Die Bezirksbeiräte aus Plieningen und Birkach haben den Fildertunnel inspiziert. Mehr Fotos zu dem besonderen Rundgang in unserer Bildergalerie. Foto: Müller

Die Bezirksbeiräte aus Plieningen und Birkach haben den Fildertunnel inspiziert und dabei auch allerhand über die Tunnelbohrmaschine erfahren, die insgesamt 110 Meter lang ist und deren Kopf einer Cola-Dose gleicht.

Filder - Noch ist der Koloss nicht im Einsatz, doch zumindest die Bauteile der gigantischen Tunnelbohrmaschine konnten die Bezirksbeiräte aus Plieningen und Birkach am Mittwochabend bei ihrem Besuch der S-21-Baustelle am Rand des Fasanenhofs bestaunen. „Sie müssen sich das wie eine runde Cola-Dose mit Schneiderad vorstellen“, beschrieb der Projektingenieur Thomas Berner den Kopf der Maschine. Die Dose hat freilich einen Durchmesser von 10,80 Meter und ist 1000 Tonnen schwer. Doch das ist noch längst nicht alles: „Es folgen sechs Waggons, die zum Beispiel die Cola-Dose mit Wasser und Strom versorgen“, sagte Berner. Die komplette Maschine kommt auf eine Gesamtlänge von 110 Meter. Zehn bis 20 Meter schafft die Dose pro Tag.

Kritik am Standort der Besuchertribüne

Derzeit wird noch konventionell gearbeitet, das heißt mit Bagger und Meißel. „Wir schaffen einen Meter pro Tag“, sagte Berner. Insgesamt ist der Vortunnel schon 118 Meter lang. Die Gruppe aus Plieningen und Birkach hatte Glück und konnte mit Helmen und Gummistiefeln ausgestattet die Bauarbeiten aus der Nähe begutachten. Zuvor hatten die Bezirksbeiräte, Grünen-Stadträtin Gabriele Munk und die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel das Gelände erkundet. Auch Alice Kaiser, die S-21-Bürgerbeauftragte der Stadt, begleitete die Gruppe. Beim Rundgang erfuhren die Lokalpolitiker von Thomas Müller, der für die Bahn die Baustellenführungen organisiert, dass man dies bald auch für Besucher anbieten wolle. „Dafür müssen wir aber noch bessere Voraussetzungen schaffen“, sagte Müller. Er geht davon aus, dass dies vom zweiten Halbjahr an möglich ist. Einen ersten Vorgeschmack gibt es bereits, so hat die Bahn ein Besucherpodest aufgestellt, das von den öffentlichen Wegen aus zugänglich ist. Der Standort behagte dem früheren Obmann der Plieninger Bauern, Helmut Gehrung, nicht: „Warum stellt man das nicht auf den befestigten Weg, sondern zum Teil auf den Acker?“ Zumal der Abschnitt 1.3, der hinter dem Bauzaun beginne, noch nicht planfestgestellt sei. Thomas Müller verwies darauf, dass um jeden Quadratmeter der Fläche gefeilscht werde, die für die Baustelle gebraucht werde: „Auf Teilstücke zu verzichten, ist da nicht sehr ausgeprägt“, sagte Müller. Man strebe zudem eine Erweiterung der Fläche an: „Wenn es das Eisenbahnbundesamt erlaubt.“

Jede Menge technische Details

Die Stadträtin Munk wollte wissen, was mit dem Abwasser passiert. Berner verwies auf die Gewässerschutzanlage und regelmäßige Kontrollen, dass alles ordnungsgemäß funktioniert. Debatten über Sinn und Unsinn des Projekts gab es nicht. Vielmehr erfuhren die Bezirksbeiräte jede Menge technische Details. So gab es einen Schnellkurs in Sachen Vermessung mit erstaunlichen Zahlen. „Beim Tunnelbau an der Mosel hatten wir bei vier Kilometern Strecke eine Abweichung von sieben Millimetern“, sagte Berner. Er hatte zuvor auch erklärt, wie der 9,5 Kilometer lange Fildertunnel gebaut wird. Zuerst frisst sich die Tunnelbohrmaschine bis zur Hälfte der ersten Röhre durch, danach wird sie demontiert und zurückgesetzt, anschließend wird die zweite Röhre bis zum Hauptbahnhof gebohrt, bevor es dann zurück auf die Filder geht. Während der Bohrungen werden sofort sogenannte Tübbinge, also Innenschalen, eingesetzt. „Der Tunnel ist sofort wasserdicht“, sagte Berner.

Der Stopp in Richtung Stadt ist notwendig, weil auf einem circa ein Kilometer langen Teilstück konventionell mit Baggern gearbeitet werden muss. „In diesem Zwischenbereich haben wir einen Übergang zum Gipskeuper.“ Diese Gesteinsschicht darf bekanntlich nicht nass werden. „Abdichtungsbauwerke sorgen dafür, dass kein Wasser hineinkommt“, sagte der Projektingenieur.

Die Bezirksbeiräte hatten genau hingeschaut. „Was ist das für Wasser, das aus dem Gestein kommt?“, fragte einer. „Bergwasser“, antwortete Berner. „Wenn Öl kommt, rufen Sie an“, sagte der Ex-Ortsobmann Gehrung daraufhin trocken. Doch Berner grinste nur: „Das gehört doch dem Finder, oder?“

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