In Aktion: Tunnelpatin Doprothée Kölpin am Bohrhammer Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Vor dem morgendlichen Nieselregen geschützt wurde am Samstag der offizielle Beginn der bergmännischen Bauarbeiten für den Rosensteintunnel gefeiert. Mit einer Gesamtlänge von rund 1300 Metern bilden die beiden Röhren das Zentrum des kommenden B-10-Tunnels.

Stuttgart - Ein Kreuz aus Neonröhren an der Wand, davor ein steinerner Altar mit der Aufschrift „Glückauf!“ und einer Statue der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Mineure, in Stuttgarter Schwarz-Gelb: Ein bisschen wirkte das Betongewölbe des Zugangsstollens zum künftigen Rosensteintunnel am Samstag wie eine urbane Krypta. Vor dem morgendlichen Nieselregen geschützt wurde hier der offizielle Beginn der bergmännischen Bauarbeiten gefeiert. Mit einer Gesamtlänge von rund 1300 Metern bilden die beiden Röhren das Zentrum des kommenden B-10-Tunnels.

Um den Weg für die Kraftfahrer frei zu machen, müssen 175 000 Kubikmeter Ausbruch ans Tageslicht befördert werden. Würde man alle während der Arbeiten an- und abfahrenden Lastwagen aneinanderreihen, käme man auf 2300 Kilometer. Am Ende soll es dafür weniger stehende Fahrzeugkolonnen geben. Gert Klaiber, Leiter der Abteilung Straßenbau im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, betonte, durch den Tunnel werde „der Verkehrsfluss auf der B 10 verbessert und die Stauanfälligkeit verringert“. Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau (SPD) prophezeite den Anwohnern eine spürbare Entlastung, bat aber um Verständnis für die unvermeidlichen Beeinträchtigungen bis zur geplanten Eröffnung 2020. Der Tunnel kostet 230 Millionen Euro, die Stadt zahlt 118 Millionen.

Für die ersten Schutthaufen sorgten die beiden Tunnelpatinnen. Karin Maag, Bundestagsabgeordnete der CDU, ist die irdische Schutzpatronin der Südröhre, die sie mit einem mächtigen Vortriebsbagger anbiss. Maag hat bereits Untergrunderfahrung: Vor zwanzig Jahren war sie Patin beim Bau des Heslacher Tunnels. „Ich übernehme diese Aufgabe gern“, sagte sie. „Von der verbesserten Verkehrssituation wird man von Zuffenhausen bis Stuttgart-Ost profitieren.“ Die Ehefrau des Wilhelma-Direktors, Dorothée Kölpin, trieb eine Bohrstütze in die Nordröhre und gab damit einen Einblick in die Geschichte des Tunnelbaus: Der Bohrhammer hat mittlerweile als Hauptwerkzeug beim Vortrieb ausgedient.

Während der Feierlichkeiten bezogen Kritiker des Projekts Stellung. Auf einem Transparent warnten sie vor bis zu 28 000 zusätzlichen Fahrzeugen und der „Feinstaubbombe“ Rosensteintunnel. Die Schutzgemeinschaft Krailenshalde fordert zur Einhaltung der Grenzwerte Tempo 50 auf der B 10/27 durch Zuffenhausen.

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