Das Jahr 2017 ist für den Flughafen Stuttgart gut gelaufen. Foto: dpa

Die Bahn als Bauherrin will ihre Partner am 18. Dezember über Änderungswünsche in Sachen Flughafenbahnhof informieren. Die Airportgeschäftsführer wollen nicht mit einer Präsentation überrascht werden.

Stuttgart - Das Jahr 2017 ist für den Flughafen trotz der Pleite von Air Berlin, des vormals zweitwichtigsten Kunden, gut gelaufen. Ein neuer Passagierrekord ist zu erwarten. Man werde sogar „an der Elf-Millionen-Marge kratzen“, kündigten die Flughafenchefs am Mittwoch an. Mit der ungewissen Zukunft der Bahn-Pläne im Filderbereich liegt aber ein Schatten über dem Flughafen – und Walter Schoefer und Arina Freitag konnten ihren Unmut über das Kommunikationsgebaren der Deutschen Bahn AG (DB) bei einer Pressekonferenz zur Jahresbilanz nicht verbergen.

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Demnächst will die Bahn die Projektpartner und darunter auch die Flughafengesellschaft über drohende Kostensteigerungen von 1,1 Milliarden Euro, eine Verzögerung des Projekts Stuttgart 21 um insgesamt drei Jahre und über Einsparungswünsche informieren. Zuvor müsse man die betreffenden Unterlagen haben, „damit man nicht erst gemeinsam in einer Power-Point-Präsentation blättern muss“, forderte Freitag. Das Kommunikationsverhalten der Bahn sei einer Partnerschaft mit dieser Bedeutung „nicht würdig“.

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Flughafenchefs haben viele Fragen

Schoefer machte klar, dass man bei dem Treffen „nicht am Ende der Diskussion“ über die DB-Pläne am Flughafen angekommen sei, sondern sie erst prüfen und bewerten müsse. Noch wisse man nicht, weshalb die DB statt den geplanten unterirdischen Flughafenbahnhof im Bereich Messepiazza nun womöglich einen ebenerdigen Halt der ICE-Züge jenseits der Autobahn anstrebe: „Wir wollen wissen: Sieht die DB Baurisiken, die wir noch nicht kennen, oder will sie einfach sparen?“ Man wolle präzise wissen, woher die Probleme rührten und seit wann sie der DB bekannt seien, außerdem welche Auswirkungen sie auf die bisher angestrebte Verkehrsdrehscheibe am Flughafen mit kurzen Wegen und für den Komfort der Reisenden hätten. „Immerhin ist dieser Abschnitt von S 21 genehmigt und die Details der Planung für den Flughafenbahnhof sind seit 1998 bekannt“, sagte Schoefer, Sprecher der Flughafengeschäftsführung.

Der Gesprächswunsch der Projektträgerin, über das teurer werdende Gesamtvorhaben zu reden, sei in Ordnung, aber man kenne die vorgeschlagene Alternative nicht. „Eine Verminderung des Komforts für unsere Passagiere würden wir nicht akzeptieren“, kündigte Schoefer an. Weiteres Geld will man keinesfalls bereitstellen.

Letzte Beträge sollen bald überwiesen werden

Zur Frage, wie die Fluggäste den längeren Weg von einem Bahnhof jenseits der Autobahn zu den Flughafenterminals zurücklegen könnten, hielt sich Schoefer bedeckt. Rollbänder wie heute zwischen den Terminals und einigen Parkhäusern oder eine Pendelbahn wie zwischen den Terminals in Frankfurt finden bei den Flughafenchefs aber kein Gefallen. „Der Peoplemover in Frankfurt ist sehr, sehr kostspielig“, wandte Arina Freitag ein. Die Lebenserfahrung sage, dass man auf so einem Weg keine Kostenersparnis erwarten könne.

Unterdessen bereitet sich die Flughafengesellschaft darauf vor, die letzten Beträge aus ihrer Kostenbeteiligung an S 21 – insgesamt 339,4 Millionen Euro für die DB – zu überweisen. 2017 handle es sich um die Rekordrate von gut 71 Millionen Euro, die das Jahresergebnis noch tiefer ins Minus drücke als 2016. 2018 wolle man die Schlussrate von rund 42 Millionen überweisen. Diese Leistung korrespondiere mit einem vereinbarten Bauprogramm, sagte Schoefer. Und er pocht auf die Zusage von DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla: dass die geschlossenen Verträge nur im Einvernehmen geändert werden. Das Treffen in Sachen Alternativplan ist nach Informationen dieser Zeitung am 18. Dezember.

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