ist für die Anwohner eine Herausforderung. Regionalräte haben sich vor Ort ein Bild vom Baufortschritt gemacht. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

S-Bahn-Ausbau in Stuttgart: Verzögerungen und höhere Kosten für die Strecke nach Neuhausen. Inbetriebnahme frühestens 2028/2029. Was steckt hinter den Problemen?

Die Erweiterung des Stuttgarter S-Bahnnetzes kommt nur langsam voran. Nun ist klar: für die neue Strecke von Filderstadt-Bernhausen über Sielmingen nach Neuhausen auf den Fildern, an der die Stuttgarter Straßenbahnen seit Sommer 2023 bauen, ist der aktuelle Termin- und Kostenplan Makulatur.

 

Regionalräte informieren sich über S-Bahn-Baustellenfortschritt

Am Montag haben sich die Regionalräte, in deren Zuständigkeit die S-Bahn fällt, auf der langgezogenen Baustelle, die ihre Spuren in Bernhausen, Sielmingen und Neuhausen hinterlässt, bei einer Exkursion über den Stand der Arbeiten informiert. Die Regionalräte hatten die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) mit dem Projekt betraut, nachdem die Erfahrungen mit der Deutschen Bahn, insbesondere bei Ausbau der S60 zwischen Böblingen und Renningen, nicht besonders positiv ausgefallen waren.

Trotz eines neuen Auftragnehmers sieht sich die Region beim aktuellen Ausbauvorhaben auf den Fildern ähnlichen Problemen gegenüber. Die Arbeiten dauern länger als veranschlagt und kosten mehr als prognostiziert. Das erklärte der Projektleiter der SSB, Daniel Kohler, den Regionspolitikern vor Ort. Laut Prognose aus dem Jahr 2020 sollte das Vorhaben mit 210 Millionen Euro zu Buche schlagen. Nun gehen die SSB von Gesamtkosten in Höhe von 223 Millionen aus. Während die eigentlichen Baukosten stabil geblieben sind, sind es vor allem Planungs- und Verwaltungsleistungen, die sich als Kostentreiber erwiesen haben.


Bauzeitverlängerung: S-Bahn-Stuttgart erst 2028/2029

Auch dass sich die Bauzeit verlängert, trägt zum Anstieg der Kosten bei. Eine Inbetriebnahme könne „aus heutiger Sicht frühestmöglich zum Fahrplanwechsel 2028/2029 erfolgen“, heißt es bei der Region. Damit fahren die ersten Züge mit Passagieren ein Jahr später als bisher gedacht. Es entsteht eine 3,9 Kilometer lange neue Strecke, die auf mehr als der Hälfte ihrer Länge im Tunnel oder im Trog liegt. In Filderstadt-Sielmingen und Neuhausen auf den Fildern entstehen neue Bahnhöfe.

Frühestens Ende 2028 werden hier S-Bahnen rollen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Weitere Unwägbarkeiten ergeben sich, weil die neue Strecke Bestandteil des sogenannten Digitalen Knoten Stuttgart (DKS) sein soll. Unter diesem Schlagwort baut die Deutsche Bahn im Zuge von Stuttgart21 erstmals in einem großen Schienenknoten eine neue, digitale Leit- und Sicherungstechnik ein. Das ist in diesem Umfang Neuland. Für die Planung dieser komplexen Technologie stehen nur wenige Experten zur Verfügung. Die SSB sind dabei auf die Auftragnehmer der DB angewiesen. Diese haben derzeit jedoch alle Hände voll damit zu tun, Teile von Stuttgart 21 so weit fertigzustellen, dass eine erste Tranche des Projekts Ende 2026 tatsächlich in Betrieb gehen kann.

Regionalräte sollen Anpassung der S-Bahn-Verträge beschließen

Die Regionalräte nahmen die neuen Zahlen zunächst zur Kenntnis und ließen sich von den SSB-Experten über die Baustellen in Bernhausen, Sielmingen und Neuhausen führen. Bei der nächsten Sitzung des regionalen Verkehrsausschuss am 16. Juli soll das Gremium dem Regionaldirektor Alexander Lahl dann grünes Licht geben, um die Verträge mit der SSB an die neuen Gegebenheiten anzupassen.