Diese etwa 70 bis 80 Jahre alte Trauerweide soll im Zuge der S 21-Arbeiten gefällt werden. Die Bahn möchte an anderer Stelle Ersatz schaffen. Foto: Archiv Georg Friedel

Nun herrscht Gewissheit: Die Trauerweide am Bahnhof Feuerbach wird gefällt. Die Bahn möchte an der Stelle einen von vier Kränen aufstellen, die für die Bauarbeiten für Stuttgart 21 benötigt werden.

Feuerbach - Nun herrscht Gewissheit: „Trotz aller Bemühungen wird die Trauerweide weichen müssen“, sagt der Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 Jörg Hamann. Sein Vorgänger Wolfgang Dietrich hatte vor zwei Jahren noch verkündet, dass im Zuge der S 21-Arbeiten am Feuerbacher Bahnhof zwar rund 150 Bäume gefällt werden müssen, die Weide entgegen der ursprünglichen Planung aber stehen bleiben könne. Doch die Bahn musste zurückrudern: Sebastian Glöckner, als Projektabschnittsleiter für die Baustelle am Feuerbacher Bahnhof verantwortlich, informierte in der Bezirksbeiratssitzung im Oktober dieses Jahres darüber, dass die Trauerweide doch gefällt werden soll. Der Platz werde als Baustelleneinrichtungsfläche benötigt: Dort soll einer von vier Hochbaukränen aufgestellt werden, mit denen Material auf dem rund 450 Meter langen Baufeld bewegt werden soll.

Kritik an diesen Plänen kam von verschiedenen Seiten: Neben Parkschützern zeigten sich auch Bezirksbeiräte und die Bezirksvorsteherin Andrea Klöber mit der Entscheidung nicht einverstanden. Von einem herben Verlust sprach auch Bernhard Kirchmaier vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Schließlich wandte sich die städtische Bürgerbeauftragte für S 21 Alice Kaiser mit der Bitte an die Bahn, nochmals Alternativen zu prüfen, die den Erhalt der Trauerweide ermöglichen würden.

Die Kräne ermöglichen paralleles Arbeiten

Darauf sei in den vergangenen Wochen viel Zeit und Energie verwendet worden, sagt Hamann. „Wir haben die Standorte der vier Kräne immer wieder hin- und hergerückt“, erklärt Glöckner. Das Problem sei, dass sich die Ausleger der Kräne überlappen müssten, um das ganze Baufeld abdecken zu können. Damit bleibe letztlich nur der angedachte Standort übrig. Ausschlaggebend dafür, dass die Trauerweide nun doch gefällt werden müsse, sei ein gegenüber Oktober 2013 geändertes Bauphasenkonzept, sagt der Ingenieur: „Die Kräne erlauben eine zügigere Bauabwicklung.“ So könne an mehreren Abschnitten parallel gearbeitet werden, zudem seien weniger Gleisübergänge für Baufahrzeuge nötig.

„Es ist das erheblich sinnvollere Verfahren“, betont Hamann. Damit seien deutlich weniger Sperrzeiten für den Schienenverkehr notwendig. Außerdem gebe es so auf dem engen Baufeld weniger Fahrbewegungen, was die Sicherheit der Arbeiter dort erhöhe. Die Anlieferung und Abfuhr des Baumaterials ist nach wie vor mit Lastwagen geplant. Diese sollen im Bereich der Bahnunterführung zwischen Borsig- und Steiermärker Straße per Kran entladen werden. Zudem wird die Rettungszufahrt zum neuen Tunnel, die nahe der südlichen Fußgängerunterführung gebaut wird, nach ihrer Fertigstellung als Zu- und Abfahrt des Baufelds genutzt. Die Kräne werden das Material nur innerhalb des Baufelds zwischen den Gleisen bewegen, sie dürfen keine Lasten über die Gleise schwenken. Die Kräne würden so programmiert, dass sich die sogenannte Laufkatze, an der die Lasten hängen, nicht über den Gleisen bewegen könne, sagt Glöckner.

Die Kräne, deren Ausleger 75 Meter und in einem Fall 60 Meter lang sind, werden mit 90 Zentimeter dicken Bohrpfählen im Erdboden verankert. Deshalb könnten auch nicht einfach größere Kräne aufgestellt werden, sagt Glöckner. Denn dafür sei eine neue Planung notwendig, was zu lange dauere. Zudem sei diese sogenannte Gründung für zwei der vier Kräne schon fast fertiggestellt. Es sei sogar ein externer Baumgutachter von der Dekra hinzugezogen worden, um zu prüfen, ob der Kran neben dem Baum errichtet werden kann, berichtet Hamann. Das Ergebnis war negativ: „Das Wurzelwerk würde durch die Gründung zu sehr geschädigt“, erklärt der Projektsprecher. Zudem würde durch den Beschnitt des Baumes seine Statik gefährdet.

Die Bahn möchte einen neuen Baum pflanzen

Der Baum solle noch vor Beginn der Vegetationsperiode am 1. März gefällt werden, sagt der Projektsprecher. Einen konkreten Termin will er aber nicht nennen. Die Stadt, der die Fläche und damit der Baum gehört, wurde am Montagabend über die Entscheidung informiert. Das Recht, den Baum zu fällen, hat die Bahn aber bereits: „Es gibt einen Planfeststellungsbeschluss, der erlaubt, dass der Baum gefällt werden darf“, sagt Hamann. Man wolle aber die Stadt gerne mit ins Boot holen. Deshalb bietet die Bahn als Ausgleich an, an anderer Stelle eine neue Trauerweide zu pflanzen – mit einem Stammumfang zwischen 60 und 90 Zentimetern und einer Höhe zwischen sieben und neun Metern. Bei der Wahl des Standorts könnten ja vielleicht die Feuerbacher eingebunden werden, sagt Hamann. Die Entscheidung darüber obliege aber letztlich der Stadt.

Die begrüßt das Angebot der Bahn. Man würdige auch die Anstrengungen der Bahn, einen Erhalt der Weide aufwendig geprüft zu haben, sagt ein Sprecher der Stadt. Die Entscheidung zum Fällen liege aber in der Verantwortung der Bahn, rechtlich gesehen könne die Stadt dies nicht verhindern. Gleichwohl bedauere man, dass der markante Baum nicht erhalten werden könne. Auch Andrea Klöber findet es schade, dass der Baum gefällt wird. „Das wird in Feuerbach für Trauer sorgen“, sagt die Bezirksvorsteherin. Bereits nach der Bezirksbeiratssitzung im Oktober hatten Parkschützer eine Mahnwache und andere Aktionen in Erwägung gezogen.

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