Busse sollen während der S-Bahn-Sperrung Echterdingen, den Flughafen (im Bild) und Bernhausen miteinander verbinden. Foto: Malte Klein

Wegen der geplanten S-21-Arbeiten am Flughafen soll die S-Bahn nach Bernhausen für ein Jahr vom Gleis genommen werden. Stattdessen sollen Busse pendeln, was Bürger für hanebüchen halten. Wie kommt die Bahn eigentlich darauf, dass das klappen könnte?

Filder - Die Deutsche Bahn geht davon aus, dass vier Busse in der Stunde ausreichen, um die Sperrung der S-Bahn zwischen Echterdingen und Bernhausen auszugleichen. So hat es Matthias Breidenstein, der technische Leiter des Flughafenabschnitts von Stuttgart 21, in einem Interview erklärt. Heftige Kritik kam prompt, sowohl an der Sinnhaftigkeit der ab 2022 geplanten einjährigen Sperrung an sich wie auch an der Vorstellung, dass ein paar Busse, die voraussichtlich im Stau stehen werden, als Ersatz ausreichen.

Dabei beruht die Aussage der Bahn auf einem 138 Seiten dicken Gutachten des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart. In diesem gehen die Wissenschaftler rein rechnerisch an die Sache heran. Die Experten geben keine Auskunft darüber, ob eine einjährige Sperrung nötig ist oder nicht. Sie vertrauen auf die Aussage der Bahn, dass im Zuge der S-21-Arbeiten am Flughafen zwei 80 und 100 Meter lange Stücke der bestehenden Tunnel neu gebaut werden müssen und die S-Bahn komplett vom Terminal abgehängt werden muss.

Im Idealfall kann die Rechnung aufgehen

Ihr Modell, dem die derzeitigen Fahrgastzahlen bis auf einzelne Haltestellen heruntergebrochen zugrundeliegen, füttern sie mit verschiedenen Annahmen. So gehen sie davon aus, dass die Verlängerung der U6 vom Fasanenhof zum Flughafen rechtzeitig Ende 2021 fertig wird. Das ist plausibel. Zudem soll eine neue Linie U17 auf bestehenden Gleisen von Möhringen über Vaihingen nach Echterdingen rollen. Das, freilich, ist nur ein Wunsch, denn das kann nur die SSB entscheiden. Und die wollte die U17 eigentlich erst nach Fertigstellung von S21 in Betrieb nehmen, also nach 2025. Als drittes soll ein Interimshalt der S-Bahn kurz vor der Messe gebaut werden, damit Flughafengäste zumindest in die Nähe des Terminals gebracht werden können.

Im Idealfall würden rein rechnerisch tatsächlich vier große Gelenkbusse pro Stunde ausreichen, um sowohl Bernhausen als auch den Flughafen an Echterdingen anzubinden – von wo aus es wie gehabt mit Bus und Bahn für die Fahrgäste weitergehen würde. Und diese vier Busse würden auch dann ausreichen, wenn die Messe an einem Wochenende besonders viele Gäste anzieht. Außer in den Spitzenzeiten wären die 105-sitzigen Fahrzeuge übrigens nie ausgelastet.

Unklar ist, wie die Fahrgäste darauf reagieren

Sollte es weder eine neue Linie U17 noch einen Interimshalt vor der Messe geben, müssten übrigens bis zu 14 Busse in der Stunde zwischen Flughafen und Echterdingen pendeln – wo dann unter Umständen auch der Platz an der Haltestelle ausgehen würde. Für Bernhausen wären aber nach wie vor nur vier Busse notwendig.

Dass die Pendler in diesen Ersatzbussen mitunter auch im Stau stehen, spielt für die Experten übrigens keine Rolle. Das Fahrgastaufkommen an sich erhöht sich ja nicht deshalb, weil sich die Fahrzeit verlängert. Und ob verärgerte Kunden dann doch lieber auf das Auto umsteigen, ist auch nicht Teil des Modells.

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